Die Verlosung von Immobilien

Im letzen Jahr hat sich die Immobilienverlosung großer Beliebtheit erfreut, und wurde durch starke mediale Präsenz zum Trend. Mit dieser Entwicklung gehen jedoch auch eine Reihe von glücksspiel- und steuerrechtliche Fragen einher. Das BMF hat in seiner Stellungnahme aus steuerrechtlicher Sicht auf die Grunderwerbsteuerpflicht, die Gebührenpflicht sowie auf etwaige ertragsteuerlichen Pflichten hingewiesen.

Wird ein Grundstück oder ein Grundstücksanteil verlost, fällt Grunderwerbsteuer an. Als Bemessungsgrundlage ist laut BMF die Anzahl der verkauften Lose multipliziert mit dem Lospreis heranzuziehen. Sollte der Betrag unter dem dreifachen Einheitswert des Grundstücks liegen, ist dieser als Bemessungsgrundlage zu wählen.

Die Verlosung an sich löst nach Meinung des BMF eine Rechtsgeschäftsgebühr für Glücksverträge aus. Die Gebühr beträgt 12 % vom Gesamtwert aller nach dem Spielplan bedungenen Einsätze. Darunter ist jener Betrag zu verstehen, der sich aus der Gesamtzahl aller aufgelegten (nicht verkauften) Lose multipliziert mit dem Lospreis ergibt. Die Gebührenschuld entsteht mit Beginn des Losverkaufs. Sie besteht auch dann im vollen Umfang, wenn nicht alle Lose verkauft werden oder wenn die Ziehung nicht stattfindet.

Das BMF weist weiters auf eine ertragsteuerliche Pflicht im Falle einer Veräußerung innerhalb der Spekulationsfrist – dh innerhalb von 10-15 Jahren ab Anschaffung – hin. Der zu versteuernde Spekulationsgewinn ergibt sich aus der Differenz der steuerlichen Anschaffungskosten und der Summe der verkauften Lose abzüglich der Aufwendungen, die mit der Verlosung im Zusammenhang stehen.

Achtung: Die Rechtsgebühr ist vom Verloser an das dafür zuständige Finanzamt zu entrichten. Dem einzelnen Mitspieler droht eine Haftung für die gesamte, nicht nur die auf ein einzelnes Los entfallende, Gebühr, falls der Verloser diese nicht ordnungsgemäß abführt.

Tipp: Das Gebührengesetz sieht vor, dass Rechtsgeschäfte, die unter das Grunderwerbssteuergesetz fallen, von der Gebührenpflicht ausgenommen sind. Das BMF geht hingegen bei Verlosungen von zwei getrennten Vorgängen Grundstücksübereignung und Verlosung aus und begründet damit den parallelen Anfall von Grunderwerbsteuer und Rechtsgebühr. Da diese Frage mangels Judikatur noch nicht abschließend geklärt ist, ist es ratsam bei Vorschreibung der Gebührenpflicht, gegen den Bescheid zu berufen.

Eine mögliche Alternative zur Hausverlosung stellt die Versteigerung der Immobilie dar, welche, im Gegensatz zur Verlosung, rechtlich und steuerlich sicherer ist.


Mag. Stephanie Fischer
sfischer@deloitte.at

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