Konzerninterne Darlehen aus Verrechnungspreissicht

Grenzüberschreitende konzerninterne Darlehen rücken immer stärker in den Fokus von Betriebsprüfungen, wobei aufgrund der vielfältigen Ausprägungsformen in der Praxis manchmal das Bewusstsein für ein Verrechnungspreisrisiko fehlt. Der mit der Ermittlung von Fremdvergleichswerten verbundene Aufwand zeigt, dass ein fremdüblicher Zinssatz idealerweise bereits im Vorfeld ermittelt werden sollte.

Fremdvergleich.
Dem „Dealing at arm’s length“-Prinzip folgend steht der das Darlehen gebenden Gesellschaft regelmäßig eine fremdübliche Vergütung für die Kapitalüberlassung zu. Die Bestimmung dieser Vergütung führt in der Praxis allerdings oft zu Unklarheiten. Wenngleich die österreichischen Verrechnungspreisrichtlinien die Fremdüblichkeit des Zinssatzes bei konzerninternen Darlehen fordern, geben sie wenig konkrete Anhaltspunkte zu dessen Höhe oder Ermittlung der Angemessenheit. Die internationale Verrechnungspreispraxis geht davon aus, dass die Höhe des Zinssatzes für konzerninterne Darlehen – bei Heranziehen eines externen Fremdvergleichs – von den Parametern Kreditwürdigkeit (Bonität) des Empfängers, Begebungszeitpunkt, Laufzeit, Währung, Darlehenshöhe und von gegebenenfalls vorhandenen Sicherheiten abhängt. Der Vergleich mit der Darlehensvergabe an einen fremden Dritten macht klar, dass besonders in Zeiten turbulenter Finanzmärkte neben der Bonität des Darlehensnehmers die Parameter Begebungszeitpunkt und Laufzeit eine große Rolle spielen können. Dieser Grundsatz gilt unabhängig davon, ob als fremdüblicher Vergleichswert ein Fixzinssatz errechnet werden soll oder die Höhe des Zinsaufschlags („Zinsspread“) bestimmt wird. Soll ein variabler Zinssatz vereinbart werden, so wird beispielsweise dem 3-Monats-Euribor ein Zinsaufschlag in Basispunkten (100 Basispunkte entsprechen 1%) hinzuaddiert.

Zinssatzermittlung.
Die technische Vorgehensweise zur Ermittlung des Zinsspreads/Zinssatzes mithilfe von Zinsstrukturkurven etc muss grundsätzlich für jedes Darlehen separat durchgeführt werden, da etwa der Begebungszeitpunkt und die Laufzeit des Darlehens das Ergebnis sehr stark beeinflussen können. In der Praxis kann bereits eine mittelgroße Zahl an konzerninternen Darlehen großen Aufwand bereiten, weshalb es üblich ist, dass die einzelnen Darlehen gruppiert werden (Ausgangspunkt ist zumeist der Begebungszeitpunkt), um Vereinfachungen bei der Analyse zu ermöglichen. Damit nicht nur ein einzelner Vergleichswert für die Höhe der Vergütung aus dem konzerninternen Darlehen vorliegt, wird regelmäßig eine Bandbreite ermittelt, indem zusätzlich zur ursprünglich herangezogenen Bonität des Darlehensnehmers eine höhere sowie eine niedriger Bonitätsstufe angenommen wird und darauf aufbauend Zinsaufschläge errechnet werden.

Dokumentation.
Neben der rechnerischen Ermittlung von Fremdvergleichswerten und der Aufnahme in die jeweiligen Darlehensverträge sollte idealerweise auch eine Verrechnungspreisdokumentation („Zinsstudie“) aufbereitet werden, welche über Art und Anzahl der konzerninternen Darlehen informiert und auch die vorgenommene Analyse im Detail beschreibt. Eine klar strukturierte und in sich stimmige Verrechnungspreisdokumentation zu den konzerninternen Darlehen hat mehrere Vorteile. Da sich die Betriebsprüfung mit der Zinsstudie und mit der zugrundeliegenden Systematik der konzerninternen Darlehensvergabe auseinandersetzen muss, wird im Regelfall der Spielraum für eine „pauschale Nichtanerkennung“ eingeschränkt. Zusätzlich kann für Kontinuität bei zukünftigen Darlehen im Konzern gesorgt werden, indem die in der Verrechnungspreisdokumentation dargestellte Methodik fortgeführt wird.

Fazit.
Konzerninterne Darlehen können bei Betriebsprüfungen zu Beweisschwierigkeiten und empfindlichen Nachzahlungen führen. Das Wissen um fremdübliche Zinsaufschläge aus einer Zinsstudie bietet daher nicht nur Schutz aus Verrechnungspreissicht, sondern kann auch als Planungs-, Treasury- sowie Cash Flow Management-Tool verwendet werden. Gegebenenfalls kann es empfehlenswert sein, die Zinssatzermittlung für konzerninterne Darlehen in einer konzerninternen Verrechnungspreisrichtlinie festzuhalten, damit Vorgaben und Anhaltspunkte für das tagtägliche Handeln bereitstehen.

Gerald Posautz
gposautz@deloitte.at

www.deloitte.at

 

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