VwGH: Keine Liebhaberei bei „großem“ Reitstall

Der VwGH hat in seinem Erkenntnis 2015/13/0002 von 21.12.2016 erneut festgehalten, dass ein Reitstall mit einer größeren Anzahl von Pferden regelmäßig nicht als Betätigung iSd § 1 Abs 2 LVO anzusehen ist. Liebhaberei kann nur in Ausnahmefällen angenommen werden und muss sodann im Zuge der Kriterienprüfung durch das Nichtvorhandensein einer Gewinnabsicht belegt werden (vgl § 2 Abs 4 LVO).

Sachverhalt.

Eine GmbH und zwei natürliche Personen hatten zum Betrieb eines Reitstalles eine Personengesellschaft gegründet, die von Beginn an Verluste erwirtschaftete. Der Betrieb des Reitstalles umfasste im Wesentlichen die Einstellung von zwei eigenen und über zwanzig fremden Pferden sowie die Abhaltung von Reitunterricht durch zwei Reitlehrer. Das zuständige Finanzamt sah in dieser Form der Betätigung Liebhaberei iSd § 1 Abs 2 LVO, da die Betätigung innerhalb eines absehbaren Zeitraumes keinen Gesamtgewinn erwarten lasse. Somit stelle der Betrieb des Reitstalles nach Ansicht des Finanzamtes keine Einkunftsquelle dar, wodurch letztlich auch die Verlustverwertung untersagt wurde.

Rechtsansicht des BFG.

Das BFG teilte die Rechtsansicht des zuständigen Finanzamtes und sah im vorliegenden Sachverhalt ebenfalls eine Liebhabereibetätigung, weil nach abstrakter Beurteilung des Sachverhaltes „ein Reitstall nach der Verkehrsauffassung in besonderem Maße zur Sport- und Freizeitausübung diene und typischerweise einer besonderen in der Lebensführung begründeten Neigung entspreche.“  Der Umstand, dass der Revisionswerber selbst den Reitsport ausübe und bei der Wahl der Räumlichkeiten für den Reitstall bewusst auf ein „schönes Objekt“ geachtet wurde, waren nach Ansicht des BFG ausreichend Indizien dafür, dass auch subjektive Umstände für das Vorliegen von Liebhaberei sprechen. Des Weiteren hielt das BFG fest, dass die vom Revisionswerber ins Treffen geführte Größe des Reitstalles in den Hintergrund der Beurteilung trete.

Erkenntnis des VwGH.

Der VwGH stützte sich bei der Beurteilung des vorliegenden Sachverhaltes auf ein bereits im Jahr 2014 erlassenes Erkenntnis 2011/15/0614 vom 18.12.2014 (vgl unseren Beitrag vom 27.4.2015) und betonte erneut, dass bei der Liebhabereibeurteilung stets auf die Umstände des Einzelfalls abzustellen sei. Konkret sollen Anzahl und Umfang der Wirtschaftsgüter sowie die Qualität der Betätigung den Fokus der Beurteilung bilden. Nach Ansicht des VwGH wurde vom BFG auf die Größe des streitgegenständlichen Reitstalles nicht ausreichend Bedacht genommen, da ansonsten bereits das BFG zu der Erkenntnis gelangt wäre, dass bei einem Reitstall dieses Umfanges regelmäßig keine Liebhaberei anzunehmen ist. Der VwGH gab letztlich der Beschwerde des Revisionswerbers statt, womit dieser seiner im Jahr 2014 gewonnenen Rechtsansicht im Zusammenhang mit der Liebhabereibeurteilung von „großen“ Reitställen treu blieb.

Fazit.

Der VwGH hat in seinem Erkenntnis erneut festgehalten, dass für die Liebhabereibeurteilung auf die Umstände des Einzelfalles, insbesondere auf Qualität der Betätigung sowie Anzahl und Umfang der betreffenden Wirtschaftsgüter abzustellen ist.
Es ist zu hoffen, dass die Finanzverwaltung künftig diese höchstgerichtliche Rechtsansicht bei der Liebhabereibeurteilung vergleichbarer Betätigungen größeren Umfangs berücksichtigen und sinngemäß zur Anwendung bringen wird.

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Alexandra Kopf

Alexandra Kopf

Assistant | Deloitte Tax Telefon: +43 1 537 00 7318 Mail: akopf@deloitte.at

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