Checkliste Arbeitnehmerveranlagung 2016

Arbeitnehmer sind in der Regel nicht verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Durch eine Arbeitnehmerveranlagung kann jedoch oft viel Geld vom Fiskus zurückgeholt werden. In den vorliegenden Fällen macht eine Arbeitnehmerveranlagung jedenfalls Sinn:

  • steuerlich absetzbare Ausgaben, wie zB Sonderausgaben, Werbungskosten und außergewöhnliche Belastungen
  • schwankende Gehaltsbezüge ohne Aufrollung durch den Arbeitgeber
  • Arbeitgeberwechsel oder nicht ganzjährige Beschäftigung
  • Verluste oder Verlustvortrag aus anderen Einkunftsarten

Neuregelungen 2016 und 2017 im Überblick.

Für das Veranlagungsjahr 2016 kommt erstmalig die antragslose Arbeitnehmerveranlagung zur Anwendung. Das bedeutet, dass ohne Abgabe einer Steuererklärung (in Papierform oder via FinanzOnline) automatisch eine Arbeitnehmerveranlagung von Seiten der Finanzverwaltung vorgenommen wird. Dieser Automatismus kommt allerdings nur dann zum Tragen, wenn bis zum 30. Juni des Folgejahres keine Arbeitnehmerveranlagung abgegeben wurde und aus der Veranlagung eine Abgabengutschrift resultiert (vgl dazu im Detail unseren Beitrag vom 3.2.2017). Ab 2017 kommt es außerdem zur automatischen Übermittlung von Sonderausgaben für Kirchenbeiträge, Spenden und Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung einschließlich des Nachkaufs von Versicherungszeiten.

Folgende Positionen können in der Arbeitnehmerveranlagung 2016 geltend gemacht werden:

Absetzbeträge:

  • Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag (EUR 494 bei einem Kind; EUR 669 bei zwei Kindern, zusätzlich EUR 220 für jedes weitere Kind)
  • Kinderfreibetrag (EUR 440 bei Inanspruchnahme durch einen Elternteil; EUR 300 bei Inanspruchnahme durch beide Elternteile)
  • Kinderabsetzbetrag (EUR 58,40/Monat/Kind)
  • Unterhaltsabsetzbetrag (EUR 29,20 bis EUR 58,40/Monat/Kind)

Sonderausgaben

  • Steuerberatungskosten (unbegrenzt abzugsfähig)
  • Renten und dauernde Lasten (unbegrenzt abzugsfähig)
  • Spenden an begünstigte Institutionen (bis zu 10% der Einkünfte des laufenden Jahres). Eine Liste der begünstigten Spendenempfänger ist auf der Website des BMF abrufbar.

Folgende Sonderausgaben können auch dann geltend gemacht werden, wenn sie für den Ehepartner oder für Kinder (grundsätzlich jene Kinder, für die Familienbeihilfe bezogen wird) geleistet wurden:

  • Kirchenbeiträge (bis EUR 400)
  • Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung einschließlich des Nachkaufs von Versicherungszeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung (unbegrenzt abzugsfähig)
  • Prämien für freiwillige Personenversicherungen, wenn der zugrundeliegende Vertrag vor dem 1.1.2016 abgeschlossen worden ist (begrenzt mit Einschleifung)
  • Kosten für Wohnraumschaffung und -sanierung, wenn mit der tatsächlichen Bauausführung oder Sanierung vor dem 1.1.2016 begonnen worden ist (begrenzt mit Einschleifung)

