Internationale Konzerne versteuern in der Krise Scheingewinne

Multinationale Konzerne hätten es über das „Wundermittel“ Verrechnungspreise in der Hand, Gewinne ins niedrig besteuerte Ausland zu verlagern – so der Verdacht der Finanzverwaltungen. Doch gerade in der Krise kann ein veraltetes Verrechnungspreissystem genau das Gegenteil bewirken: es kann zur Doppelbesteuerung führen.

Verrechnungspreise sind jene Preise, die innerhalb von Konzernen für ausgetauschte Güter und Dienstleistungen in Rechnung gestellt werden. Angesichts unterschiedlicher Steuersätze müssen diese konzerninternen Preise auch steuerlichen Anforderungen genügen. Je kompetenter das Verrechnungspreissystem, desto effektiver kann die Steuerlast eines Konzerns gesenkt werden.

Angesichts der weltweit verschärften Prüfungspraxis der Finanzverwaltungen und der steigenden Dokumentationspflichten (samt Strafzuschlägen!) in Europa lag der Schwerpunkt der Verrechnungspreisgestaltung bei vielen Konzernen in der Suche nach einem OECD-konformen und daher steuerlich anerkannten Verrechnungspreissystem.

Verrechnungspreise werden entscheidend vom wirtschaftlichen Umfeld bestimmt. Die Preisbildung am Markt erfolgt jetzt anders als in Zeiten der Hochkonjunktur.

Wichtig ist z. B. die Frage, welche Zinsen für konzerninterne Darlehen marktkonform sind. Bei neuen Vereinbarungen ist zu überlegen, wie die aktuelle Liquiditätskrise in die steuerliche Beurteilung einfließen muss. Die für Liefer- und Leistungsströme derzeit in vielen Konzernen implementierten Verrechnungspreissysteme können sogar zu steuerpflichtigen Gewinnen in einzelnen Ländern führen, obwohl der Konzern insgesamt schon längst Verluste schreibt. Der Vergleich mit der Besteuerung von Scheingewinnen drängt sich auf. Hier ist akuter Handlungsbedarf gegeben! Gleiches gilt für Reorganisations- und Restrukturierungsmaßnahmen, wie sie derzeit das Wirtschaftsgeschehen beherrschen. Ohne umsichtige steuerliche Planung könnten Funktionsänderungen eine „exit-Steuer“ auslösen, die so manchen Kostenvorteil zunichte machen würde.

Modernes Transfer Pricing spart Zeit und Steuern
Mehr denn je gilt, dass ein den betriebswirtschaftlichen Anforderungen angepasstes Verrechnungspreiskonzept und dessen laufende adäquate Dokumentation langwierige Diskussionen im Betriebsprüfungsverfahren und hohe Steuernachzahlungen vermeiden kann. Eine sorgfältige Transfer Pricing Dokumentation erspart nicht nur Zeit sondern vor allem Kosten und soll drohende Doppelbesteuerungen von Anfang an verhindern.


Dr. Andrea Lahodny-Karner
Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin
alahodny@deloitte.at

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