Möglichkeiten der Forschungsförderung für Unternehmen

Während der primäre Fokus von Unternehmen in Krisenzeiten darin liegt Kosten zu senken um die Gewinne abzusichern bzw. Verluste zu beschränken, schöpfen viele die Möglichkeit zusätzliche Einnahmen zu generieren nicht aus. Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten sollten Unternehmen jedoch die Möglichkeit nutzen die eigene Forschung durch gezielte Forschungsförderung zu forcieren und zusätzlich Mittel dafür zu lukrieren. Ein solch nachhaltiges Verhalten ist geeignet um Marktvorteile zu schaffen und wird sich spätestens in der folgenden Aufschwungphase positiv auf die weitere Entwicklung des Unternehmens auswirken.

Im Verhältnis zu anderen Ländern wird in Österreich die Forschungstätigkeit auch auf Unternehmensebene stark subventioniert. Einerseits durch fiskalpolitische Maßnahmen (Forschungsfreibetrag, Forschungsprämie) andererseits durch Forschungsförderung im Bereich der Grundlagenforschung sowie im Bereich der anwendungsorientierten Forschung. Gerade im heutigen wirtschaftlichen Umfeld sollte daher auf die vielfältigen Förderungsmöglichkeiten Augenmerk gelegt werden.

Für Unternehmen die hauptsächlich an monetären Förderungen interessiert sind, bietet sich die FFG (Forschungsförderungsgesellschaft) im Bereich der anwendungsorientieren Forschung an, unterstützt durch die AWS (Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft), welche als staatliche Förderbank Zuschüsse und zinsgünstige erp-Kredite mit langer Laufzeit vergibt, und Haftungen für Investitions- und Betriebsmittelkredite übernimmt sowie Eigenkapitalgarantien abgibt. Der FWF (Wissenschaftsfonds), welcher im Bereich der Grundlagenforschung die zentrale Einrichtung bildet ist dagegen weniger von Interesse, da er nicht nur gewinnorientiere wissenschaftliche Forschung einzelner Personen betreibt.

Die FFG bietet verschiede Förderprogramme, wobei Strukturprogramme und thematische Programme ausschreibungspflichtig sind, an. Ziel der Basisprogramme ist die laufende Förderung von neuen, technisch schwierigen (d.h. hoher Anspruch im Hinblick auf Technik und Komplexität) und riskanten Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsvorhaben, unabhängig von einem thematischen Schwerpunkt. Bei den Basisprogrammen der FFG werden die Zuschüsse über das ganze Jahr verteilt ausbezahlt, man ist also nicht an Stichtage und Einreichfristen gebunden.

KMUs können darüber hinaus Förderansuchen zu technischen Durchführbarkeitsstudien zur Vorbereitung der industriellen Forschung oder der experimentellen Entwicklung stellen. Die Laufzeit beträgt ein Jahr. Für Folgejahre müssen Fortsetzungsansuchen gestellt werden, wobei im 1. Jahr bereits das Gesamtprojekt darzustellen ist. Förderbare Kosten müssen dem Projekt direkt, tatsächlich und zusätzlich zum herkömmlichen Betriebsaufwand für die Dauer der geförderten Forschungstätigkeit zurechenbar sein. Hierzu zählen Personalkosten, Gemeinkosten, Kosten für die F&E Infrastrukturnutzung, Kosten für Leistungen Dritter, Sach- und Materialkosten sowie Reisekosten. Die maximale Förderung beträgt für Basisprogramme 50% (Start ups bis 70%) der anerkennbaren Projektkosten in Form eines Mixes aus nicht rückzahlbaren Zuschüssen, Darlehen und Haftungen für Bankdarlehen bis zu einer Obergrenze von derzeit EUR 12.000,-.

Die Förderung hängt von der positiven Bewertung von der technischen Qualität (Innovationsgehalt, Schwierigkeit/Risiko, Nutzen/Lösungsansatz, Umwelt), der wirtschaftlichen Verwertungsmöglichkeit (Marktaussichten, Markterfahrung, Verwertung), der Programmrelevanz (Wirkung auf Projektebene, Wirkung auf Unternehmensebene, Volkswirtschaftliche Effekte, soziale Aspekte) und der Durchführbarkeit (technisch, finanziell, Management und Unternehmensorganisation) ab.

Weiters bietet die FFG noch Unterstützung für die 7 derzeit langjährig laufenden EU-Forschungsprojekte an (zahlreiche detailierte Vorgaben/Voraussetzungen), sowie Zugriff auf Datenbanken und Partnervermittlung für Netzwerke. Aufgrund der Komplexität der Materie ist eine Überprüfung im Einzelfall unumgänglich.

Tipp: Aufgrund der Vielfältigkeit und Komplexität der Forschungsförderungsmöglichkeiten empfiehlt es sich nach Prüfung der individuellen Begebenheiten im konkreten Einzelfall ein maßgeschneidertes Förderungspaket zusammenstellen zu lassen.


Mag. Ernst Biebl
Steuerberater
ebiebl@deloitte.at
Mag. Martin Metlicka
mmetlicka@deloitte.at

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