Die neue Land- und Forstwirtschaftspauschalierungsverordnung 2015

Mit BGBl II 2013/125 wurde die Land- und Forstwirtschaftspauschalierungsverordnung 2015 erlassen. Diese beinhaltet einige wesentliche Änderung im Vergleich zur derzeit gültigen LuF-PauschVO 2011.

Insbesondere enthält die neue Verordnung Einschränkungen der Anwendbarkeit der Vollpauschalierung sowie neue Gewinnermittlungsvorschriften für die Ermittlung von Gewinnen von Intensivobstanlagen zur Produktion von Tafelobst. Durch die voraussichtlich ab 2015 anwendbare Neuregelung erwartet sich der österreichische Fiskus ab dem Jahre 2016 Mehreinnahmen im Ausmaß von rund EUR 10 Millionen pa.

Derzeitige Rechtslage.
Die LuF-PauschVO 2011 ist grds auf alle LuF-Betriebe anwendbar, deren Inhaber weder zur Buchführung verpflichtet ist (Umsätze in zwei aufeinander folgenden Kalenderjahren mehr als EUR 400.000 oder Einheitswert (EHW) am 1. Jänner des Jahres mehr als EUR 150.000) noch freiwillig Bücher führt. Bis zu einem EHW von EUR 100.000 ist der Gewinn durch Vollpauschalierung (der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben), ab einem EHW von mehr als EUR 100.000 durch Teilpauschalierung (Ansatz der tatsächlichen Betriebseinnahmen inkl USt, Pauschalierung der Betriebsausgaben) zu ermitteln. Beträgt der forstwirtschaftliche (Teil)EHW mehr als EUR 11.000, ist der Gewinn aus Forstwirtschaft ebenfalls durch Teilpauschalierung zu ermitteln. Bei Vollpauschalierung ist der Gewinn mit 39% des maßgeblichen EHW anzusetzen.

Zukünftige Rechtslage.
Die LuF-PauschVO 2015 kommt nur noch bis zu einem EHW von max EUR 130.000 zur Anwendung, sofern keine Buchführungspflicht besteht und Bücher auch nicht freiwillig geführt werden. Die Vollpauschalierung ist nur mehr für Betriebe anwendbar, deren (i) EHW max EUR 75.000, (ii) deren selbst bewirtschaftete reduzierte landwirtschaftliche Nutzfläche iSd BewG max 60 ha beträgt und (iii) deren Zahl der tatsächlich gehaltenen oder erzeugten Vieheinheiten max 120 beträgt. Neben den geänderten Anwendungsvoraussetzungen wurde der Besteuerungssatz bei Vollpauschalierung überdies von 39% auf 42% erhöht.

Obstbau.
Gänzlich neu geregelt wurde die pauschale Gewinnermittlung für  Intensivobstanlagen zur Produktion von Tafelobst. Während diese im Rahmen der LuF-PauschVO 2011 bei einem EHW von max EUR 100.000 von der Vollpauschalierung erfasst waren, unterliegen sie nunmehr – sofern die genutzte Grundfläche 10 ha übersteigt und der EHW des Betriebes max EUR 130.000 beträgt – der Teilpauschalierung. Die Betriebsausgaben sind mit 70% der Betriebseinnahmen inkl USt anzusetzen. Ausgaben für Löhne inkl LNK sind als zusätzliche Betriebsausgaben, maximal bis zur Höhe der Einnahmen, zu berücksichtigen. Durch die Neuregelung soll eine Angleichung an die Pauschalierung im Bereich des Gartenbaus, der nach Ansicht des BMF über eine vergleichbare Kostenstruktur verfügt, sowie eine realitätsnähere Berücksichtigung der Lohnkosten erreicht werden.

Weitere Änderungen bestehen ua im Bereich der Gewinnermittlung iR (i) von Forstwirtschaften mit einem EHW von mehr als EUR 11.000 (hier wurde die für die Ermittlung der pauschalen Betriebsausgaben früher maßgebliche „Wertziffer“ durch die „Bringungslage“ ersetzt), (ii) des Weinbaus (hier wurde der Mindest-Betriebsausgabenbetrag pro Hektar auf EUR 5.000 erhöht), sowie im Bereich (iii) des Gartenbaus (hier wurden u.a. der für die Anwendung der Durchschnittssätze maßgebliche Höchstbeitrag auf EUR 2.000 erhöht sowie die Durchschnittssätze selbst geändert).

Inkrafttreten.
Gem § 20c BewG sind die EHW für land- und forstwirtschaftliches Vermögen zum 1.1.2014 im Rahmen einer Hauptfeststellung neu festzustellen. Die neu festgestellten Einheitswerte entfalten gem. § 20 Abs 3 BewG mit dem Beginn des auf das Jahr der Hauptfeststellung folgenden Jahres steuerliche Wirkung. Die LuF-PauschVO 2015 ist folglich bei Durchführung der Hauptfeststellung in 2014 im Rahmen der Veranlagung 2015 erstmals anwendbar. Unterbleibt die Hauptfeststellung der EHW für land- und forstwirtschaftliches Vermögen im Jahr 2014 ist die LuF-PauschVO 2011 letztmalig in jenem Jahr, im dem die Hauptfeststellung erfolgt, anwendbar; ab dem Folgejahr kommt die LuF-PauschVO 2015 zur Anwendung.

Fazit.
Die LuF-PauschVO 2015 bringt eine Reduzierung des Anwendungsbereiches der Pauschalierungen mit sich, da der höchst zulässige Einheitswert maximal EUR 130.000 betragen darf (bisher EUR 150.000). Ebenfalls verschärft wurden die Anwendungsvoraussetzungen der Vollpauschalierung, welche nunmehr nur noch bei einem EHW von maximal EUR 75.000 zulässig ist (bisher EUR 100.000). Weiters unterliegen größere Obstbaubetriebe zukünftig der Teilpauschalierung. Da die Neuregelung jedoch erst ab 2015 gelten soll, bleibt für 2013 und 2014 vorerst alles beim Alten.

Andreas Theuerer
atheuerer@deloitte.at

www.deloitte.at/tax

 

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