Neuer OECD Standard for Automatic Exchange of Financial Account Information

Die OECD nimmt sich FATCA zum Vorbild und veröffentlicht ein daran angelehntes Regelwerk, bei dessen Vereinbarung und Implementierung sich die Vertragsstaaten zum automatischen Informationsaustausch von Kontoinformationen der Bürger des jeweils anderen Vertragsstaates verpflichten, die sie zuvor von ihren Finanzinstituten erhalten haben.

FATCA.

Steuerhinterziehung ist ein globales Problem und erfordert globale Lösungen. Die USA haben hierbei mit dem „Foreign Account Tax Compliance Act“ oder kurz „FATCA“, dessen Regelwerk ab 1.7.2014 schrittweise in Kraft treten wird, einen neuen Weg beschritten. Anfangs noch belächelt und in seiner Umsetzbarkeit bezweifelt, haben sich die Finanzinstitute inzwischen mit dessen Inkrafttreten abgefunden und arbeiten fieberhaft an seiner Umsetzung.

FATCA will verhindern, dass Personen ihr in den USA steuerpflichtiges Einkommen bei ausländi-schen Finanzinstitutionen und sonstigen ausländischen Einrichtungen vor der US-Steuerbehörde (IRS) verbergen. Zu diesem Zweck sollen diese Institutionen in ein Vertragsverhältnis mit dem IRS treten, in dem sie sich verpflichten, alle wesentlichen Daten von US-Kunden offenzulegen und jährlich deren Kontoinformationen zu übermitteln. Institutionen, die dieses Vertragsverhältnis nicht eingehen, müssen eine 30-prozentige Quellensteuer auf US-basierte Erträge oder Zahlungen einbehalten.

Unterstützt werden die meisten ausländischen Finanzinstitute darin von ihren jeweiligen Sitzstaaten, die durch den Abschluss sogenannter „Intergovernmental Agreements“ (IGA) mit den USA wesentliche Erleichterungen bei der Meldung der US-Konten bringen. Besonders attraktiv ist dabei das von dem meisten Staaten gewählte „Model 1 IGA“, bei dem ausländischen Finanzinstitute ihre US-Konten nicht direkt an den IRS, sondern an die nationale Steuerbehörde melden. Nur sehr wenige Staaten, darunter die Schweiz und Österreich, haben sich für das „Model 2 IGA“ entschieden, bei dem es bei einem direkten Informationsausaustausch mit dem IRS bleibt.

OECD Standard.

Von FATCA inspiriert, begannen auch andere Länder über einen vergleichbaren Informationsaustausch von Kontoinformationen zwischen ihren nationalen Steuerbehörden nachzudenken. Das Ergebnis ist der von der OECD am 13.2.2014 veröffentlichte „Standard for Automatic Exchange of Financial Account Information“. Damit soll den Ländern ein am FATCA Model 1 IGA angelehntes Muster-Regelwerk zum automatischen Informationsaustausch von Konteninformationen der Steuerbürger des jeweils anderen Vertragsstaates zur Verfügung gestellt werden. Die Standardisierung des Informationsaustausches soll den Steuerbehörden und Finanzinstituten helfen, diesen künftig für unterschiedliche Vertragsstaaten systemisch möglichst gleichlaufend und damit kostengünstig umsetzen zu können.

Der Standard besteht aus zwei Komponenten, nämlich dem “Model Competent Authority Agree-ment (CAA)” und dem “Common Standard on Reporting and Due Diligence for Financial Account Information” („CRS”). Das CAA enthält die Regeln für den jährlichen Austausch der Kontoinformationen zwischen den Ländern, der CRS (als Annex dazu) die von den Finanzinstituten zu implementierenden Regeln zu Berichterstattung und Due Diligence. Ein detaillierter Kommentar zum neuen Regelwerk ist von der OECD für Mitte Juni vorgesehen. Der Hauptunterschied zum FATCA Model 1 IGA ist, dass die OECD bei der Definition der meldepflichtigen Konten an die steuerliche Ansässigkeit des Kontoinhabers und nicht wie bei FATCA an dessen Staatsbürgerschaft anknüpft, da eine Besteuerung auf Basis der Staatsbürgerschaft außerhalb der USA nicht üblich ist. Außerdem ist unter dem CRS kein Quellensteuerabzug für Finanzinstitute vorgesehen. Ein solcher ist freilich auch unter FATCA für Finanzinstitute in Ländern mit IGA-Abkommen nur mehr sehr eingeschränkt anzuwenden.

Mehr als 40 Länder, nicht aber die Schweiz und Österreich, haben sich in einem Joint Statement zu einer frühen Implementierung des Standards verpflichtet.

Fazit.

Die USA haben mit FATCA eine internationale Entwicklung beim Austausch von Kontoinformationen zwischen Steuerbehörden ausgelöst, die von der OECD nunmehr konsequent fortgesetzt wird. Wohin die Reise geht, ist nicht schwer vorauszusehen. Das Bankgeheimnis verkommt zur bloßen Worthülse.

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Norbert Bramerdorfer

Norbert Bramerdorfer

Director | Deloitte Tax Telefon: +43 1 537 00 6740 Mail: NBramerdorfer@deloitte.at

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