KESt freie Zertifikate für Privatanleger

Anleger haben bei ihren Wertpapierinvestments neben wirtschaftlichen Aspekten auch die Steuern zu beachten. Das österreichische Steuerrecht knüpft bei einzelnen Zertifikaten die Steuerbefreiung der Erträge an unterschiedliche Voraussetzungen. Für ein steueroptimales Investment empfiehlt sich daher eine Detailanalyse der Zertifikate.

Privatanleger sind in Österreich unbeschränkt steuerpflichtige Anleger. Werden inländische Kapitalerträge erzielt oder Kapitalerträge, die einen Inlandsbezug aufweisen, weil sich zB die kuponauszahlende Stelle, das ist idR die depotführende Bank des Privatanlegers, im Inland befindet, besteht für die Kapitalerträge KESt-Pflicht. Die KESt beträgt einheitliche 25% und gilt die Einkommensteuer ab.

Im österreichischen Steuerrecht sind die folgenden Zertifikate geregelt:

• Aktienanleihen
• Wandelschuldverschreibungen
• Indexzertifikate
• Discountzertifikate
• Hebelzertifikate

Während bei den beiden erst genannten Zertifikaten die Erträge in jedem Fall steuerpflichtig sind, besteht für die letzten drei die Möglichkeit steuerfreie Erträge zu beziehen. Zu beachten ist jedoch, dass bei Verkauf der betreffenden Zertifikate innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist steuerpflichtige Spekulationsgewinne vorliegen können, die mit dem Einkommensteuertarifsatz im Rahmen der Einkommensteuererklärung zu besteuern sind.

Die Voraussetzungen für KESt- und damit steuerfreie Erträge sind bei den einzelnen Zertifikaten unterschiedlich:

Gering kapitalgarantierte Indexzertifikate mit Emission vor dem 1.3.2004

Indexzertifikate sind Zertifikate, deren Wertsteigerung von der Entwicklung eines Index abhängt. Der Index kann aus Aktien oder anderen Vermögenswerten, wie zB Rohstoffen oder Währungen, bestehen. Erträge aus Indexzertifikaten, die die folgenden Kriterien kumulativ erfüllen, sind steuerfrei:

• Emission vor dem 1.3.2004 (der tatsächliche Kauf des Zertifikates kann allerdings auch später erfolgen): Einmalemissionen vor dem 1.3.2004, Daueremissionen vor dem 1.3.2004, die rechtzeitig geschlossen wurden, dh vor dem 1.3.2004 bei unbegrenztem Volumen und vor dem 1.8.2005 bei begrenztem Volumen. Ein verspätetes Schließen der Daueremission hat zur Folge, das Wertsteigerungen, die nach den genannten Schließungszeitpunkten erzielt werden, KESt-pflichtig werden.
• Rechtliche oder faktische Kapitalgarantie von weniger als 20%

Discountzertifikate mit Emission vor dem 1.3.2004

Discountzertifikate sind Zertifikate, die ein Recht des Emittenten verbriefen am Tilgungstag einen bestimmten Geldbetrag an den Anleger auszubezahlen, dessen Höhe von der Wertentwicklung einzelner Aktien oder einzelner anderer Wirtschaftsgüter abhängt, die keinen Index darstellen. Sie werden auch als Bonuszertifikate bezeichnet. Es gelten für die steuerfreien Erträge grundsätzlich dieselben Voraussetzungen wie bei Indexzertifikaten. Mangels Kapitalgarantie ist allerdings allein das Emissionsdatum vor dem 1.3.2004 für die Steuerbefreiung der Erträge relevant.

Hebelzertifikate mit Hebel größer 5

Hebelzertifikate sind Zertifikate, deren Rückzahlungsbetrag ebenfalls von einem Basiswert abhängt. Hebelzertifikate partizipieren aber im Gegensatz zu Index- und Discountzertifikaten überproportional an der Wertentwicklung des Basiswertes. Sie werden oft auch als „Turbo-“, „Sprint-“ oder „Speedzertifikate“ bezeichnet. Beträgt der anfängliche Kapitaleinsatz des Anlegers weniger als 20% des Verkehrswertes des Basiswertes bei Emission, dh ist der Hebel größer als 5, sind die Zertifikatserträge steuerfrei.


Mag. Nora Engel-Kazemi
Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin
nengel@deloitte.at

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