Haben freie Dienstnehmer Zukunft?

Was trotz gestiegener Lohnnebenkosten für freie Dienstverträge spricht.

Für Unternehmen bedeutet die Angleichung der Lohnnebenkosten bei freien Dienstverträgen per 1. Jänner 2010 eine Mehrbelastung. Sie müssen nun auch die Kommunalsteuer, den Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds und den Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds abführen – in Summe sind das zusätzliche 7,9%. Abgabenrechtlich gibt es damit kaum mehr einen Unterschied zwischen freien und echten Dienstnehmern. Denn mit 1. Jänner 2008 wurden freie Dienstnehmer bereits in die Abfertigung Neu, die Arbeitslosenversicherung, die AK-Umlagepflicht und die IESG-Beitragspflicht einbezogen.

Wo bleibt die Entlastung der Unternehmen?
Es lässt sich argumentieren, dass die (ähnlich dem echten Dienstnehmer erfolgende) Belastung des freien Dienstnehmers mit Lohnnebenkosten gerechtfertigt sei, da der freie Dienstnehmer nun vom Gewinnfreibetrag gemäß §10 EStG profitiere. Dieser sieht einen Steuervorteil für selbständig Tätige ähnlich der begünstigten Besteuerung des 13. und 14. Gehalts vor. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die langjährige politische Forderung nach einer Entlastung der Unternehmen bei den Lohnnebenkosten wiederum nicht umgesetzt wurde, sondern vielmehr das Gegenteil der Fall ist.

Wann der freie Dienstvertrag Sinn macht
Ist Dienstgebern unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch zum freien Dienstvertrag zu raten? Dafür spricht – wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – dass der freie Dienstnehmer nicht dem speziellen Arbeitsrecht unterliegt, wodurch z.B. die Bestimmungen des Angestellten-, Urlaubs- oder Arbeitszeitgesetzes nicht gelten. Auch arbeitsrechtlich ist ein freies Dienstverhältnis vor dem Hintergrund der Rechtsprechungspraxis des Obersten Gerichtshofes – im Gegensatz zur aus Sicht des Autors oft restriktiven Judikatur des VwGH – vielfach vertretbar.

Lassen Sie sich beraten
In verschiedenen Anwendungsbereichen und Branchen – z.B. der Medienbranche, wo flexible Arbeitsverhältnisse unabdingbar sind – bietet der freie Dienstvertrag nach wie vor eine sinnvolle, der Realität entsprechende und von beiden Vertragsparteien gewünschte Alternative zum echten Dienstvertrag. Um den Nutzen und die Risiken bereits im Vorfeld zu erkennen und zu evaluieren, empfiehlt sich vor Vertragsabschluss mit einem Steuerberater oder Rechtsanwalt in Kontakt zu treten.


Dr. Martin Freudhofmeier
Steuerberater
mfreudhofmeier@deloitte.at

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