BFG zur Liebhaberei im Kunsthandel

Das BFG nahm vor kurzem zur Liebhaberei im Kunsthandel Stellung und führte dabei aus, dass der Betrieb einer Galerie bzw des Kunsthandels eine typisch erwerbswirtschaftliche Tätigkeit ist. Damit ist auch ein nebenberuflich betriebener Kunsthandel eine Betätigung, welche die Erzielung eines Gesamtgewinns bezweckt und daher grundsätzlich nicht unter Liebhaberei fällt. In den ersten drei Jahren entstandene Verluste sind deshalb jedenfalls anzuerkennen.

Sachverhalt.

Der Beschwerdeführer erzielte hauptberuflich Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit als Versicherungs- und Vorsorgeberater. Daneben betrieb er eine Galerie, für die er im Eröffnungsjahr Verluste iHv rd EUR 26.000 und Vorsteuern iHv rd EUR 14.000 geltend machte. Zunächst verneinte das Finanzamt die steuerliche Relevanz der Tätigkeit als Galerist und erkannte weder die Verluste noch die Vorsteuern wegen Vorliegens von Liebhaberei an. Als Begründung führte das Finanzamt aus, dass weder ein Geschäftskonzept noch eine Erfolgsprognose vorgelegt wurden und die Galerie lediglich unter Mitwirkung Familienangehöriger nach Feierabend und an Wochenenden betrieben wurde.

Die dagegen erhobene Beschwerde führte zu einer Abänderung der angefochtenen Bescheide durch das Finanzamt, in der es die Verluste und Vorsteuern berücksichtigte, die Einkommen- und Umsatzsteuer aber gem § 200 Abs 1 BAO nur vorläufig festsetzte. Dies wurde dahingehend begründet, als eine Beschäftigung mit den „schönen Künsten“ in der Freizeit mit fehlender künstlerischer Ausbildung tendenziell auf einer privaten Neigung beruhe, die zu einer Tätigkeit mit Liebhabereivermutung gem § 1 Abs 2 LiebhabereiVO führe. Das betriebswirtschaftliche Agieren des Steuerpflichtigen könne dementsprechend erst nach mehreren Jahren beurteilt werden.

Entscheidung des BFG.

Das BFG führte in seiner Entscheidung RV/1100321/2014 vom 9.8.2016 aus, dass Kunsthandel in typisierender Betrachtungsweise eine Tätigkeit darstellt, die von der Absicht getragen wird, einen Gesamtgewinn zu erzielen (vgl § 1 Abs 1 LiebhabereiVO). Daraus folgerte es, dass in den ersten drei Jahren ab Beginn der Betätigung, längstens jedoch innerhalb der ersten fünf Jahre ab erstmaligem Anfallen von Aufwendungen für diese Betätigung, jedenfalls Einkünfte vorliegen (§ 2 Abs 2 LiebhabereiVO). Damit sind entsprechende Anlaufverluste unabhängig von deren Höhe anzuerkennen. Erst nach Ablauf dieses Zeitraums ist anhand einer Kriterienprüfung zu untersuchen, ob weiterhin von einer Einkunftsquelle auszugehen ist.

Im Ergebnis wurde der Beschwerde insofern Folge gegeben, als eine vorläufige Veranlagung gem § 200 BAO nicht in Betracht kommt. Auch umsatzsteuerlich ist die Tätigkeit aus dem Kunsthandelsbetrieb jedenfalls anzuerkennen, da im Umsatzsteuerbereich bei einer Betätigung iSd § 1 Abs 1 LiebhabereiVO eine Liebhabereibeurteilung ausgeschlossen ist.

Daneben wurde vom BFG ausgeführt, dass Kunsthändler keine Künstler seien, sondern stattdessen Unternehmer in Sachen Kunst. Insbesondere ist es für die Beurteilung der Einkunftsquelleneigenschaft dieser Betätigung irrelevant, ob ein Kunsthändler eine Ausbildung im künstlerischen Bereich nachweisen kann. An der Einkunftsquelleneigenschaft ändert auch ein nebenberufliches Betreiben (abends und an Wochenenden) nichts, da dies dem Branchentypus entspricht.

Fazit.

Die Entscheidung des BFG ist insgesamt als positiv zu bewerten. Es stellt klar, dass Kunsthändler typisierend eine Betätigung zur Erzielung von Gesamtgewinnen betreiben und daher idR nicht unter Liebhaberei fallen. Damit sind Anlaufverluste und Vorsteuern in den ersten drei Jahren jedenfalls anzuerkennen. Dies ist insbesondere für Galeristen von Bedeutung, die üblicherweise zu Beginn ihrer Tätigkeit vermehrt Investitionen in den Umbau bzw die Adaptierung einer Galerie tätigen müssen.

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Gregor Binder

Gregor Binder

Assistant | Deloitte Tax
Telefon: +43 1537 00 6910
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