Müssen Umlagen im Konzern mit oder ohne Gewinnaufschlag verrechnet werden?

Zentral bzw gemeinschaftlich erbrachte Leistungen im Konzern. (z. B. Controlling, EDV-Support, Buchhaltung, Management Services, Finanzierungen bis hin zu gemeinschaftlichen Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung) sind ein häufiges Thema bei Betriebsprüfungen.

Erfahrungsgemäß legt die Finanzverwaltung besonderes Augenmerk auf die aus verwaltungsökonomischen Gründen in der Praxis vorherrschende indirekte Methode der Leistungsverrechnung in Form der Konzern- bzw Kostenumlage. Neben der Angemessenheit des Kostenverteilungsschlüssels („cost allocation key“) stellt sich dabei insbesondere auch die Frage nach einem Gewinnaufschlag („mark-up“) oder ob auch Fälle einer bloßen Kostenumlage OECD-konform sind.

Nach Maßgabe der OECD-Verrechnungsrichtlinie gibt es zwei verschiedene Umlageverfahren; das Poolkonzept und das Leistungsaustauschkonzept.

Bei einer auf dem Poolkonzept basierenden Umlage steht die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen für Zwecke der gemeinsamen Entwicklung, Herstellung oder Beschaffung im Vordergrund. Die Poolteilnehmer schließen sich zur einer gemeinsamen unternehmerischen Aktivität zusammen, um Synergieeffekte zu lukrieren. Wesentlich ist, dass die Mitglieder des Pools gleichgerichtete Interessen verfolgen bzw die aus dem Pool hervorgehenden Leistungen in wirtschaftlich gleicher Weise nutzen. Typische Beispiele aus der Praxis sind zB ein gemeinsamer Einkaufspool oder ein gemeinsamer Forschungspool. Die vertraglich vereinbarten Beiträge der Poolmitglieder in Form von Geld- und Sachleistungen sind im Ergebnis einer innerbetrieblichen Eigenleistung gleichzustellen. Dieser Gedanke bestimmt auch die Frage der Zulässigkeit eines Gewinnaufschlages. Nachdem die innerbetriebliche Leistungserbringung nur Kosten verursacht, kann auch für gemeinsam geteilte Kosten kein Gewinnaufschlag angesetzt werden.

Das Leistungsaustauschkonzept basiert auf dem Gedanken eines schuldrechtlichen Leistungsaustausches, in der Praxis also bei rechtlich selbständigen Konzernservicegesellschaften („Shared Service Center“), die administrative, finanzielle oder technische Leistungen für konzernzugehörige Gesellschaften erbringen. Im Unterschied zum Poolkonzept besteht seitens des Leistenden grundsätzlich kein Eigeninteresse an den erbrachten Dienstleistungen. Oder anders gesagt: Während die Leistung jedes einzelnen Poolteilnehmers integrativer Bestandteil der eigenen Wertschöpfungskette bildet, steht die Dienstleistungsgesellschaft „außerhalb“ des Pools und benötigt die Dienstleistung grundsätzlich nicht für Zwecke der eigenen Leistungserbringung. Daher ist auch ein Gewinnaufschlag an die Leistungsempfänger zu verrechnen, um dem in den OECD-Verrechnungspreisrichtlinien verankerten Fremdvergleichsgrundsatz zu entsprechen. Die Höhe des Gewinnaufschlages ist von einer Reihe von Faktoren abhängig, insbesondere von dem mit der Leistungserbringung verbundenen unternehmerischen Risiko (zB im Hinblick auf Kostenüberschreitungen) sowie dem Einsatz von personellen und finanziellen Ressourcen. Eine allgemein gültige Aussage zur Höhe des Gewinnaufschlages kann daher nicht getroffen werden. Von Seiten der österreichischen Finanzverwaltung wird allgemein eine Bandbreite von 5% bis 15% als Richtwert genannt.

Praxistipp : Bei der Verrechnung von Leistungen im Konzern ohne Gewinnaufschlag entsprechend dem Poolkonzept ist besonderes Augenmerk auf die schriftliche Kostenverteilungsvereinbarung zu legen. Die Kosten sind entsprechend dem erwarteten Nutzen (erwarteter zusätzlicher Gewinn bzw erwartete Kosteneinsparung) jedes Poolteilnehmers im Verhältnis zum gesamten Pool verursachungsgerecht aufzuteilen.

Während in Bezug auf die Kostenverteilung keine Unterschiede zwischen dem Poolkonzept und dem Dienstleistungskonzept bestehen, ist beim Dienstleistungskonzept zusätzlich ein Nachweis für die Angemessenheit des Gewinnaufschlages zu führen, zB in Form von Datenbankstudien.

Vorsicht: Die für ertragsteuerliche Zwecke vertretene Ansicht, wonach zwischen den Poolteilnehmern (im Gegensatz zum Dienstleistungskonzept) kein Leistungsaustausch stattfindet, kann nicht notwendigerweise auf die Umsatzsteuer umgelegt werden. Eine eindeutige Aussage der österreichischen Finanzverwaltung liegt noch nicht vor. Auch Erfahrungen mit dem Ausland haben gezeigt, dass die Umsatzsteuer beim Poolkonzept einer sorgfältigen Prüfung bedarf.


Mag. Claudia Wehinger
Steuerberaterin
cwehinger@deloitte.at

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