Doppelte Haushaltsführung und Arbeitszimmer bei Wegverlegung des Familienwohnsitzes?

In ihrer Einkommensteuererklärung machte eine Dienstnehmerin Kosten der doppelten Haushaltsführung, Kosten für Familienheimfahrten sowie Kosten für ein Arbeitszimmer geltend, welche vom Finanzamt mit der Begründung, dass eine privat veranlasste Verlegung des Wohnsitzes bzw ein Arbeitsplatz beim Arbeitgeber vorliege, nicht erkannt wurden.

Werbungskosten sind Aufwendungen oder Ausgaben zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen, wobei die für den Haushalt des Steuerpflichtigen und für den Unterhalt seiner Familienangehörigen aufgewendete Beträge nicht abgezogen werden dürfen. Kosten für ein Arbeitszimmer sind nur dann abzugsfähig, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet.

Sachverhalt.
Eine alleinerziehende Mutter verlegte im Zuge eines Arbeitgeberwechsels (sowohl alter als auch neuer Arbeitgeber sind in Wien) ihren Familienwohnsitz von Wien in jenen 150 km entfernten Ort, in welchem der Vater des Kindes, die Großeltern und weitere Familienmitglieder wohnen. Dies vor allem deshalb, da die neue Arbeit längere Auslandsdienstreisen erforderte und der minderjährige Sohn am neuen Familienwohnsitz besser betreut werden konnte. Abgesehen von den rd 50 Reisetagen im Jahr pendelte die Berufungswerberin in der Regel einmal in der Woche nach Wien, arbeitete dort zwei Tage und übernachtete in ihrer Wiener Wohnung. Eine tägliche Rückkehr an den neuen Familienwohnsitz war aufgrund der Entfernung nicht möglich. An den übrigen Tagen arbeitete die Berufungswerberin in ihrem Arbeitszimmer am nunmehrigen Familienwohnsitz. Das Finanzamt erkannte mit der oben angeführten Begründung weder Kosten der doppelten Haushaltsführung, für Familienheimfahrten noch für ein Arbeitszimmer.

Doppelte Haushaltsführung.
Der Unabhängige Finanzsenat, 12.3.2013, RV/1752-W/12 erachtete es dagegen als unstrittig, dass die Voraussetzungen für die steuerliche Anerkennung der Aufwendungen für die doppelte Haushaltsführung und Familienheimfahrten vorlägen, hätte der nunmehrige Familienwohnsitz schon früher bestanden. Es wäre daher gleichheitswidrig, eine doppelte Haushaltsführung bei betreuungsbedürftigen Familienangehörigen zwar im Fall einer von vornherein außerhalb des Beschäftigungsortes gelegenen Wohnung anzuerkennen, nicht aber, wenn die doppelte Haushaltsführung erst wegen des Erfordernisses einer Betreuung begründet würde.

Arbeitszimmer.
Nach einhelliger Meinung führt der freiwillige Verzicht auf die Nutzung eines Büros beim Arbeitgeber nicht zur Notwendigkeit eines Arbeitszimmers im Wohnungsverband. Wie der UFS allerdings erläuterte, ist die Nutzung des Arbeitszimmers bei der alleinerziehenden Mutter aus beachtlichen objektiven Gründen geboten, wenn dadurch die beruflich bedingten Abwesenheiten verringert werden können und die Mutter die tatsächliche Obsorge für ihr Kind bestmöglich ausüben kann. Liegt die Notwendigkeit einer doppelten Haushaltsführung vor, können die Voraussetzungen für die steuerliche Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für ein Arbeitszimmers gegeben sein, wenn dieses für mehr als die Hälfte der Tätigkeit im Rahmen der konkreten Einkunftsquelle benützt wird und dadurch die Abwesenheitstage vom Familienwohnsitz reduziert werden. Dies unabhängig davon, ob dem Steuerpflichtigen beim Arbeitgeber ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Fazit.
Der UFS zeigt sich in seiner Entscheidung zur Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für doppelte Haushaltsführung, Familienheimfahrten und Arbeitszimmer familienfreundlich. Sofern objektiv beachtliche Gründe vorliegen, ist nicht entscheidend, ob der Familienwohnsitz beibehalten und am Beschäftigungsort ein Zweitwohnsitz begründet wird oder am Beschäftigungsort ein Zweitwohnsitz besteht und der Familienwohnsitz vom Beschäftigungsort wegverlegt wurde. Nachdem das Finanzamt Amtsbeschwerde erhoben hat, bleibt die Entscheidung des VwGH in dieser Angelegenheit abzuwarten.

Andreas Auer
anauer@deloitte.at

www.deloitte.at/tax

 

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