Verkauf von Kunstwerken außerhalb der Spekulationsfrist nicht immer steuerfrei

Grundsätzlich unterliegen Verkäufe von Kunstwerken durch Privatpersonen mangels Unternehmereigenschaft nicht der Umsatzsteuer und nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist nicht der Einkommensteuer. Allerdings kann die Veräußerung von Privatvermögen eine gewerbliche Tätigkeit darstellen und damit zur Steuerpflicht führen.

Kriterien für Gewerblichkeit.
Für das sowohl in umsatzsteuerrechtlicher als auch einkommensteuerrechtlicher Hinsicht maßgebliche Tatbestandsmerkmal der Nachhaltigkeit ist beim Verkauf von Kunstwerken zu prüfen, ob eine wiederholte Veräußerung (nachhaltige Erzielung von Einnahmen) beabsichtigt ist. Merkmale, die für eine nachhaltige Tätigkeit sprechen und die im Einzelfall (nach dem Gesamtbild der Verhältnisse) zu werten sind, wären zB:

  • mehrjährige Tätigkeit
  • planmäßiges Handeln
  • auf Wiederholung angelegte Tätigkeit
  • Ausführung mehrerer Umsätze
  • Vornahme mehrerer gleichartiger Handlungen unter Ausnutzung derselben Gelegenheit
  • Intensität der Tätigkeit
  • Beteiligung am Markt
  • Auftreten wie ein Händler
  • Unterhalten eines Geschäftslokals
  • Verwertung von Kenntnissen und Kontakten aus der betreffenden Branche

Wiederholte Verkäufe aus dem Privatvermögen erfüllen das hier relevante Kriterium der Nachhaltigkeit nur dann nicht, wenn sie nur gelegentlich erfolgen und kein innerer Zusammenhang zwischen den einzelnen Verkäufen anzunehmen ist. Von Bedeutung ist auch, ob die Verkäufe aus eigener Initiative erfolgt sind oder nur auf Drängen eines Interessenten.

Verkauf von Kunstsammlungen.
Die österreichische Finanzverwaltung nennt explizit die Veräußerung einer Kunstsammlung als Beispiel für eine gewerbliche Tätigkeit. Nach ständiger Rechtsprechung des VwGH wird bei einem (Ab-)Verkauf von Sammlungen, der nicht „en bloc“ sondern durch mehrere Einzelgeschäfte erfolgt, idR Unternehmereigenschaft unterstellt. Diese soll bei einem Privatverkauf von Kunstsammlungen bereits bei einer einmaligen Tätigkeit gegeben sein, wenn Wiederholungsabsicht erkennbar ist.

Folgen der Gewerblichkeit.
Sollte von der Finanzverwaltung eine gewerbliche Tätigkeit unterstellt werden, ist in einem weiteren Schritt festzustellen, zu welchem Zeitpunkt die Gewerblichkeit begründet wird. Mit Beginn der gewerblichen Betätigung („Betriebseröffnung“) werden nämlich einkommensteuerlich die von der gewerblichen Betätigung umfassten Wirtschaftsgüter in das Betriebsvermögen eingelegt. Sofern im Falle von Kunstgegenständen die Wirtschaftsgüter zum Zeitpunkt der Einlage nicht steuerhängig sind, dh die einjährige Spekulationsfrist abgelaufen ist, erfolgt die Einlage mit dem Teilwert (Verkehrswert), womit im Ergebnis erst Wertsteigerungen ab Einlage steuerhängig bzw steuerpflichtig werden.

Fazit.
Bei einem geplanten Verkauf von Kunstwerken aus dem Privatvermögen ist jedenfalls zu empfehlen sich im Vorfeld hinsichtlich des Risikos einer gewerblichen Tätigkeit umfassend ertrags- und umsatzsteuerlich beraten zu lassen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Barbara Krüglstein
bkrueglstein@deloitte.at

www.deloitte.at

 

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