Krankheitskosten von der Steuer absetzen?

Explodierende Kosten des Gesundheitssystems, defizitäre Krankenkassen und Zweiklassenmedizin sind seit Monaten ein Dauerthema in Medien und Politik: die gesetzliche Krankenversicherung stößt in Österreich an die Grenzen der Finanzierbarkeit. Dabei werden schon jetzt viele medizinische Leistungen nur teilweise oder gar nicht von den Krankenkassen abgedeckt. Hier liegt die Frage nahe, ob diese privat zu tragenden Kosten zumindest steuerlich verwertet werden können.

Der Fiskus erkennt Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen an. Diese können von der Steuer abgesetzt werden – allerdings im Regelfall nur nach Berücksichtigung eines Selbstbehaltes. In die Höhe dieses Selbstbehalts fließen die Einkommensverhältnisse und die familiäre Situation des Steuerpflichtigen ein. So beträgt der Selbstbehalt zwischen 6% des Jahreseinkommens (bis zu einem Jahreseinkommen von EUR 7.300) und 12% des Jahreseinkommens (ab einem Jahreseinkommen über EUR 36.400). Der Selbstbehalt vermindert sich für jedes Kind, für das der Kinder- oder Unterhaltsabsetzbetrag zusteht, um je einen Prozentpunkt. Besteht Anspruch auf den Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag reduziert sich der Selbstbehalt um einen weiteren Prozentpunkt.

Unter „Krankheit“ versteht der Fiskus eine gesundheitliche Beeinträchtigung, die eine Heilbehandlung bzw. Heilbetreuung erfordert. Nicht abzugsfähig sind daher etwa Aufwendungen für die Vorbeugung von Krankheiten.

Folgende Kosten können berücksichtigt werden:

• Arzt- und Krankenhaushonorare,
• Aufwendungen für Medikamente und Heilbehandlungen (einschließlich medizinisch verordneter homöopathischer Präparate), Rezeptgebühren, Behandlungs-, Kostenbeiträge und Selbstbehalte (einschließlich Akupunktur und Psychotherapie), soweit sie vom Steuerpflichtigen selbst zu tragen sind,
• Aufwendungen für Heilbehelfe (Zahnersatz, Sehbehelfe, Hörgeräte, Prothesen, Gehbehelfe, Bruchbänder),
• Kosten für Fahrten zum Arzt bzw. ins Spital, weiters Fahrtkosten der Angehörigen anlässlich des Besuchs der erkrankten Person,
• Kosten für die im Spital untergebrachte Begleitperson bei Spitalsaufenthalt eines Kindes,
• Zuzahlungen zu Kur- und Rehabilitationsaufenthalten,
• Honorare für Behandlungsleistungen durch nicht medizinisches Personal (zB Physiotherapeuten) wenn diese Leistung ärztlich verschrieben wurde oder die Kosten teilweise von der Sozialversicherung ersetzt werden.

Mittlerweile stellt auch der Fiskus die Schuldmedizin nicht mehr über alternative Methoden. Kosten für alternativmedizinische Behandlungstherapien stellen daher außergewöhnliche Belastungen dar, wenn die Notwendigkeit durch eine ärztliche Verordnung nachgewiesen wird.

Nur tatsächliche Belastungen können berücksichtigt werden. Leistungen durch die gesetzliche oder private Krankenversicherung kürzen daher ebenso die außergewöhnlichen Belastungen wie sonstige öffentliche Zuschüsse, Spenden und bei Krankenhausaufenthalten die sogenannte Haushaltsersparnis.

Tipp. Die Berechnung des Selbstbehalts erfolgt pro Kalenderjahr. Wenn heuer bereits einige Krankheitskosten angefallen sind, könnte es sich steuerlich auszahlen, für nächstes Jahr geplante Behandlungen noch in dieses Jahr vorzuziehen. Ausschlaggebend ist allerdings nicht der Zeitpunkt der Behandlung, sondern dass die Krankheitskosten auch noch heuer bezahlt werden.

Heben Sie Belege das ganze Jahr über auf, auch wenn Sie zu Beginn des Jahres nicht mit einem Überschreiten des Selbstbehalts rechnen. Man weiß nie, was das Jahr noch bringt …


Mag. Petra Apfelthaler
Steuerberaterin
papfelthaler@deloitte.at

Print Friendly, PDF & Email

Liked this post? Follow this blog to get more.