Unfallkosten auf Heimfahrt als Werbungskosten

Unfallkosten, die im Zuge der Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entstehen, können Werbungskosten darstellen, sofern dem Lenker kein grobes Verschulden vorzuwerfen ist. Dies gilt unabhängig von der Pendlerpauschale, da diese nur „typischerweise für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anfallende Kosten“ abgelten.

Ausgangslage.
Bei einem Verkehrsunfall, den ein Polizist auf dem Heimweg von seiner Arbeitsstätte schuldhaft verursacht hat, entstanden beträchtliche Reparaturkosten, die von der Versicherung nicht gedeckt waren. Die in der Einkommensteuererklärung geltend gemachten Kosten wurden vom Finanzamt nicht berücksichtigt, da eine berufliche Verwendung eines KFZ auf Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nur im Fall der Unzumutbarkeit der Benützung eines Massenverkehrsmittels gegeben sei. Der UFS hob den Bescheid auf und wies die Sache an das Finanzamt zurück, da die Beurteilung, ob ein Verkehrsunfall beruflich oder privat veranlasst sei, ua vom Grad des Verschuldens des Lenkers abhänge und das Finanzamt den Verschuldensgrad zu ermitteln hätte. Dagegen erhob das Finanzamt Amtsbeschwerde an den VwGH, da „Unfallkosten nur dann als zusätzliche Werbungskosten zu berücksichtigen sein sollen, wenn die Benutzung eines Massenverkehrsmittels unzumutbar ist“. Dies traf im vorliegenden Fall jedoch nicht zu.

Erkenntnis des VwGH.
Der VwGH hielt fest, dass Kosten, die bei einem unverschuldeten Unfall entstünden, jedenfalls Werbungskosten darstellen. Auch für den Fall, dass der Unfall durch leicht fahrlässiges Verhalten des Lenkers verursacht worden ist, sei der berufliche Veranlassungszusammenhang nicht unterbrochen. Somit können auch Reparaturkosten, die auf einen vom Steuerpflichtigen selbst verschuldeten Unfall zurückzuführen sind, Werbungskosten darstellen, es sei denn, dem Steuerpflichtigen ist grobe Fahrlässigkeit zur Last zu legen. Daneben hält der VwGH fest, dass Werbungskosten auch neben der Pendlerpauschale, durch die nur „typischerweise für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anfallenden Kosten“ abgegolten sind, geltend gemacht werden können. Für Kosten, die nicht von der Pendlerpauschale erfasst sind, bleibt die allgemeine Regel des Werbungskostenabzugs anwendbar, wodurch es auch nicht auf die Zumutbarkeit der Benützung eines Massenverkehrsmittels ankommt. Die Kosten sind somit unabhängig vom Zustehen des „kleinen“ oder „großen“ Pauschales abzugsfähig (VwGH 19.12.2012, 2009/13/0015).

 

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Robert Rzeszut

Robert Rzeszut

Senior Manager| Tax LitigationDeloitte Tax
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