Pflegekosten und Heimkosten – steuerliche Entlastungen nutzen!

Die Pflege und Unterbringung von betagten, kranken oder behinderten Menschen ist meist mit hohen Kosten verbunden. Das Einkommensteuergesetz sieht jedoch Möglichkeiten vor, diese Kosten steuermindernd zu berücksichtigen.

Der einfache Musterfall.

Ein 75-jähriger Pensionist wohnt im Sozialheim. Er bezieht eine monatliche Bruttopension von EUR 1.800 und verfügt über Sparbuchguthaben von EUR 65.000. Der monatliche Heimbeitrag, den er selber trägt, beläuft sich auf EUR 2.000. Er bezieht Pflegegeld der Stufe 1 iHv EUR 150 pro Monat. Die Einreichung einer Steuererklärung führt in diesem Fall zu einer Steuergutschrift von rund EUR 3.200!

Pflegebedürftigkeit als Voraussetzung.

Pflege- oder Heimkosten sind steuerlich nur dann absetzbar, wenn eine besondere Pflege- oder Betreuungsbedürftigkeit vorliegt. Hohes Alter allein reicht nicht. Bei Pflegegeldbeziehern wird von der Finanzverwaltung die Pflegebedürftigkeit pauschal ab Pflegestufe 1 angenommen. Sie kann auch durch ein ärztliches Attest nachgewiesen werden, wobei der Verlust der Fähigkeit zur eigenen Haushaltsführung ausreicht.

Welche Kosten sind absetzbar?

Liegt Pflegebedürftigkeit vor, können grundsätzlich alle durch die Pflege und Unterbringung anfallenden Kosten abgezogen werden. Auch die Kosten der häuslichen Pflege durch Haushaltshilfen sind zu berücksichtigen. Ausgaben infolge einer „freiwilligen“ Übersiedlung ins Altersheim sind dagegen steuerlich unbeachtlich! Nicht abzugsfähig sind Betreuungskosten naher Angehöriger (Besuche, Besorgungen, Telefonkosten) sowie Kosten der Lebensführung (Lebensmittel, Körperpflege). Die absetzbaren Kosten sind um das bezogene Pflegegeld und gegebenenfalls um eine „Haushaltsersparnis“ zu kürzen.

Wer kann Kosten geltend machen?

In erster Linie muss der Pflegebedürftige die entstandenen Kosten aus dem laufenden Einkommen (Pension, Vermietung usw) bestreiten. Beim Pflegling vorhandenes Vermögen bleibt hierbei unbeachtet. Absetzbare Pflegeaufwendungen, welche das jährlich zustehende, steuerliche Existenzminimum von EUR 11.000 des Pflegebedürftigen schmälern würden, können überdies – steuerwirksam – von nahen Angehörigen übernommen werden. Eine Kostenübernahme ist vor allem zwischen Ehepartnern sowie zwischen Eltern und Kindern und umgekehrt anzutreffen. Die Zahlung dieser Kosten sollte durch den Angehörigen erfolgen, der die Kosten geltend machen möchte. Die mögliche Steuerersparnis hängt hierbei wesentlich von einem etwaigen Selbstbehalt ab.

Der Selbstbehalt – ein Regelungs-Wirrwarr!

Außergewöhnliche Belastungen – dazu zählen auch pflege- und krankheitsbedingte Ausgaben – können grundsätzlich nur soweit abgesetzt werden, als der jährliche Selbstbehalt überschritten wird. Dieser liegt zwischen 6% bis 12% des Jahreseinkommens, abhängig von dessen Höhe. Bei Pflegebedürftigkeit entfällt dieser Selbstbehalt allerdings, wenn der Betroffene selbst die Kosten trägt. Der Selbstbehalt entfällt auch, wenn der Ehepartner die Kosten trägt und das Jahreseinkommen des Pfleglings EUR 6.000 nicht überschreitet. Übernehmen allerdings andere Angehörige pflegebedingte Kosten ist bei ihnen der Selbstbehalt, ermittelt vom Jahreseinkommen des Angehörigen, anzusetzen.

Übertragung von Vermögen.

Die Abzugsfähigkeit von Kosten, die nahe Angehörige übernehmen, wird auch durch Vermögensübertragungen eingeschränkt. Wird Vermögen unter der Bedingung der späteren Übernahme der Pflegekosten oder in zeitlicher Nähe (innerhalb von sieben Jahren) zur Übersiedlung ins Heim übertragen, sind Pflegeaufwendungen beim beschenkten Angehörigen bis zur Höhe des erhaltenen Vermögens nicht abzugsfähig! Tragen potenzielle Erben Pflegekosten, so können diese Ausgaben aufgrund der zu erwartenden Vermögensübertragung vorläufig nicht vom Angehörigen verwertet werden! Sollte die Erbschaft tatsächlich nicht erfolgen oder der Nachlass geringer als die übernommenen Pflegekosten ausfallen, besteht die Möglichkeit, die Kosten im Nachhinein geltend zu machen. Besser gestellt werden Personen, die bisher mit dem Pflegebedürftigen im gemeinsamen Haushalt gelebt haben. Bleiben die Angehörigen weiterhin in der Wohnung, so stellt diese Immobilie kein erhaltenes, verwertbares Vermögen dar und Pflegekosten bleiben beim Angehörigen abzugsfähig.

Fazit.

Heim- und Pflegekosten, die auf Grund von Pflegebedürftigkeit anfallen, sind dem Grunde nach steuerlich absetzbar. Trägt der Pflegling selbst oder sein Partner die Kosten, sind sie ohne Abzug eines Selbstbehaltes steuerwirksam. In diesen Fällen kann die Steuerersparnis bis zu 50% der Heim- und Pflegekosten betragen. Übernehmen andere Angehörige, insbesondere Kinder, die Kosten, haben sie einen jährlichen Selbstbehalt zu tragen. Die Übertragung von Vermögen auf Angehörige kann den Abzug der Kosten zusätzlich einschränken.

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Harald Moosbrugger

Harald Moosbrugger

Senior Manager | SteuerberatungDeloitte Tax
Telefon:+43 512 58 25-5542
Mail: hmoosbrugger@deloitte.at

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