Mitarbeiter eines Callcenters als echte Dienstnehmer

Ein Unternehmen bietet im Rahmen so genannter „Homeparties“ Waren zum Verkauf an. Die diesbezüglichen Veranstaltungstermine werden von Mitarbeitern telefonisch unter Verwendung einer vom Unternehmen bereit gestellten Adressdatei vereinbart. Strittig war, ob die Mitarbeiter als echte oder freie Dienstnehmer tätig sind. Der VwGH entschied dazu, dass bereits durch die Weisungsgebundenheit der Mitarbeiter und deren Eingliederung in den geschäftlichen Organismus des Unternehmens eindeutig echte Dienstverhältnisse vorliegen. Zusätzlich tragen die Mitarbeiter auch kein Unternehmerrisiko, sodass die Telefonisten eines Callcenters, mit denen „freie Diensverhältnisse“ abgeschlossen wurden, trotz Freiheit in der Zeiteinteilung, in einem lohnsteuerpflichtigen Dienstverhältnis stehen (VwGH 28.5.2009, 2007/15/0163).

Abzugsteuer auch für prominente beschränkt steuerpflichtige „Künstler“

Eine in Österreich nicht unbeschränkt steuerpflichtige Person (als „mkpw“ oder „most known partygirl of the world“ bezeichnet) ist in Österreich bei einer Werbeveranstaltung für ein Lifestyle – Getränk aufgetreten und hat bei dieser Megaparty auf der Bühne ein Interview, begleitet von heißen Tänzchen, Kusshändchen und viel Gewinke, gegeben. Der VwGH hat zur Frage, ob ihr Honorar eine Haftung für Abzugsteuer ausgelöst hat, entschieden, dass das „mkpw“ an einer Unterhaltungsdarbietung i.S.d. § 98 Z 3 EStG mitgewirkt hat, sodass auch ohne Betriebsstätte nach innerstaatlichem Recht beschränkte Steuerpflicht bestand und der Veranstalter daher gemäß § 99 EStG (wegen Nichtanwendbarkeit der DBA-EntlastungsVO) zur Abfuhr einer Abzugsteuer von rd. EUR 130.000,- (!) verpflichtet gewesen ist (VwGH 24.6.2009, 2009/15/0090).

Keine Zuschreibungsbegrenzung für Beteiligungen nach Einbringung

Nach Ansicht des UFS ist es nicht möglich, die Konsequenzen einer Zuschreibungsverpflichtung gemäß § 6 Z 13 EStG durch eine konzerninterne Einbringung einer Beteiligung in eine Tochtergesellschaft und anschließende Verschmelzung der Tochtergesellschaft mit der einbringenden Gesellschaft, jeweils unter Inanspruchnahme des Umgründungssteuergesetzes und unter unternehmensrechtlicher Buchwertfortführung gemäß § 202 Abs 2 Z 1 UGB, zu begrenzen (UFS 21.8.2009, RV/0825-K/07). Aus § 202 Abs 2 Z 1 UGB soll sich nämlich kein Einfluss auf die Obergrenze einer allfälligen Zuschreibung erkennen lassen. Für die Zuschreibung bilden daher nicht der niedrigere unternehmensrechtliche Buchwert der eingebrachten Kapitalanteile, sondern die höheren steuerlichen Anschaffungskosten der einbringenden Gesellschaft, die Obergrenze.

Nichtberücksichtigung von Auslandsverlusten vor unbeschränkter Steuerpflicht

Einkünfte, die im Ausland vor Begründung der unbeschränkten Steuerpflicht in Österreich bezogen worden sind, sind gemäß § 1 Abs 3 und § 39 Abs 2 EStG für die Bemessung der Einkommenstuer in Österreich nicht zu berücksichtigen. Das gilt allerdings auch für die vor der Begründung der unbeschränkten Steuerpflicht erlittenen Auslandverluste. Diese kommen daher weder für einen Verlustausgleich nach § 2 Abs 2 EStG, noch für einen Verlustabzug nach § 18 Abs 6 EStG in Betracht (VwGH 28.5.2009, 2008/15/0034). Nach Ansicht des VwGH ist eine Verlustberücksichtigung, die in keinem wirtschaftlichen Zusammenhang mit den vom Steuerpflichtigen in Österreich erzielten Einkünften steht, mit Hinweis auf das EuGH-Urteil vom 15.5.1997, C-250/95, Rs Futura Participations SA und Singer auch gemeinschaftsrechtlich nicht geboten.

