Vereinsrichtlinien – Wartungserlass 2014: Grundlegende Änderung der Verwaltungspraxis im Profisport

Das Bundesministerium für Finanzen hat vor kurzem den Wartungserlass 2014 der Vereinsrichtlinien in Begutachtung geschickt. Auf knappen neun Seiten wird die bisherige Verwaltungspraxis zum Profisport völlig neu geregelt. In Zukunft sollen Profisportvereine nicht mehr als gemeinnützig angesehen werden. Dies hat sowohl Auswirkungen auf die Vereine selbst als auch auf die beschäftigten Sportler, Trainer und Betreuer.

Ausgliederung notwendig.

Unterhält ein Verein einen Profisportbetrieb, so verliert er ab 2017 seine steuerliche Gemeinnützigkeit. Damit einher geht in der Regel die volle Körperschaftsteuerpflicht für Gewinne des Vereins, keine Anwendbarkeit der Umsatzsteuerbefreiung für Leistungen des Vereins (zB Eintrittskarten) sowie der Verlust von zahlreichen weiteren Begünstigungen (etwa im Bereich der Werbeabgabe oder hinsichtlich der Möglichkeit, gewisse steuerfreie Aufwandsentschädigung an Sportler auszuzahlen). Um die steuerliche Gemeinnützigkeit zumindest zum Teil zu erhalten, kann der Verein seinen Profibetrieb innerorganisatorisch getrennt in einem eigenen Rechnungskreis erfassen oder unter Anwendung des Artikel III UmgrStG steuerneutral in eine Kapitalgesellschaft ausgliedern. Steht der Profibetrieb im Verein im Vordergrund, so ist zwingend eine Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft vorzunehmen. Der eigene Rechnungskreis respektive die ausgegliederte Kapitalgesellschaft wären in der Folge sowohl körperschaftsteuerpflichtig als auch umsatzsteuerpflichtig.

Definition Profisport.

Im Wartungserlass wird festgehalten, dass die Ausübung des Berufssports keinen begünstigten Zweck im Sinn der §§ 34ff BAO darstellt, weil dabei die Förderung von wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund steht. Obwohl durch die Ausübung des Profisports aufgrund seiner Öffentlichkeitswirkung auch eine Anregung zur Betätigung im Breitensport erfolgen kann (und es somit zur Förderung des begünstigten Zwecks des Körpersports kommt), liegt laut Ansicht des BMF im Bereich des Profisports keine ausschließliche und unmittelbare Förderung dieses begünstigten Zwecks vor. Als Profisportler werden im Wartungserlass Personen definiert, die für ihre sportliche Tätigkeit vom Sportverein oder einem Dritten Vergütungen oder andere Vorteile von mehr als EUR 1.144 pro Monat erhalten. Für die Ermittlung dieser Betragsgrenze sind neben dem Monatsbezug auch variable Entgeltbestandteile (zB Leistungsprämien, Punkteprämien, etc), Sachbezüge sowie Vergütungen von Sponsoren zu berücksichtigen.

Bei sogenannten Einzelsportarten, bei welchen die Sportausübung typischerweise von einzelnen Personen und nicht in strukturierten Gruppen betrieben wird (zB Leichtathletik, Tennis, Skisport und Schwimmen) hat die Qualifikation als Profisportler im Wesentlichen nur für die Sportler selbst steuerliche Auswirkungen. Im Bereich des Mannschaftsports führt jedoch das Vorliegen eines „Profibetriebs“ grundsätzlich zum oben genannten Verlust der Gemeinnützigkeit des gesamten Vereins. Von einem Profibetrieb ist auszugehen, wenn mehr als die Hälfte der einsetzbaren Spieler „Profis“ sind.

Übergangsfrist und Handlungsbedarf.

Gemäß den Ausführungen im Wartungserlass 2014 ist erstmals im Kalenderjahr 2016 zu prüfen, ob die Voraussetzungen für einen Profibetrieb vorliegen. Trifft dies zu, so wäre eine Ausgliederung bis 1.1.2017 durchzuführen, andernfalls verliert der Verein ab 2017 seine steuerliche Gemeinnützigkeit. Auf Grund der organisatorischen Strukturen von Vereinen ist eine rechtzeitige Evaluierung der notwendigen Schritte empfehlenswert (Einberufung einer Generalversammlung, Information der Mitglieder, etc).

Fazit.

Durch die weite Auslegung des Profisports im Erlass ergibt sich für eine große Anzahl an Vereinen aus dem Wartungserlass unmittelbarer Handlungsbedarf, um nicht in Zukunft sämtliche Begünstigungen einer gemeinnützigen Körperschaft zu verlieren. Eine allenfalls notwendige Ausgliederung des Profibetriebs sollte rechtzeitig in Angriff genommen werden.

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Christoph Hofer

Christoph Hofer

Senior Manager | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 6913
Mail: chhofer@deloitte.at

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