Ausländische Künstler-Gagen und finanzstrafrechtliche Verantwortung

Vergütungen für in Österreich erbrachte Leistungen ausländischer Künstler unterliegen unter bestimmten Voraussetzungen der Abzugsteuer. Während die Künstler selbst Schuldner dieser Abzugsteuer sind, haftet der Auftraggeber für den Steuerabzug, unabhängig davon, ob die Gage im Vorhinein, im Nachhinein, bar oder durch Überweisung ausbezahlt wird. Der Auftraggeber trägt zudem auch die finanzstrafrechtliche Verantwortung.

Österreichische Abzugsteuer.

Die Einkommensteuer ausländischer Künstler wird im Wege eines besonderen Steuerabzugs erhoben. Die Abzugsteuer beträgt grundsätzlich 20% und wird vom vollen Betrag der Einnahmen einschließlich aller Kostenersätze und Sachbezüge erhoben. Die Abzugsteuer für sämtliche ausländische Künstler ist vom Auftraggeber einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Nahezu alle von Österreich abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen enthalten eine sogenannte Künstlerklausel, welche einen Besteuerungsanspruch Österreichs von im Inland tätigen Künstlern sicherstellt. Der Umfang der österreichischen Steuerpflicht hängt von der Ausgestaltung des jeweils anzuwendenden Doppelbesteuerungsabkommens ab. Ausnahmen vom Steuerabzug sind im Anwendungsbereich der DBA-Entlastungs-Verordnung sowie des Künstler-Sportler-Erlasses vorgesehen. Für eine Entlastung an der Quelle sind entsprechende Dokumentationserfordernisse beim Auftraggeber vorgesehen.

Dokumentationserfordernis.

Das System der Steuerentlastung an der Quelle verlagert die Verantwortung der richtigen DBA-Anwendung und die zutreffende Würdigung aller Nachweisunterlagen auf den Abzugsverpflichteten – den Auftraggeber. Für Zwecke der Dokumentation der Voraussetzungen für eine Steuerentlastung an der Quelle sieht die Verordnung die Formulare ZS-QU 1 für natürliche Personen und ZS-QU 2 für juristische Personen vor. Sind diese Formulare ordnungsgemäß ausgefüllt und von der ausländischen Steuerverwaltung bestätigt, dann können damit die Grundvoraussetzungen für die Steuerentlastung belegt werden. Für Vergütungen von nicht mehr als EUR 10.000 p.a. steht ein vereinfachtes Dokumentationsverfahren zur Verfügung, ebenso sieht der Künstler-Sportler-Erlass unter bestimmten Voraussetzungen eine Entlastung von der österreichischen Abzugsteuer vor (vgl. ArtNews_Nr4_2012).

Finanzstrafrechtliche Verantwortung.

Voraussetzung für ein Finanzvergehen ist einerseits eine Pflichtverletzung und eine damit zusammenhängende Abgabenverkürzung sowie andererseits ein Verschulden des Täters. Führt der Auftraggeber die Abzugsteuer nicht ab, begeht er eine derartige Pflichtverletzung; trifft ihn zusätzlich ein Verschulden daran macht er sich strafbar. Bereits leichte Fahrlässigkeit ist als Verschuldensmaßstab ausreichend. Als Täter kommen daher die für die Abfuhr der Abzugsteuer verantwortlichen Personen (Geschäftsführer, Direktorium), der Verband (Gesellschaft) sowie die bei der Abwicklung involvierten Mitarbeiter in Frage. Das Finanzstrafgesetz sieht für jeden Beteiligten je nach Verschuldensgrad unterschiedliche Strafen vor: bei Fahrlässigkeit bis zu 100% und bei Vorsatz bis zu 200% vom nicht ordnungsgemäß abgeführten Betrag.

Fazit.

In Anbetracht der sich aus der Beauftragung von ausländischen Künstlern ergebenden Haftungsthemen und finanzstrafrechtlichen Risiken empfiehlt sich eine sorgfältige Dokumentation der Auftragsverhältnisse sowie der Einbehaltung und Abfuhr der Abzugsteuer. Gerne führen wir mit Ihnen eine gemeinsame Evaluierung Ihrer diesbezüglichen Prozesse zur Absicherung gegen etwaige Risiken in Ihrem Verantwortungsbereich durch.

Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Leistungsblatt, das wir Ihnen gerne auf Anfrage unter der E-Mail Adresse artnetwork@deloitte.at zusenden. Sie können uns auch gerne persönlich kontaktieren.

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Petra Mayer

Petra Mayer

Senior Manager | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 5910
Mail: pmayer@deloitte.at

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