VwGH zum Zeitpunkt des Vorsteuerabzuges bei Grundstücksumsätzen

Einleitung.
In einem jüngst ergangenen Erkenntnis behandelte der VwGH die Frage, zu welchem Zeitpunkt einem Bauträger der Vorsteuerabzug aus den Errichtungskosten von zur Veräußerung bestimmten Wohnungen zusteht (VwGH 20.10.2009, 2006/13/0193). Continue reading VwGH zum Zeitpunkt des Vorsteuerabzuges bei Grundstücksumsätzen

Zinsaufwand für umgründungsbedingt zurückbehaltene Verbindlichkeiten

Nach Auffassung des VwGH (die aber im Widerspruch zu maßgebenden Äußerungen im Schriftum steht) stellen Fremdkapitalzinsen für anlässlich einer Einbringung gemäß Art. III UmgrStG zurückbehaltene Verbindlichkeiten keine nachträglichen Betriebsausgaben dar (VwGH 30.9.2009, 2004/13/0169). Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Zurückbehaltung zur Kapitalstärkung oder zur Vermeidung einer Überschuldung bzw. aus einem „wirtschaftlichen Grund“ und zur planmäßigen Tilgung der Verbindlichkeit erfolgt sein soll. Die zurückbehaltene Schuld bleibt im Sinne der Entscheidung des VwGH 24.9.2008, 2006/15/0255, nämlich auch bei Vorliegen eines wirtschaftlichen Grundes für die Zurückbehaltung, wie etwa die Beseitigung einer Überschuldung, nicht (nachträgliches) Betriebsvermögen, sondern wird zum Privatvermögen.

Highlights Umsatzsteuer – Wartungerlass 2009

Highlights.
Mit Erlass des BMF vom 10.11.2009 ist die Einarbeitung der Änderungen des Budgetbegleitgesetzes 2009 und des 2. Abgabenänderungsgesetzes 2008 in die Umsatzsteuerrichtlinien 2000 erfolgt. Nachfolgend werden die wichtigsten Änderungen kurz dargestellt. Continue reading Highlights Umsatzsteuer – Wartungerlass 2009

Unternehmenssanierungen – Verlustvortrag nicht vergessen

Im Rahmen von erforderlichen Strukturänderungen können Verlustvorträge verloren gehen, weil der Mantelkauftatbestand erfüllt wird. In vielen Fällen ist dies jedoch vermeidbar.

Der Mantelkauftatbestand sieht vor, dass der Verlustabzug einem Unternehmen ab dem Zeitpunkt nicht mehr zusteht, ab dem die Identität des Unternehmens organisatorisch und wirtschaftlich im Zusammenhang mit einer wesentlichen Änderung der Gesellschafterstruktur auf entgeltlicher Grundlage nicht mehr gegeben ist. Continue reading Unternehmenssanierungen – Verlustvortrag nicht vergessen

Betriebsprüfung und Umsatzschätzung – UFS-Absage an neue Methode

Der UFS hat in einer Entscheidung ausgesprochen, dass eine in den letzten Jahren von der Finanzverwaltung stark propagierte statistische Prüfungstechnik bei Betriebsprüfungen weder für eine Verprobung der Vollständigkeit von Erlösen noch für eine allfällige Schätzung der Besteuerungsgrundlagen geeignet ist. Continue reading Betriebsprüfung und Umsatzschätzung – UFS-Absage an neue Methode

