Private Vermietungsplattformen übergeben künftig Daten der Vermieter

Wann es für Unterkunftgeber ernst wird, welche Folgen das für Sie hat und was getan werden kann.

In den letzten Jahren hat das Angebot an privat zu vermietenden Wohnungen enorm zugenommen. Für Touristen ist die Übernachtung in einer Privatwohnung nicht zuletzt aus finanziellen Überlegungen mittlerweile eine echte Alternative zur klassischen Hotelübernachtung. Doch für den Vermieter bedeutet das unter anderem einige abgabenrechtliche Verpflichtungen, die bei der privaten Wohnungsvermietung zu beachten sind. Für diejenigen Unterkunftgeber, die die damit erzielten Einkünfte bislang nicht angegeben haben, wird es jetzt eng.

Neue Gesetzeslage.

Bisher haben sich die im Ausland ansässigen Vermittlungsplattformen für die Vermietung von Privatwohnungen, wie beispielsweise AirBnB, 9flates oder Wimdu, auf den Datenschutz berufen, wenn es um die Herausgabe von Informationen zu den Vermietern ging. Nunmehr hat das Verbergen hinter dem Recht auf Datenschutz aufgrund einer Novelle des Gesetzes zur Tourismusförderung in Wien ein Ende. Die Vermittlungsplattformen haben die Pflicht, die Daten der registrierten Vermieter bis spätestens 31.8.2017 zu melden. So kann die Stadt Wien prüfen, ob für sämtliche Nächtigungen die verpflichtende Ortstaxe abgeführt wurde. Es ist damit zu rechnen, dass österreichweit noch andere Gemeinden folgen werden.

Abgabenrechtliche Verpflichtungen.

Die Daten der Vermieter sind jedoch nicht nur für die Gemeinden, sondern auch für das Finanzamt von Interesse, denn an der Vermietungstätigkeit hängt eine Vielzahl weiterer steuerrechtlicher Verpflichtungen. Beispielsweise unterliegen die erzielten Einkünfte der Einkommensteuer sowie der Umsatzsteuer und haben unter Umständen sogar eine Sozialversicherungspflicht für den Unterkunftgeber zur Folge.

Zahlreichen Vermietern ist es nicht bewusst, dass sich das steuerfreie Existenzminimum von EUR 11.000 auf sämtliche erzielten tarifsteuerpflichtigen Einkünfte erstreckt. Auch der steuerfreie Veranlagungsfreibetrag von EUR 730 kann nur dann voll im Rahmen der Vermietung ausgeschöpft werden, wenn ausschließlich eine nicht selbständige Tätigkeit ausgeübt wird. Bei Selbständigen ist dagegen in den meisten Fällen bereits der erste Euro sowohl einkommensteuer- als auch umsatzsteuerpflichtig. Die umsatzsteuerrechtliche Kleinunternehmergrenze von EUR 30.000 greift darüber hinaus ausschließlich bei im Inland ansässigen Unternehmern. Im Ausland ansässige Unternehmer können diese nicht in Anspruch nehmen.

Übermittlung der Daten an das Finanzamt.

Dass die österreichische Finanzverwaltung bislang die Daten nicht erhalten hat, liegt an der fehlenden Kooperation der im Ausland ansässigen Vermittlungsplattformen. Durch die Novelle des Gesetzes zur Tourismusförderung wurde nunmehr eine klare gesetzliche Grundlage geschaffen, die die Vermittlungsplattformen zur Herausgabe der Daten an die Stadt Wien zwingt. Es ist davon auszugehen, dass diese in weiterer Folge unverzüglich an das Finanzamt weitergegeben werden. Eine Überprüfung jedes einzelnen Vermieters ist sehr wahrscheinlich und kann unangenehme Folgen haben. Die Abgabenbehörden werden den Betroffenen sämtliche aus den Vermietungseinkünften resultierten Abgaben vorschreiben. Darüber hinaus kann die Nichterklärung der Einkünfte finanzstrafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Fazit.

Für Vermieter ist es spätestens jetzt an der Zeit, sich proaktiv den steuerlichen Aspekten der privaten Vermietung zu stellen, um allfällige Finanzstrafverfahren gegen sie zu vermeiden. Wurden in der Vergangenheit nicht alle steuerlichen Pflichten erfüllt, besteht akuter Handlungsbedarf. Solange sich das Finanzamt noch nicht bei den Betroffenen gemeldet hat, besteht in den überwiegenden Fällen die Möglichkeit, die Abgaben nachzuzahlen und dadurch einem Finanzstrafverfahren zu entgehen.

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Alexander Lang

Alexander Lang

Partner | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 6650
Mail: alang@deloitte.at

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