Kein Kunstgriff für Galeristen – Neuerungen bei der Gewinnermittlung

Galeristen sowie Kunst- und Antiquitätenhändler ermitteln üblicherweise ihren Gewinn im Wege einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, wenn keine gesetzliche Verpflichtung zur Buchführung besteht. Die Neuerung des § 4 Abs 3 EStG brachte Änderungen beim Betriebsausgabenabzug im Umlaufvermögen.

Prinzip der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.
Anders als beim Betriebsvermögensvergleich, bei dem Geschäftsfälle daraufhin untersucht werden, ob sie die Höhe des Betriebsvermögens beeinflussen, ist im Rahmen der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung der Geldfluss im Rahmen des Betriebes relevant. Geschäftsfälle werden daher grundsätzlich erst zu dem Zeitpunkt wirksam, in dem Einnahmen zugeflossen oder Ausgaben getätigt worden sind („Zufluss-/Abfluss-Prinzip“). Es ergeben sich somit unterschiedliche Auswirkungen in zeitlicher Hinsicht abhängig von der jeweiligen Gewinnermittlungsart.

Neuregelung des § 4 Abs 3 EStG.
Die mit 1.4.2012 in Kraft getretene Neuregelung sieht vor, dass Ausgaben für im Umlaufvermögen befindliche „Gebäude und Wirtschaftsgüter, die keinem regelmäßigen Wertverzehr unterliegen“, erst bei Ausscheiden des jeweiligen Wirtschaftsgutes aus dem Betriebsvermögen abzusetzen sind. Dies führt zu einem partiellen Abgehen vom Abflussprinzip der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.

Kein regelmäßiger Wertverzehr.
Neben Gebäuden sind gemäß der gesetzlichen Bestimmung auch Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens erfasst, die keinem regelmäßigen Wertverzehr unterliegen. Laut entsprechendem Erlass des Bundesministeriums für Finanzen soll diese Bestimmung nur jene Wirtschaftsgüter erfassen, die – wären  sie im Anlagevermögen – nicht abnutzbar sind und die sich von ihrer Werthaltigkeit als Vermögensanlage eignen. Es sollen somit nur „besonders werthaltige Güter“ von der Regelung betroffen sein. Konkret sind neben Grund und Boden, grundstücksgleichen Rechten und Beteiligungen an Kapitalgesellschaften nach Auffassung des Finanzministeriums auch unverarbeitete Edelsteine und Edelmetalle, Gold- oder Silbermünzen, Kunstwerke und Antiquitäten sowie Wirtschaftsgüter, welche einen besonderen Seltenheits- oder Sammlerwert aufweisen (ua alte Musikinstrumente, Briefmarken, etc) vom Anwendungsbereich der Neuregelung erfasst.

Ausnahmen.
Kunstwerke, Antiquitäten sowie Sammlerstücke, sind jedoch dann von der Neuregelung nicht betroffen, sofern ein Grenzbetrag von EUR 5.000 bezogen auf die Summe der Anschaffungen/Herstellungen/Einlagen gleichartiger Wirtschaftsgüter im selben Wirtschaftsjahr nicht überschritten wird. Ebenfalls nicht erfasst sind all jene Wirtschaftsgüter, die nicht unter die oben erwähnten Kategorien von Wirtschaftsgütern subsumiert werden können sowie Rohstoffe, Hilfsstoffe oder Einzelkomponenten, die für die Weiterverarbeitung bestimmt sind und die sich als solche – selbst wenn sie hochpreisig und wertbeständig sind – nicht für eine Wertanlage eignen.

Fazit. 
Für Kunsthändler und Galeristen   können sich vor allem in der Übergangsphase zur Neuregelung höhere zu versteuernde Gewinne ergeben, da die Ausgaben für Anschaffungen von Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens vor dem 1.4.2012 bereits abgesetzt wurden, Ausgaben für Anschaffungen seit 1.4.2012 allerdings erst im Zeitpunkt der Veräußerung der betroffenen Wirtschaftsgüter geltend gemacht werden können.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Petra Mayer
pmayer@deloitte.at

www.deloitte.at

 

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