Risikokapitalprämie – Geht’s den Start-ups gut, geht’s uns allen gut

Wer einem innovativen Start-up sein Kapital anvertraut, hat neuerdings gute Chancen ein Fünftel seiner Investition sofort zurück zu bekommen, denn seit Anfang des Jahres kann die Risikokapitalprämie bei der aws beantragt werden. Dem Investor winkt ein Zuschuss in Höhe von 20% der Beteiligung an einem qualifizierten Jungunternehmen.

Begünstigter Investor

kann grundsätzlich jede natürliche wie juristische Person mit (Wohn-)Sitz innerhalb der EU sein. Ausgenommen sind Mehrheitsgesellschafter sowie Geschäftsführer des Investitionsobjektes und deren Angehörige. Dasselbe gilt für bestimmte Fonds und Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge. Gefördert werden Beteiligungen in Form von Eigenkapital (inklusive Agio) sowie eigenkapitalähnliche Investitionen. Eigenkapitalähnlich ist jede für mindestens drei Jahre unkündbare Kapitalüberlassung mit Nachrangigkeit im Insolvenzfall, deren Kapitalüberlassungsentgelt ausschließlich vom Gewinn des Start-ups abhängig ist. Wichtig ist, dass die Risikokapitalprämie vor Eingehen der Beteiligung beantragt wird, weil nach Abschluss des Beteiligungsvertrages bzw nach Zahlungsanweisung oder Zahlung von Seiten des Investors eine Förderung der Beteiligung nicht mehr in Betracht kommt.

Start-up.

Voraussetzung, zwar nicht für die Antragstellung seitens des Investors aber für die Zuerkennung der Prämie ist, dass das Jungunternehmen die Qualifikation als Start-up beantragt. Die gesonderte Bestätigung bleibt sechs Monate gültig und kann auch für weitere Investoren herangezogen werden. Formal muss es sich um ein Kleinunternehmen in Form einer Kapitalgesellschaft handeln, welches in Österreich seinen Sitz hat oder eine Betriebsstätte betreibt und (seit Ausstellung der ersten Rechnung) noch nicht für sieben Jahre eine gewerbliche Tätigkeiten entfaltet hat.

Innovativ und wachstumsstark.

Zusätzlich muss das Start up innovativ und wachstumsstark sein. Als innovativ kann ein Start-up angesehen werden, das (a) grundlegend neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt bzw bestehende Produkte oder Dienstleistungen substanziell weiterentwickelt; (b) neuartige Geschäftsmodelle entwickelt, die den Branchenstandard übertreffen; und/oder (c) unternehmensrelevante Patente vorweisen kann. Plant das Unternehmen für die nächsten drei Jahre realistischer Weise einen durchschnittlichen Anstieg der Belegschaft um 10% oder ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 50%, so ist es genauso als wachstumsstark zu erachten, wie wenn sich innerhalb der letzten zwei Jahre ein Dritter unter Eingehen eines substanziellen Risikos am Unternehmen beteiligt hat. Hat das Start-up innerhalb der letzten zwei Jahre Förderzusagen unter bestimmten Programmen der aws oder der FFG erhalten, gilt es unabhängig von weiten Voraussetzungen als innovativ und wachstumsstark.

Prämie.

Der Zuschuss umfasst bis zu 20% des förderfähigen Beteiligungskapitals. Insgesamt können pro Investor und Kalenderjahr bis zu EUR 250.000 als Risikokapital berücksichtigt werden, woraus sich eine Maximalförderung von EUR 50.000 jährlich ergibt. Zu berücksichtigende Einzelinvestitionen müssen dabei zumindest EUR 5.000 erreichen. Um förderfähig zu sein, muss es sich um eine Minderheitsbeteiligung handeln, die vom Investor im eigenen Namen und auf eigene Rechnung aber ohne Übernahmeabsicht eingegangen wird. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, besteht für Investoren die Möglichkeit die Prämie durch Abschluss eines Fördervertrags zu lukrieren, wenngleich ein Rechtsanspruch darauf nicht besteht. Im Falle der Förderung ist die Beteiligung – bei sonstiger Verpflichtung zur Rückzahlung – mindestens ein Jahr zu halten.

Fazit.

Mit der Risikokapitalprämie bietet sich die Chance auch als profiliertes Unternehmen oder Privatperson direkt vom Start-up-Paket des Bundes zu profitieren. Etwas an Attraktivität büßt die Förderung jedoch durch die Tatsache ein, dass sie als De-minimis-Beihilfe vergeben wird. Je Unternehmer (bzw Konzern) und Mitgliedstaat darf die Summe solcher Beihilfen in einem Zeitraum von drei Jahren den Betrag von EUR 200.000 nicht übersteigen, was im konkreten Fall sowohl auf Seite des Investors als auch auf jener des Start-ups zu berücksichtigen ist. Investoren deren De minimis-Rahmen noch Spielraum zulässt, bietet die Risikokapitalprämie allerdings eine recht einfache Möglichkeit diesen auszuschöpfen. Als Zuwendung aus öffentlichen Mitteln zur Anschaffung von Anlagevermögen ist die Prämie außerdem von der Einkommens- und Körperschaftssteuer befreit.

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Florijan Sackl

Florijan Sackl

Assistant| Deloitte Tax Telefon: +43 1 537 00 7772 Mail: fsackl@deloitte.at

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