Besteuerung von Derivaten bei inländischen Privatinvestoren

Seit der Neuordnung der Kapitalvermögensbesteuerung Anfang vorletzten Jahres (Stichtag 1.4.2012) gelten neben Termingeschäften wie Futures, Forwards, Optionen oder Swaps nunmehr  auch strukturierte Finanzprodukte wie etwa Index- oder Hebelzertifikate als Derivate.

Besteuerung von verbrieften Derivaten.

Erträge und Gewinne aus verbrieften Derivaten, wie etwa  Index- oder Hebelzertifikaten, die  seit dem 1.4.2012 entgeltlich erworben wurden,  sind bei Gutschrift durch eine inländische Bank mit 25% KESt belastet. Statt des früher geltenden First in – First out Verfahrens wird bei sukzessiven An- und Verkäufen das gleitende Durchschnittspreisverfahren angewendet. Realisierte Verluste aus dem Verkauf von verbrieften Derivaten werden (mit Einschränkungen) von der inländischen Bank automatisch mit anderen KESt-pflichtigen Erträgen wie Dividenden oder Zinsen und Veräußerungsgewinnen wie etwa aus dem Verkauf von Aktien oder Fonds, depotübergreifend verrechnet. Eine darüber hinausgehende Verrechnung von Verlusten mit Gewinnen oder Erträgen, die auf einem anderen Depot erzielt wurden, ist nur über die Steuererklärung möglich. Ein Verlustvortrag in das nächste Veranlagungsjahr ist nicht möglich. Werden verbriefte Derivate hingegen in einem Auslandsdepot gehalten, ist eine Erfassung über die Steuererklärung unumgänglich, diesfalls kommt der 25% Sondersteuersatz zur Anwendung.

Besteuerung von nicht verbrieften Derivaten – KESt-Option möglich.

Erträge und Gewinne aus nicht verbrieften Derivaten, dh Futures, Forwards, Optionen und Swaps, sind grundsätzlich vom Anleger im Rahmen der Einkommensteuererklärung mit dem progressiven Tarifsatz zu besteuern. Entsprechende Verluste sind nur mit anderen tarifsatzpflichtigen Kapitaleinkünften desselben Kalenderjahres verrechenbar, aber nicht in Folgejahre vortragsfähig. Führt jedoch die inländische depotführende Stelle im Fall von nicht verbrieften Derivaten die KESt in Höhe von 25% freiwillig ab, so ist damit für den Privatinvestor hinsichtlich dieser Derivate eine entsprechende Endbesteuerungswirkung verbunden. Werden nicht verbriefte Derivate in einem Auslandsdepot gehalten (keine Option zum Abzug der KESt möglich), ist eine Erfassung in der Steuererklärung notwendig, in diesem Fall kommt der Tarifsteuersatz zur Anwendung.

Sonderfall:

Depot in der Schweiz mit 25% Steuerabzug. Seit 1.1.2013 ist das Steuerabkommen Österreich-Schweiz in Kraft. Auf einem Schweizer Depot besteht somit die Möglichkeit für bestimmte Finanzinstrumente die 25%ige Abzugssteuer nach diesem Abkommen direkt durch die Bank einheben zu lassen. Für Termingeschäfte wie Optionen, Futures, Forwards, Swapgeschäfte und strukturierte Produkte wie vor allem Index- und Basketzertifikate sieht das Abkommen einen Steuerabzug für Erträge sowie Veräußerungsgewinne in Höhe von 25% vor. Auch am Schweizer Depot werden Verluste automatisch gegenverrechnet. Die Detailregelungen des Abkommens sind den Vorschriften für den KESt-Abzug nachempfunden und daher ähnlich, im Detail sind jedoch Unterschiede vorhanden.

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Birgit Schwertner-Awais

Birgit Schwertner-Awais

Manager | SteuerberatungDeloitte Tax
Telefon:+43 1 537 00 4150
Mail: bschwertner@deloitte.at

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