BMF-Info zur steuerlichen Behandlung von Kryptowährungen

Das BMF veröffentlichte kürzlich eine Information zur steuerlichen Behandlung von Kryptowährungen bzw virtuellen Währungen. Diese Information ergänzt damit die zu diesem Thema bereits 2014 veröffentlichte Ergebnisunterlage des Salzburger Steuerdialogs. Informiert wird konkret darüber, wie virtuelle Währungen nach Ansicht des BMF aus ertragsteuerlicher und aus umsatzsteuerlicher Sicht zu behandeln sind. Für natürliche Personen wird dabei für die einkommensteuerliche Behandlung danach unterschieden, ob die Kryptowährungen im Betriebsvermögen oder im Privatvermögen gehalten werden.

Einkommensteuerliche Behandlung im Betriebsvermögen.

Kryptowährungen sind derzeit nicht als offizielle Währung anerkannt und stellen nach Ansicht des BMF auch keine Finanzinstrumente dar. Es handelt sich dabei um sonstige (unkörperliche) Wirtschaftsgüter, die dementsprechend als nicht abnutzbar gelten. Es sind somit auch – abhängig von der konkreten Gewinnermittlungsart – die allgemeinen Bewertungsvorschriften des EStG bzw des UGB zu beachten sowie eine Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen zu treffen. Kursgewinne bzw -verluste durch den Handel an virtuellen Börsen sind ebenso im Rahmen der Gewinnermittlung zu berücksichtigen.

Es ist ferner danach zu unterscheiden, ob Kryptowährungen zinstragend veranlagt werden oder nicht. Bei zinstragender Veranlagung stellen sie für eine natürliche Person Wirtschaftsgüter iSd § 27 Abs 3 EStG dar, weshalb etwa realisierte Wertänderungen auch dem Sondersteuersatz gemäß § 27a Abs 1 EStG unterliegen. Eine zinstragende Veranlagung liegt dabei vor, wenn Kryptowährungen an andere Marktteilnehmer verliehen werden. Ist dies nicht der Fall, sind Kryptowährungen hingegen wie sonstige betriebliche Wirtschaftsgüter zu behandeln und daraus resultierende Einkünfte somit zum Tarif zu erfassen.

Das BMF stellt weiters klar, dass bestimmte Tätigkeiten im Zusammenhang mit Kryptowährungen gewerbliche Tätigkeiten darstellen und damit im Regelfall als Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 23 Z 1 EStG) anzusehen sind. Dazu gehören insbesondere das „Mining“ (dies ist das „Erschaffen“ der Währung), das Betreiben einer Online-Börse sowie der Betrieb von Kryptowährungs-Automaten.

Einkommensteuerliche Behandlung im Privatvermögen.

Auch für Kryptowährungen im Privatvermögen ist danach zu unterscheiden, ob diese von der natürlichen Person zinstragend veranlagt werden oder nicht. Bei zinstragender Veranlagung stellen die Kryptowährungen – ebenso wie bei einem Halten im Betriebsvermögen – Wirtschaftsgüter iSd § 27 Abs 3 EStG dar.

Erfolgt hingegen keine zinstragende Veranlagung, kann sich eine Steuerpflicht als Spekulationsgeschäft nach Maßgabe des § 31 EStG ergeben. Dies ist dann der Fall, wenn der Zeitraum zwischen der Anschaffung und der Veräußerung nicht mehr als ein Jahr beträgt.

Der Handel zwischen Kryptowährungen und der Eintausch von virtuellen Währungen gegen Euro ist einkommensteuerlich als ein Tauschvorgang gemäß § 6 Z 14 lit a EStG anzusehen. Da beim Tausch von Wirtschaftsgütern jeweils eine Anschaffung und eine Veräußerung vorliegt, können auch diese Transaktionen steuerpflichtige Vorgänge nach § 31 EStG darstellen. Das BMF führt in diesem Zusammenhang noch aus, nach welchen Kriterien das Vorliegen eines Spekulationsgeschäfts im Falle von sogenannten „virtual wallets“ (dies sind virtuelle Geldbörsen, die die Aufbewahrung von Kryptowährungen ermöglichen) festgestellt werden kann.

Umsatzsteuerliche Behandlung.

Die Anmerkungen des BMF zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Kryptowährungs-Transaktionen fußen großteils auch auf der bisher ergangenen Rechtsprechung des EuGH. So hat der EuGH in der Entscheidung Hedqvist (22.10.2015, Rs C-264/14) festgehalten, dass der Umtausch von gesetzlichen Zahlungsmitteln zu Bitcoins und umgekehrt eine umsatzsteuerbefreite Tätigkeit darstellt. Auch das bloße Mining unterliegt nach dieser Entscheidung nicht der Umsatzsteuerpflicht.

Zugleich stellte das BMF klar, dass die Bezahlung von Lieferungen und sonstigen Leistungen mit Bitcoins umsatzsteuerlich grundsätzlich nicht anders zu behandeln ist als die Bezahlung durch ein gesetzliches Zahlungsmittel. Die Bemessungsgrundlage einer derartigen Lieferung oder sonstigen Leistung bestimmt sich diesfalls nach dem Wert der jeweiligen Kryptowährung.

Fazit.

Kryptowährungen, zu deren bekanntestem Vertreter die Bitcoins zählen, wurden ursprünglich als ein virtuelles Zahlungsmittel entwickelt, das im Gegensatz zu konventionellen Zahlungsmitteln nicht von Staaten emittiert wird. Sie werden daneben allerdings auch vermehrt zu Anlage- oder Spekulationszwecken genutzt bzw im Rahmen von Online-Börsen gehandelt. Auch das sogenannte Mining oder das Betreiben von körperlichen Kryptowährungs-Automaten stellen wirtschaftliche Tätigkeiten im Zusammenhang mit Kryptowährungen dar. Dementsprechend ist hinsichtlich der konkreten steuerlichen Behandlung von Kryptowährungs-Transaktionen zu differenzieren und es sind unterschiedliche Faktoren zu beachten. Für die ertragsteuerlichen Konsequenzen ist insbesondere danach zu unterscheiden, ob die Kryptowährungen von natürlichen Personen im Betriebs- oder im Privatvermögen gehalten werden und ob sie zinstragend veranlagt werden.

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Samir Kovacevic

Samir Kovacevic

Assistant | Deloitte Tax Telefon: +43 1 537 00 4449 Mail: skovacevic@deloitte.at

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