Begünstigtes Weihnachtsgeld: Die heilige Kuh des österreichischen Steuerrechts

Auf ihrem November-Lohnzettel entdecken viele Arbeitnehmer mit vorweihnachtlicher Freude das sogenannte Weihnachtsgeld. Nicht nur, dass mit einem Mal das doppelte Bruttogehalt abgerechnet wird, netto bleibt zudem mehr als das Doppelte verglichen mit einem normalen Monat übrig. Wieso ist dem so?
Die Ursache liegt im Einkommensteuerrecht: Sonstige Bezüge von Arbeitnehmern (13. und 14. Monatsbezug, Belohnungen) unterliegen nämlich gem. § 67 Abs 1 EStG einer begünstigten Besteuerung von linear 6% und sind damit von der Progression ausgenommen. Die Steuerlast auf Sonderzahlungen ist daher wesentlich geringer als auf laufende Bezüge.

Von der begünstigten Besteuerung profitieren Arbeitnehmer iSd Steuerrechts, d.h. natürliche Personen, die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit beziehen (in erster Linie echte Dienstnehmer). Selbständige und freie Dienstnehmer hingegen beziehen Einkünfte aus selbständiger Arbeit und kommen daher nicht in den Genuss der begünstigten Besteuerung. Die Verfassungsmäßigkeit dieser Differenzierung im Steuerrecht wurde in der Vergangenheit durch den VfGH mehrfach bestätigt.

Sonstige Bezüge können jedoch gem. § 67 Abs 2 EStG nur in einem bestimmten Ausmaß begünstigt versteuert werden nämlich bis zum sogenannten Jahressechstel. Das Jahressechstel entspricht einem Sechstel der laufenden Bezüge pro Jahr. Zu den laufenden Bezügen zählen zB auch Überstunden (Grundlohn und Zuschläge) sowie Sachbezüge. Es werden also die monatlichen laufenden Bezüge auf ein Jahr hochgerechnet und davon ein Sechstel herangezogen.

Wenn das Jahressechstel höchstens EUR 2.100 beträgt, ist es zur Gänze steuerfrei. Liegt das Jahressechstel über EUR 2.100 wird es mit 6% versteuert. Dabei ist ein Freibetrag von EUR 620 jährlich abzuziehen. Weitere sonstige Bezüge werden dem normalen Tarifsteuersatz unterworfen.

Bekommt ein Dienstnehmer daher, zB, im Juni Urlaubsgeld, im November Weihnachtsgeld und im Dezember einen Jahresbonus, werden in der Lohnverrechnung zunächst das Urlaubs- und Weihnachtsgeld (nach Abzug der Sozialversicherung) mit 6% versteuert. Der Jahresbonus wird zum laufenden Tarif versteuert und damit der Progression unterworfen, da das Jahressechstel bereits erschöpft ist.

Tipp: Wie bereits oben erwähnt, unterliegen Jahresboni zumeist der vollen (hohen) Progression, da das Jahressechstel bei Auszahlung am Jahresende bereits durch 13. und 14. Monatsbezug erschöpft ist. In solchen Fällen sollte unbedingt eine Arbeitnehmerveranlagung durchgeführt werden, da der Jahresbonus zu einem zu hohen Tarif in der laufenden Lohnverrechnung abgerechnet wird. Dasselbe gilt für den 15. Monatsbezug, den einige Kollektivverträge vorsehen. Wird der Jahresbonus gleichmäßig auf 12 Monate verteilt ausbezahlt, erhöht dies die laufenden Bezüge und damit das Jahressechstel für die begünstigte Besteuerung mit 6%.


MMag. Barbara Edelmann
Steuerberaterin
bedelmann@deloitte.at

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