Deutschland: Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Kunsthändler

Auf Drängen der EU musste Deutschland ab dem 1.1.2014 den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Kunstverkäufe durch Galerien und Kunsthändler (Wiederverkäufer) abschaffen.

Bisherige Rechtslage.

In Deutschland galt bis 31.12.2013 ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz (7%) für den Verkauf von Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen, Collagen, Skulpturen in kleinen Auflagen sowie für Radierungen, Lithographien, Linolschnitten und Holzdrucken unabhängig von der Auflagenhöhe. Dagegen unterlagen Siebdrucke, Digitaldrucke, Fotografien und Kunstdrucke bereits bisher dem regulären Mehrwertsteuersatz (19%).

Neue Rechtslage.

Seit 1.1.2014 kommt für Wiederverkäufer (Galerien und Kunsthändler) auf alle Arten von Kunstverkäufen der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19% zur Anwendung. Hauptleidtragender dieser Steuererhöhung ist somit der Kunsthandel. Atelierverkäufe (durch die Künstler selbst) unterliegen nämlich auch weiterhin dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7%.

Vergleich zu anderen EU-Ländern.

Mit der Anhebung des Mehrwertsteuersatzes auf 19% liegt Deutschland im europäischen Vergleich mit seinem Mehrwertsteuersatz zwar noch immer unter einigen anderen EU-Ländern, jedoch soll auf Betreiben des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler die Erhöhung der Mehrwertsteuer durch Kompensationsmöglichkeiten ergänzt werden.

Neue Modelle.

In Zukunft soll es in Deutschland für Galerien und Kunsthändler zwei Modelle geben, die Mehrwertsteuer bei Kunstverkäufen zu berechnen:

  • ein einfaches Modell mit der auf 19% erhöhten MwSt und Recht auf Vorsteuerabzug sowie
  • eine sogenannte Margenbesteuerung als Variante der für den Kunst- und Antiquitätenhandel schon bisher zugelassenen

Differenzbesteuerung.

Hierbei bemisst sich der Umsatz grundsätzlich nach dem Betrag, um den der Verkaufspreis den Einkaufspreis für den Gegenstand übersteigt. Wenn sich der Einkaufspreis eines Kunstgegenstandes nicht ermitteln lässt oder der Einkaufspreis unbedeutend ist, wird der Betrag, nach dem sich der Umsatz bemisst, mit 30% des Verkaufspreises angesetzt. Besteuert wird mit dem vollen MwSt-Satz von 19%, allerdings ohne Recht auf Vorsteuerabzug.

Exkurs Österreich:

In Österreich richtet sich der Umsatzsteuersatz auf Kunst grundsätzlich nach der Einstufung des Kunstwerkes: Handelt es sich um reproduzierbare Kunst (zB Fotografie) kommt stets der 20%ige Umsatzsteuersatz zur Anwendung. Bei handgeschaffenen Kunstwerken fällt bei Verkäufen durch Kunsthändler / Galerien idR 10% Umsatzsteuer an, wenn die Galerie das Kunstwerk direkt vom Urheber oder dessen Rechtsnachfolger erworben hat oder für den Erwerb zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt war. Nimmt jedoch ein Galerist / Kunsthändler die Differenzbesteuerung in Anspruch, beträgt der Umsatzsteuersatz für Kunstwerke stets 20% (vgl dazu auch unseren Beitrag vom 14.9.2012).

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Barbara Behrendt-Krügelstein

Barbara Behrendt-Krügelstein

Manager | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 7112
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