Neue Formulare für A1-Bescheinigungen im Sozialversicherungsrecht

Prinzip der Einmalversicherung. Grenzüberschreitend tätige Arbeitnehmer dürfen entsprechend den Bestimmungen der VO (EG) 883/2004 nur den Sozialversicherungsvorschriften eines Mitgliedstaates unterliegen (dies gilt für die EU den EWR und die Schweiz). Auch wenn Arbeitnehmer in verschiedenen Mitgliedstaaten eine oder mehrere Tätigkeiten ausüben, werden diese Personen so behandelt, als ob sie die Tätigkeiten in dem Staat verrichten, dessen Rechtsvorschriften zur Anwendung kommen. Die anzuwendenden Rechtsvorschriften sind im Dokument „A1“ von den zuständigen Versicherungsträgern im Versicherungsstaat zu bescheinigen. Für weitere Informationen zu zwischenstaatlichen Regelungen bei Auslandseinsätzen dürfen wir auf unsere Beiträge vom 23.2.2015 sowie 3.8.2015 verweisen.

Österreichweite neue Antragsformulare.

Das bislang von den verschiedenen Gebietskrankenkassen unterschiedlich praktizierte Verfahren der Beantragung der A1-Bescheinigung wird durch untenstehende Anträge vereinheitlicht:

  • E1 – Entsendung eines Arbeitnehmers in einen anderen Mitgliedstaat
  • E2 – Beschäftigung für einen Arbeitgeber in mehreren Mitgliedstaaten
  • E3 – Beschäftigung für mehrere Arbeitgeber in mehreren Mitgliedstaaten
  • E4 – Selbständige und unselbständige Tätigkeit in verschiedenen Mitgliedstaaten

Die entsprechenden Formulare können zB auf der Homepage der WGKK abgerufen werden. Die Beantragung des A1 Formulars ist auch via ELDA möglich und wird in dieser Form von den Gebietskrankenkassen bevorzugt. Die A1 Bescheinigung wird bei elektronischer Beantragung ebenfalls auf elektronischem Weg retourniert und kann den jeweiligen Versicherten übermittelt werden. Es ist jedoch auch nach wie vor möglich, die ausgefüllten (neuen) Formulare bzw das vorausgefüllte A1 per E-Mail an die zuständige Gebietskrankenkasse zur weiteren Bearbeitung zu übermitteln.

Leistungsrechtliche Grundprinzipien

der VO (EG) 883/2004 sind die Sachleistungsaushilfe und der Geldleistungsexport. Wohnen ein Versicherter und seine Familienangehörigen in einem anderen Mitgliedstaat bzw hält sich ein Versicherter in einem anderen Mitgliedstaat auf als jenem Mitgliedstaat, der für die Sozialversicherung zuständig ist, erhält der Versicherte auf Rechnung des zuständigen Mitgliedstaates Sachleistungen. Dafür ist das Formular S1 beim zuständigen Sozialversicherungsträger zu beantragen (Download ebenfalls zB über die Homepage der WGKK) und dem Sozialversicherungsträger im Wohnsitzstaat vorzulegen. Auch Geldleistungen werden vom zuständigen Träger nach seinen Rechtsvorschriften direkt in den Wohn- bzw Aufenthaltsort des Versicherten „exportiert“.  Für vorübergehende Aufenthalte außerhalb des Versicherungsstaates gilt die Europäische Krankenversicherungskarte (EKVK), die auf der Rückseite der e-card angebracht ist. Gegen Vorlage der EKVK können Sachleistungen wie Arztbesuche oder Spitalsaufenthalte in Anspruch genommen werden sofern sich diese, unter Berücksichtigung der Art der Leistung und der voraussichtlichen Aufenthaltsdauer, als medizinisch notwendig erweisen.

Fazit.

Durch die vereinheitlichten und erweiterten Antragsformulare wird sichergestellt, dass alle notwendigen Parameter des jeweiligen Sachverhalts abgefragt und beurteilt werden, sodass  Rückfragen durch den jeweiligen Krankenversicherungsträger vermieden werden können. Die Übermittlung per ELDA ermöglicht einen raschen und unkomplizierten Beantragungsprozess.

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Birgit Zeisel

Birgit Zeisel

Senior Assistant| Deloitte Tax Telefon: +43 1 537 00 5728 Mail: bzeisel@deloitte.at

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