Österreich unterzeichnet Abkommen zur Offenlegung von US-Konten

Österreich hat am 28.4.2014 mit den USA ein Abkommen unterzeichnet, dass die Offenlegung von US-Konten durch österreichische Finanzinstitute regelt. Österreich wählte dabei das von den USA angebotene Modell 2. Das Abkommen bringt für die österreichischen Finanzinstitute Ausnahmen und Erleichterungen gegenüber den allgemeinen Bestimmungen des US „Foreign Account Tax Compliance Act“ („FATCA“).

FATCA, welches ab 1.7.2014 stufenweise in Kraft treten wird, will verhindern, dass Personen ihr in den USA steuerpflichtiges Einkommen bei ausländischen Finanzinstitutionen und sonstigen ausländischen Einrichtungen vor der US-Steuerbehörde (IRS) verbergen. Zu diesem Zweck sollen diese Institutionen in ein Vertragsverhältnis mit dem IRS treten, in dem sie sich verpflichten, alle wesentlichen Daten von US-Kunden offenzulegen und jährlich deren Kontoinformationen zu übermitteln. Institutionen, die dieses Vertragsverhältnis nicht eingehen, müssen eine 30-prozentige Quellensteuer auf US-basierte Erträge oder Zahlungen einbehalten.

Intergovernmental Agreements.

Unterstützt werden die meisten ausländischen Finanzinstitute darin von ihren jeweiligen Sitzstaaten durch den Abschluss sogenannter „Intergovernmental Agreements“ (IGA). Zweck der IGAs ist es, bestimmte Befreiungen und Erleichterungen gegenüber den allgemeinen Bestimmungen des US-Gesetzes und den diesen zugrundeliegenden Ausführungsbestimmungen zu erhalten. Darüber hinaus sollen die IGAs und die diesen zugrunde liegenden nationalen Durchführungsgesetze den Banken in jenen Ländern, in denen ihnen dies sonst nach nationalem Recht untersagt wäre, eine rechtliche Basis für die Offenlegung der Kontendaten geben.

Modell IGA 1 und 2.

Die USA haben zwei Muster für ein solches IGA vorgelegt, zwischen denen die Staaten wählen konnten. Nahezu alle Staaten wählten dabei das Modell 1, bei dem ausländischen Finanzinstitute ihre US-Konten nicht direkt an den IRS, sondern an die nationale Steuerbehörde melden, welche diese anschließend in die USA weiterleitet. Dies verhindert, abgesehen von einer einmaligen Online-Registrierung, dass die ausländischen Finanzinstitute mit dem IRS in Kontakt treten müssen. Nur eine Handvoll Staaten, darunter die Schweiz und Österreich als einziges EU-Land, haben sich bisher für das Modell 2 entschieden, bei dem es bei einem direkten jährlichen Informationsausaustausch mit dem IRS bleibt.

Hintergrund für die österreichische Entscheidung zu Modell 2 dürfte gewesen sein, dass Österreich damit verhindern wollte, den gleichen Informationsaustausch auch den anderen EU-Mitgliedstaaten anbieten zu müssen. Österreich hat sich dazu inzwischen zwar bereit erklärt, jedoch war es für einen Übergang auf das vorteilhaftere Modell 1 aber offenbar bereits zu spät. Österreichische Finanzinstitute wären Gefahr gelaufen, am 1.7.2014 ohne Abkommen dazustehen. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass Österreich noch zu einem späteren Zeitpunkt auf ein Modell 1 umschwenkt; etwa dann, wenn es 2017 in Ländern mit einem IGA Modell 2 tatsächlich zu einer Erweiterung von FATCA-Strafquellensteuern auf Veräußerungserlöse und sogenannte „Foreign Passthru Payments“ kommt, die bei einem Modell 1 ausgenommen sind.

Zeitdruck.

Mit der Fertigstellung des FATCA-Abkommens war insofern Eile geboten, als ausländische Finanzinstitute bis zum 5.5.2014 eine Registrierung beim IRS durchführen mussten, wenn sie auf der ersten, am 2.6. veröffentlichten Liste ausländischer Finanzinstitute aufscheinen wollten, die sich gegenüber dem IRS zur Durchführung künftiger US-Kontenmeldungen verpflichteten, was für praktisch alle meldepflichtigen österreichischen Finanzinstitute zutrifft.

Stufenweise Einführung. Österreichische Finanzinstitute werden damit erstmals im März 2015 dem IRS Kontendaten über die bei Ihnen ab Stichtag 1.7.2014 geführten Konten von (bereits) identifizierten US Steuerpflichtigen melden. Zunächst betrifft dies für das Jahr 2014 nur die allgemeinen Kontodaten sowie den Kontenstand. Ab März 2016 werden für das Jahr 2015 und Folgejahre zusätzlich auch die am Konto gutgeschriebenen Zinsen, Dividenden und sonstigen Einkünfte gemeldet. Ab März 2017 werden für das Jahr 2016 und Folgejahre schließlich zusätzlich auch die dem Konto gutgeschriebenen Veräußerungserlöse gemeldet, für die das Finanzinstitut als Verwahrstelle tätig ist.

Fazit. Mit dem Abschluss des Intergovernmental Agreements zwischen Österreich und den USA nach dem Modell 2 konnten österreichische Finanzinstitute eine Verbesserung für die ab 1.7.2014 stufenweise eingeführte Meldepflicht von US-Konten erreichen. Ein späterer Übergang auf Modell 1 ist nicht ausgeschlossen.

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Norbert Bramerdorfer

Norbert Bramerdorfer

Director | Deloitte Audit
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