UFS: Opernsänger erzielt Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit

Der UFS hat in einem Erkenntnis vom 21.11.2013 (RV/0599-K/13) festgestellt, dass ein slowakischer Opernsänger mit Engagements in Form von Einzelverträgen in Österreich unter den folgenden Sachverhaltskonstellationen eine selbständige Tätigkeit ausübt.

Sachverhalt.

Ein slowakischer Opernsänger war an österreichischen Opernhäusern tätig. Um zu beurteilen, ob der Künstler Einkünfte aus einer selbständigen oder einer unselbständigen Tätigkeit erzielte, hat der UFS die Verträge mit den einzelnen Opernhäusern herangezogen und die Vertragsklauseln beurteilt. Der Opernsänger trat als Solist auf, die Vorbereitung sowohl auf die Proben als auch auf den tatsächlichen Auftritt lagen in der alleinigen Verantwortung des Künstlers. Die Entlohnung erfolgte leistungsabhängig, dh bei Verhinderung (zB Krankheit) des Opernsängers wäre sein Honorar entfallen. Das Honorar wurde immer erst nach den Auftritten ausbezahlt. Weiters wurde die Einbehaltung von 20% Abzugsteuer vertraglich festgelegt und auch entsprechend vorgenommen. Irrtümlicherweise wurden von den Opernhäusern jedoch Lohnzettel an das Finanzamt übermittelt, die grundsätzlich für eine nichtselbständige Tätigkeit sprechen.

Abgrenzung selbständiger von nichtselbständiger Tätigkeit.

Für eine selbständige Tätigkeit spricht gemäß herrschender Judikatur unter anderem das Nichtvorliegen folgender Merkmale:

  • Weisungsgebundenheit: Der Opernsänger war zu keinem Zeitpunkt weisungsgebunden. Die Erhaltung, das Training und die Fortbildung seiner Stimme lagen stets in seiner Verantwortung. Sowohl zeitlich als auch örtlich war er nicht gebunden.
  • Eingliederung in den geschäftlichen Organismus: Der Künstler nutzte immer seine eigenen Arbeitsmittel (zB Noten, Instrumente) und war nicht in den geschäftlichen Organismus der Opernhäuser eingebunden.
  • Dauerschuldverhältnis: Der Opernsänger schuldete immer ein bestimmtes Werk (= Auftritt), dh es lag ein Zielschuldverhältnis und kein Dauerschuldverhältnis vor.

Für die Einordnung als selbständige Tätigkeit müssen nicht alle Merkmale vorhanden bzw gleich stark ausgeprägt sein. Es kommt immer auf den tatsächlichen wirtschaftlichen Gehalt (Gesamtbild der Verhältnisse) an.

Ergebnis.

Der UFS kam zu dem Schluss, dass der Opernsänger aufgrund der Ausgestaltung der Verträge und den tatsächlichen Verhältnissen Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit erzielte. Die Übermittlung von Lohnzetteln alleine reiche noch nicht aus, um die Vergütungen als Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit zu qualifizieren.

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Barbara Behrendt-Krügelstein

Barbara Behrendt-Krügelstein

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