No Show – No Tax?

Das BMF hat jüngst klargestellt, dass Vergütungen, die auf Grund der Absage einer Veranstaltung an einen ausländischen (beschränkt steuerpflichtigen) Künstler geleistet werden, nur in Ausnahmefällen dem inländischen Steuerabzug unterliegen (vgl EAS 3314 vom 19.2.2013).

Österreichisches Steuerrecht.
Nach § 99 Abs 1 Z 1 EStG unterliegen nicht nur die Einkünfte aus im Inland ausgeübter selbständiger künstlerischer Arbeit der Abzugsteuer, sondern auch deren Verwertung im Inland (vgl unseren Beitrag vom 11.5.2011). Eine solche Verwertung liegt nach der äußerst unscharf umrissenen Legaldefinition auch vor, wenn die Tätigkeit zwar nicht im Inland ausgeübt wird, aber der wirtschaftliche Erfolg der inländischen Volkswirtschaft dient. Nach Ansicht des BMF könnte der Verwertungstatbestand im Fall von Ausfallshonoraren erfüllt werden, wenn mit dem Engagement eines international berühmten Künstlers auch Werbeeffekte verbunden sind und diese ungeachtet der Veranstaltungsabsage einem inländischen Unternehmer zu Gute kommen. In der Regel sei jedoch davon auszugehen, dass im Fall einer Veranstaltungsabsage keine messbare inländische Verwertung vorliege und daher bereits nach österreichischem Steuerrecht keine Abzugsteuer einzubehalten sei.

Doppelbesteuerungsabkommen.
Art 17 OECD-MA weist das Besteuerungsrecht an Einkünften eines Künstlers aus persönlich ausgeübter Tätigkeit dem Tätigkeitsstaat zu. Vergütungen anlässlich der Absage der Veranstaltung werden aber geleistet, weil es eben zu keiner persönlichen Ausübung der künstlerischen Tätigkeit kommt und fallen daher nicht unter den Anwendungsbereich des Art 17 OECD-MA. Sofern die Ausfallsvergütung keiner inländischen Betriebstätte zuzurechnen ist, besteht auch nach Art 7 OECD-MA („Unternehmensgewinne“) kein österreichisches Besteuerungsrecht. Folglich kann auch bei Inlandsverwertung der Ausfallshonorare ein österreichischer Besteuerungsanspruch abkommensrechtlich nicht durchgesetzt werden. Durch Beibringung eines von den ausländischen Steuerbehörden bestätigten Vordruckes ZS-QU1 kann auch ein österreichischer Steuerabzug vermieden werden.

Fazit.
Ausfallshonorare unterliegen nur bei entsprechender Inlandsverwertung des vereinbarten Engagements der inländischen Abzugsteuer. Seitens des BMF wird in einer aktuellen Auskunft lediglich beispielhaft auf eine etwaige Werbewirksamkeit für inländische Unternehmer verwiesen, mögliche weitere Fälle werden nicht erwähnt. Aus diesem Grund ist es wohl ratsam das von den ausländischen Steuerbehörden bestätigte ZS-QU1 Formular zu den Akten zu nehmen. Auf diese Weise können allfällige Diskussionen über die Erfüllung des Verwertungstatbestands im Fall späterer Betriebsprüfungen von vornherein vermieden werden.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Wilfried Krammer
wkrammer@deloitte.at

www.deloitte.at

 

 

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