Die „verhängnisvolle Wurstsemmel“ – wie weit reicht der Schutz der Unfallversicherung?

Kürzlich hatte der OGH zu beurteilen, ob ein Unfall auf dem Weg zwecks Einnahme einer Mahlzeit zu einem weiter entfernt liegendem Ort als Arbeitsunfall zu werten ist.

Grundsätzliches.
Durch die gesetzliche Unfallversicherung werden Schäden aus sog geschützten Unfällen (zu denen auch Wegunfälle, welche mit der Beschäftigung zusammenhängen zählen) abgedeckt. Als Arbeitsunfälle gelten auch Unfälle, die auf Wegen, die während der Arbeitszeit, einschließlich der Pausen, zurückgelegt werden, um lebensnotwendige Bedürfnisse (zB Mittagessen) zu befriedigen. In der Praxis bereitet oftmals die Abgrenzung zwischen einem beruflich bzw privat veranlassten Weg Schwierigkeiten.

Einnahme einer Jause an weit entferntem Ort.
Gegenständlich fuhr die Mitarbeiterin in ihrer zweistündigen Mittagspause zu einem ca 12 km weit entfernten Supermarktparkplatz, um dort ihre – von zu Hause mitgebrachte – Wurstsemmel zu verspeisen. Auf dem Rückweg zum Firmenstandort erlitt sie einen schweren Verkehrsunfall. Der OGH betonte einerseits, dass der Weg zur Nahrungsaufnahme auch dann geschützt sei, wenn der Versicherte dort lediglich mitgebrachte Speisen verzehrt. Andererseits sprach er aber aus, dass das Aufsuchen eines weit entfernten Orts (12 km wurde als weit entfernt qualifiziert) nicht mehr wesentlich durch die Notwendigkeit der Essenseinnahme bestimmt sei, sondern vielmehr allein dem Zeitvertreib des Mitarbeiters diene. Im vorliegenden Fall verneinte der OGH daher einen Arbeitsunfall.

Bernhard Geiger
bgeiger@deloitte.at

www.deloitte.at/tax

 

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