Steuersparen durch pauschale Absetzposten

Das neue Jahr 2010 hat begonnen –Zeit sich Gedanken über die Steuererklärung 2009 zu machen. Anstatt Rechnungen zu sammeln und Unterlagen zu suchen, die Ihre Ausgaben belegen, besteht oft die Möglichkeit Betriebsausgaben oder Werbungskosten pauschal – ohne belegmäßigen Nachweis oder tatsächlichen Aufwand – geltend zu machen. Continue reading Steuersparen durch pauschale Absetzposten

Rechnungslegungsänderungsgesetz 2010 in Kraft getreten

Im Bundesgesetzblatt vom 30.12.2009 (BGBl I Nr. 140/2009) wurde das Rechnungslegungsänderungsgesetz 2010 (RÄG 2010) veröffentlicht. Wie bereits in unserer BTN Nr. 30 vom 2.12.2009 berichtet, ist die viel diskutierte Zuschreibungspflicht auf abgeschriebene Gegenstände des Anlage- bzw. Umlaufvermögens in der beschlossenen Fassung nicht mehr enthalten. Durch das RÄG 2010 ergeben sich insbesondere nachfolgende Änderungen:

  • Erhöhung der Umsatzgrenzen zur Buchführungspflicht gemäß § 189 UGB: Bislang waren Unternehmer bei Überschreiten der Umsatzgrenze iHv EUR 400.000,00 in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ab dem zweitfolgenden Jahr buchführungspflichtig. Diese Grenze wurde auf EUR 700.000,00 angehoben. Buchführungspflicht ab dem erstfolgenden Jahr besteht künftig ab Umsätzen iHv EUR 1.000.000,00 (statt EUR 600.000,00).
  • Entfall des Aktivierungswahlrechts von Ingangsetzungs- und Erweiterungsaufwendungen gemäß § 198 Abs 3 UGB:
  • Diese Bestimmung wurde aufgehoben, weshalb künftig Ingangsetzungs- und Erweiterungsaufwendungen im Jahr ihres Anfalls zur Gänze als Aufwand geltend zu machen sind. Somit ist der Aufwand auch steuerlich im Jahr des Anfalls voll abzugsfähig. Abschreibungen aus in Vorjahren aktivierten Ingangsetzungs- und Erweiterungsaufwendungen sind jedoch fortzuführen.
  • Firmenwertabschreibung gemäß § 203 Abs 5 UGB: Das Wahlrecht zur Aktivierung eines Firmenwerts entfällt und wird durch eine Aktivierungspflicht ersetzt; der Firmenwert muss planmäßig auf die Jahre verteilt werden, in denen er voraussichtlich genutzt wird. Die steuerrechtliche Vorschrift in § 8 Abs 3 EStG bleibt unverändert. Demnach ist der Firmenwert steuerlich zu aktivieren und auf 15 Jahre verteilt abzuschreiben.
  • Entfall des „erweiterten Niederstwertprinzips“ gemäß § 207 Abs 2 UGB: Bislang bestand für Gegenstände des Umlaufvermögens ein Abschreibungswahlrecht, soweit nach vernünftiger unternehmerischer Beurteilung nach dem Bilanzstichtag weitere Wertminderungen zu erwarten waren. Mit dem RÄG 2010 wurde das erweiterte Niederstwertprinzip ersatzlos gestrichen. Da diese Abschreibung steuerlich nicht anerkannt war, ergeben sich daraus keine Auswirkungen auf die steuerliche Gewinnermittlung.

Die Änderungen durch das RÄG 2010 sind auf Jahresabschlüsse über Wirtschaftsjahre anzuwenden, die nach dem 31.12.2009 beginnen.

 

Steuerliche Anerkennung der Einmann-GmbHs

Die Änderung der Rz 104 EStR über die Zurechnung höchstpersönlicher Tätigkeiten hat zu umfangreichen Diskussionen geführt.

Das BMF vertritt die Meinung, dass bestimmte “höchstpersönliche Tätigkeiten“ (zB als Geschäftsführer, Vorstand, Aufsichtsrat, Vortragender, Schriftsteller, Gutachter etc) nur von natürlichen Personen ausgeübt und somit die dafür gezahlten Vergütungen für ertragsteuerliche Zwecke nur diesen zugerechnet werden können. Eine Erbringung solcher höchstpersönlichen Leistungen über eine zwischengeschaltete Kapitalgesellschaft wird vom BMF nicht anerkannt. Continue reading Steuerliche Anerkennung der Einmann-GmbHs

Kauf von Investmentfonds – was bedeutet blütenweiß. weiß und schwarz?