Werbungskosten

  • Pendlerpauschale und Pendlereuro, soweit noch nicht durch den Arbeitgeber berücksichtigt. Das Pendlerpauschale beträgt gestaffelt nach Arbeitsweg bis zu EUR 2.016 wenn die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zumutbar ist, sonst bis zu EUR 3.672. Mit dem Pendlerpauschale steht auch ein Pendlereuro zu; dieser beträgt jährlich zwei Euro pro Kilometer der einfachen Fahrtstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Seit 2014 muss anhand des Pendlerrechners auf der Homepage des BMF (https://www.bmf.gv.at/pendlerrechner/) ermittelt werden, ob ein Pendlerpauschale inkl Pendlereuro zusteht. Der Ausdruck aus dem Pendlerrechner ist entweder beim Arbeitgeber abzugeben oder für die Einkommensteuerveranlagung des jeweiligen Jahres aufzubewahren.
  • Beiträge zu Berufsverbänden und Interessensvertretungen
  • Werbungskostenpauschale iHv EUR 132 (ohne Nachweis) wird bereits im Rahmen der Lohnverrechnung berücksichtigt; darüber hinaus können, soweit beruflich veranlasst, ua Arbeitskleidung, Arbeitsmittel, Betriebsratsumlage, Computer, Fachliteratur, Fortbildungs-, Ausbildungs- und Umschulungskosten, Internet, Kosten für doppelte Haushaltsführung und Familienheimfahrten, Reisekosten sowie Telefon als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Außergewöhnliche Belastungen

  • Kinderbetreuungskosten (höchstens EUR 2.300 pro Kind bis zum 10. Lebensjahr bzw bei erhöhter Familienbeihilfe bis zum 16. Lebensjahr)
  • Kosten für die auswärtige Berufsausbildung von Kindern, wenn im Einzugsbereich des Wohnortes keine entsprechende Ausbildungsmöglichkeit besteht (EUR 110/Monat)

Ohne Selbstbehalt abzugsfähig sind:

  • Kosten iZm eigener Behinderung, Behinderung des (Ehe-)Partners oder des Kindes
  • Kosten iZm der Beseitigung von Katastrophenschäden

Mit Selbstbehalt bis zu 12% abzugsfähig sind:

  • Krankheitskosten inkl Zahnersatz
  • Kosten iZm Kuraufenthalten
  • Kosten für Alters- und Pflegeheim
  • Begräbniskosten

Belege und Fristen.

Der Arbeitnehmerveranlagung sind keine Belege beizulegen, diese sind jedoch sieben Jahre aufzubewahren und auf Verlangen des Finanzamtes vorzulegen. Für die Arbeitnehmerveranlagung hat der Arbeitnehmer fünf Jahre Zeit, sodass sie für das Jahr 2012 noch bis 31.12.2017 eingereicht werden kann. Sollte sich aus der Arbeitnehmerveranlagung eine Steuernachzahlung ergeben, kann der Antrag – wenn kein Pflichtveranlagungsgrund vorliegt –zurückgezogen werden.

Elektronische Abgabe.

Möchte man die Arbeitnehmerveranlagung online erledigen und hat noch keine Zugangsdaten zu Finanzonline, ist unter  https://finanzonline.bmf.gv.at/fon/ eine Online-Erstanmeldung vorzunehmen. Die Zugangskennungen werden per Post zugesandt. Sofern die persönliche Bankverbindung (IBAN und BIC) dem Finanzamt noch nicht bekannt ist, sollte diese ebenfalls in FinanzOnline angegeben werden.

Vorteile von FinanzOnline sind:

  • rund um die Uhr möglich
  • jederzeitigen Änderung von personenbezogenen Grunddaten
  • Online-Abfrage von Steuerkonto und Steuerakt
  • anonyme Steuerberechnung im Vorhinein
  • mobiler Einstieg via Handy.

Abgabe in Papierform.

Wird es bevorzugt, die Arbeitnehmerveranlagung in Papierform einzureichen, können die Formulare im InfoCenter des Finanzamtes abgeholt werden oder auf der Website des BMF (www.bmf.gv.at ) unter „Formulare“ schnell und einfach bestellt werden. Es sollte nicht vergessen werden, dass für jedes Kind das Formular L1k und bei Auslandseinkünften das Formular L1i mitbestellt werden muss. Das Formular ist im Original abzugeben, da Kopien maschinell nicht einlesbar sind.

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Viktoria Lang

Viktoria Lang

Senior Assistant| Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 7115
Mail: vlang@deloitte.at

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