Arbeitnehmerentsendung nach Finnland – Steuerzahlungen als Vorteil aus dem Dienstverhältnis?

In der EAS-Auskunft 3344 vom 10.4.2014 hat sich das Bundesministerium für Finanzen dazu geäußert, inwieweit die Übernahme finnischer Steuern eines Expatriate durch den Arbeitgeber einen Vorteil aus dem Dienstverhältnis darstellen kann.

Anrechnung und Vermeidung einer unterjährigen Doppelbesteuerung.

Wird ein Mitarbeiter von Österreich nach Finnland für mehr als 183 Tage entsendet, sind die auf finnische Arbeitstage entfallenden Einkünfte in Finnland zu besteuern. Im Doppelbesteuerungsabkommen Österreich-Finnland ist für diese Einkünfte zur Vermeidung der Doppelbesteuerung die „Anrechnungsmethode“ vorgesehen. In Österreich sind daher im Zuge des Veranlagungsverfahrens die gesamten österreichischen und finnischen Bezüge zu versteuern, jedoch ist die finnische Steuer auf die österreichische Einkommensteuer anzurechnen. Um auch bereits einer unterjährigen Doppelbesteuerung entgegenzuwirken, kann bei entsprechender Nachweisführung der Lohnsteuerabzug unterbleiben, sofern im DBA-Ausland parallel Steuerzahlungen zu leisten sind, wobei dies Lohnsteuer- oder Einkommensteuervorauszahlungen sein können (im Detail siehe Ergebnisse der Salzburger Steuerdialoge 2007 und 2009, jeweils Erlass des BMF). Wenn die Verpflichtung zur Leistung von Steuervorauszahlungen jedoch erst im Folgejahr eintritt, wird die Unterlassung des Lohnsteuerabzuges als unzulässig angesehen.

Tax Equalization.

Übernimmt der Arbeitgeber im Rahmen einer „Tax Equalization“ Vereinbarung alle Mehrbelastungen – die sich durch die ausländische Besteuerung ergeben können – und leistet er daher die ausländischen Steuervorauszahlungen, liegt kein Vorteil aus dem Dienstverhältnis vor, wenn der Arbeitgeber gleichzeitig Anspruch auf die Erstattung der im Veranlagungsverfahren des Arbeitnehmers angerechneten finnischen Steuer hat. Weiters ist in einer derartigen „Vorlage“ der abkommensrechtlich gebotenen Steueranrechnung nach Ansicht des BMF keine Gewährung eines Arbeitgeberdarlehens zu sehen.

Vorteil aus dem Dienstverhältnis?

Die in Österreich anrechenbare Steuer ist mit dem „Anrechnungshöchstbetrag“ (österreichische Einkommensteuer auf die ausländischen Einkommensbestandteile) begrenzt. Übersteigen die vom Arbeitgeber gezahlten finnischen Steuern den Anrechnungshöchstbetrag, wäre die Zahlung grundsätzlich als Vorteil aus dem Dienstverhältnis zu berücksichtigten. Durch dessen Berücksichtigung würden sich jedoch die österreichische Steuer und damit auch der Anrechnungshöchstbetrag erhöhen, sodass unter dem Strich keine höhere österreichische Steuer zu zahlen wäre. Im Ergebnis kann daher die Aufnahme des Differenzbetrages in die Steuerbemessungsgrundlage unterbleiben.

Fazit.

Bei Arbeitnehmerentsendungen in Länder mit denen die Anrechnungsmethode im jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen vereinbart wurde, kann unterjährig der Lohnsteuerabzug unterbleiben, sofern parallel im Ausland vergleichbare Steuerzahlungen geleistet werden. Weiters müssen zusätzliche Steuerzahlungen des Arbeitgebers im Ausland nicht als Vorteil aus dem Dienstverhältnis berücksichtigt werden, wenn sich dadurch lediglich der Anrechnungshöchstbetrag erhöhen würde.

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Barbara Kiesenhofer

Barbara Kiesenhofer

Senior Assistant| Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 5727
Mail: bkiesenhofer@deloitte.at

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