Ein Leitfaden für Privatanleger

Investmentfonds sind nach wie vor gefragte Anlageinstrumente, da sie neben der Risikodiversifikation auch einige steuerliche Vorteile im Vergleich zur Veranlagung in Einzeltitel bieten. Allerdings wird im Verkaufsgespräch oder auch bei anderen Formen der Werbung oftmals nur die Rendite vor Steuern beworben. Der Käufer bedenkt in der Folge nicht, dass auch eine Besteuerung folgt. Diese kann im Einzelfall schmerzhaft hoch sein. Continue reading Kauf von Investmentfonds – was bedeutet blütenweiß. weiß und schwarz?

Die Verlosung von Immobilien

Im letzen Jahr hat sich die Immobilienverlosung großer Beliebtheit erfreut, und wurde durch starke mediale Präsenz zum Trend. Mit dieser Entwicklung gehen jedoch auch eine Reihe von glücksspiel- und steuerrechtliche Fragen einher. Das BMF hat in seiner Stellungnahme aus steuerrechtlicher Sicht auf die Grunderwerbsteuerpflicht, die Gebührenpflicht sowie auf etwaige ertragsteuerlichen Pflichten hingewiesen.

Wird ein Grundstück oder ein Grundstücksanteil verlost, fällt Grunderwerbsteuer an. Als Bemessungsgrundlage ist laut BMF die Anzahl der verkauften Lose multipliziert mit dem Lospreis heranzuziehen. Sollte der Betrag unter dem dreifachen Einheitswert des Grundstücks liegen, ist dieser als Bemessungsgrundlage zu wählen. Continue reading Die Verlosung von Immobilien

Karitative Spenden von der Steuer absetzbar

Wie jedes Jahr in der Adventzeit finden sich nun vermehrt Spendenaufrufe diverser Hilfsorganisationen in unsere Briefkästen. Das kommt nicht von ungefähr: Neben dem Einzelhandel erzielen auch viele karitative Einrichtungen in der Vorweihnachtszeit einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen, von denen sie dann das ganze nächste Jahr über zehren. Für heurige Weihnachts-Spendenaktionen greift jedoch erstmals die Steuerreform 2009, mit der Spenden an mildtätige Einrichtungen in größerem Rahmen steuerlich absetzbar gemacht wurden. Continue reading Karitative Spenden von der Steuer absetzbar

Gemeinschaftsrechtswidrige Quellensteuern auf EU-Portfoliodividenden zurückholen

Viele Anleger zahlen Quellensteuer im Ausland, obwohl die Steuer laut Europäischen Gerichtshof oft unzulässig ist

Laut Europäischem Gerichtshof in Luxemburg verstoßen Quellensteuern auf Dividenden, die von einer EU/EWR-Gesellschaft an einen EU/EWR-Empfänger gezahlt werden unter bestimmten Voraussetzungen gegen Gemeinschaftsrecht. Erst vor wenigen Tagen hat der EuGH in einem weiteren Urteil entschieden, dass die frühere italienische Quellensteuerregelung gegen Gemeinschaftsrecht verstößt. Diese Voraussetzungen – Diskriminierung und Nichtanrechenbarkeit der ausländischen Quellensteuer beim Empfänger – sind in vielen EU/EWR-Ländern gegeben. Trotzdem behalten etliche Staaten noch immer Quellensteuern in Situationen ein, wo dies evident gegen Gemeinschaftsrecht verstößt. Auch Quellensteuern auf Zinsen und Lizenzen können unter den gleichen Voraussetzungen gegen Gemeinschaftsrecht verstoßen. Continue reading Gemeinschaftsrechtswidrige Quellensteuern auf EU-Portfoliodividenden zurückholen