Crowdfunding, das gelobte Land

Als Crowdfunding wird das Akquirieren von Geldbeträgen über das Internet von einer Vielzahl an Investoren zur Finanzierung eines Projekts oder eines Unternehmens verstanden. Die Suche nach Investoren erfolgt in der Regel über die zahlreichen Crowdfunding-Plattformen, auf denen der Suchende sein Projekt für einen gewissen Zeitraum präsentiert und einen Mindestkapitalbedarf festlegt.

Wird der Betrag erreicht, findet das Projekt seine Umsetzung; scheitert die Finanzierung in voller Höhe, bekommen die Investoren ihr Geld zurück. Was in der Theorie einfach klingt, kann praktisch mitunter komplex werden, wenn beispielsweise trotz geglückter Mittelaufbringung das Projekt keine Umsetzung findet. Je nachdem, welche Absichten die Investoren verfolgen, unterscheidet man verschiedene Spielarten des Crowdfundings, die sich von Philanthropie bis zur Kapitalanlage erstrecken.

Wem es nützt.

Crowdfunding dient oft der Finanzierung von eher ungewöhnlichen und kostengünstigen Projekten, lässt sich aber nicht darauf beschränken. Mit Crowdinvesting steht eine Alternative für kapitalintensive Unternehmen und Anliegen zur Verfügung, eine klare Abgrenzung ist nicht immer möglich. Gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen sowie Start-ups stellt dies eine Möglichkeit zur Aufbringung von Kapital dar, da die Hürden für Bankkredite in Zeiten von Basel III und Wirtschaftskrise oft unüberbrückbar hoch sind. Den Investoren werden etwa Goodies, Beteiligungen oder die Rückzahlung des Kapitals zu einem fixen Zinssatz angeboten.

Wo die Probleme liegen.

Zwei Interessen stehen sich bei der Idee, über das Internet an Finanziers zu kommen, diametral entgegen. Einerseits besteht eine klare Nachfrage nach alternativen Finanzierungsformen gerade für KMUs, deren Finanzierungsbedarf in der Regel überschaubar ist, andererseits ist der Gläubigerschutz ein heißes Thema speziell bei neuen Finanzierungsformen. Das Internet bietet die Möglichkeit sich an eine breite Masse zu wenden und erleichtert das Ansprechen  potenzieller Investoren. Gerade diese Suche von Investoren in der Öffentlichkeit führt zur Pflicht der Erstellung eines entsprechenden Prospekts. Auf europäischer Ebene wird den Mitgliedsstaaten ein Spielraum von bis zu fünf Millionen Euro für die Prospekthaftungspflicht gelassen, den bis auf die Briten und einige Balkanstaaten jedoch niemand  in seiner nationalen Gesetzgebung ausschöpft. Hier zeigt sich ein weiteres Problem des Crowdfundings in Europa: Wer Investoren in mehreren Mitgliedsstaaten ansprechen will, muss auf die jeweiligen nationalen Prospektpflichten Rücksicht nehmen und entsprechend für jeden einzelnen Mitgliedsstaat ein eigenes Prospekt erstellen.

Die Grenzen.

Der Waldviertler Unternehmer Heini Staudinger hat mit seiner Crowdfunding-Pionierleistung bis nach Brüssel Wellen geschlagen. Seit 1999 hat Staudinger von Freunden, Familienmitgliedern und Bekannten Darlehen zu einem fixen Zinssatz von vier Prozent in Höhe von insgesamt drei Millionen Euro gesammelt und damit den laufenden Betrieb seines Unternehmens finanziert. Unternehmen in Österreich, die sich über direkte Darlehen finanzieren, benötigen jedoch ab einer jährlichen Summe in Höhe von EUR 250.000 ein Anlegerprospekt, dessen Erstellung solche Kosten verursacht, die in der Regel die Rentabilität eines Crowdfundingprojekts vereiteln. Ein weiteres Problem stellt die mögliche Einordnung dieser Finanzierungsform als Einlagengeschäft dar, das eine Bankenkonzession erfordert. Anhänger des Crowdfundings sehen dies wiederum etwas differenzierter, da Banken Geld als Durchlaufposten einnehmen und weitergeben und dabei Zinsen lukrieren. Im Gegensatz dazu sei der Unternehmer, der über das Internet um Geldmittel wirbt, rein zur Eigenfinanzierung tätig. Ein klares Statement zur Frage, was denn nun vom Begriff des Bankgeschäftes umfasst ist, gab es unlängst, als die Strafkompetenz der FMA auf schlanke fünf Millionen Euro erhöht wurde.

Auf den Punkt gebracht.

Dank Basel III und vielzitierter Kreditklemme liegt die Zukunft in der Finanzierung durch viele Kleinanleger über die neuen Medien. Es gilt einen Spagat zwischen unternehmerfreundlichen Regelungen und Anlegerschutz zu machen und beide Interessen ausreichend zu schützen.

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