Förderungen der Lehrlingsausbildung

Das neue Jugendbeschäftigungsgesetz sieht eine Reihe von Förderungen vor. Neben der Basisförderung können für Lehrverhältnisse, die nach dem 27. Juni 2008 begonnen haben, noch zusätzliche Förderungen beantragt werden. Alle Förderanträge sind bei der zuständigen Lehrstelle der Wirtschaftskammer einzubringen. Die Förderungen haben unterschiedliche steuerliche Auswirkungen: die meisten sind steuerfrei und führen zu keiner Aufwandskürzung, sodass auch der Fiskus seinen Teil zur Förderung beisteuert.

1. Basisförderung für jedes Lehrverhältnis, das nach 27.6.2008 begonnen hat

Die Basisförderung ersetzt die bisher beim Finanzamt geltend zu machende Lehrlingsausbildungsprämie, die mit dem Veranlagungsjahr 2012 endgültig auslaufen wird. Für nach dem 27.6.2008 begonnene Lehrlingsverhältnisse kann nach Abschluss des jeweiligen Lehrjahres die Basisförderung geltend gemacht werden. Die Förderhöhe beträgt für das 1. Lehrjahr eine Förderung iHv drei Lehrlingsentschädigungen, für das 2. Lehrjahr iHv zwei Lehrlingsentschädigungen, für das 3. und 4. Lehrjahr iHv einer Lehrlingsentschädigung. Die Basisförderung ist steuerfrei und unterliegt keiner Aufwandskürzung. Die Förderung kann somit von der Steuerbemessungsgrundlage abgezogen werden (negative MWR).

2. Blum Bonus II (neue Lehrstellen)

Gefördert hierbei wird der Neu- oder Wiedereinstieg in die Lehrlingsausbildung seitens der Unternehmen als Lehrberechtigte. Bei nach dem 27.6.2008 und vor dem 31.12.2010 begonnen Lehrverhältnissen ist eine Prämie iHv EUR 2.000,00 für jedes geförderte Lehrverhältnis vorgesehen. Pro Lehrberechtigten können maximal 10 Lehrlinge gefördert werden. Diese Förderung unterliegt steuerlich keiner Aufwandskürzung, sodass es iHd Förderung zu einer negativen MWR kommt.

3. Ausbildungsnachweis zur Mitte der Lehrzeit

Hier werden Betriebe, deren Lehrlinge zur Hälfte der Lehrzeit an einem qualitätsbezogenen Ausbildungsnachweis teilnehmen, gefördert. Die Förderhöhe beträgt EUR 3.000,00 pro Lehrling und kann unter bestimmten Voraussetzungen (Führung einer Ausbildungsdokumentation, positive Absolvierung eines Praxistests während der Arbeitszeit) beantragt werden. Bei dieser Förderung erfolgt ebenfalls steuerlich keine Aufwandskürzung (=negative MWR).

4. Zwischen- und überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen

Förderbar sind Lehrberechtigte, deren Lehrlinge eine zwischen- und überbetriebliche Ausbildungsmaßnahme (Ausbildungsverbundmaßnahmen, Zusatzausbildungen, Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung) absolviert haben. Die Förderhöhe variiert nach der jeweiligen Ausbildungsmaßnahme, beträgt aber max. EUR 250,00 bis EUR 1.000,00 oder 75 % der Kurskosten pro Lehrling. Diese Förderung unterliegt einer Aufwandskürzung, sodass es zu keiner MWR kommt.

5. Weiterbildung der Ausbilder

Gefördert werden Weiterbildungsmaßnahmen für Ausbilder mit einer Mindestdauer von 8 Stunden. Die Förderung ist an eine inhaltliche Prüfung durch die Lehrstelle gebunden. Gefördert werden Weiterbildungsmaßnahmen mit Bezug zur Ausbilderqualifikation nicht aber beruflich-fachliche Weiterbildungen. Die Förderhöhe beträgt 75 % der Kurskosten, max. aber EUR 1.000,00 pro Ausbilder und Kalenderjahr. Da hierbei Kosten des Arbeitgebers abgedeckt werden, kommt es zu einer Aufwandskürzung (keine MWR).

6. Ausgezeichnete und gute Lehrabschlussprüfungen

Lehrberechtigte, deren Lehrabsolventen Lehrabschlussprüfungsergebnisse mit Auszeichnung oder mit gutem Erfolg bei erstmaligem Antritt zu einer Lehrabschlussprüfung im betreffenden Lehrjahr erreichen, können hierfür eine Förderung beantragen. Die Förderhöhe beträgt pro Lehrabschlussprüfung EUR 200,00 bei gutem Erfolg und EUR 250,00 mit Auszeichnung. Hierbei kommt es steuerlich zu keiner Aufwandskürzung, sodass die Förderung in der MWR abgezogen werden kann.

  7. Maßnahmen für Lehrlinge mit Lernschwierigkeiten

Gefördert werden Nachhilfekurse, Kosten bei Wiederholung einer Berufsschulklasse und Vorbereitungskurse auf Nachprüfungen. Die Förderhöhe beträgt 100 % der Kosten für die Lehrlingsentschädigung bei Dienstfreistellungen einschließlich Internatskosten oder 100 % der Kurskosten, max. aber EUR 1.000,00 pro Lehrling. Bei dieser Förderung hat eine Aufwandkürzung zu erfolgen (keine MWR).

8. Gleichmäßiger Zugang von jungen Frauen und Männern zu den verschiedenen Lehrberufen

Förderbar sind Maßnahmen und Projekte zur Aufhebung der geschlechtsspezifischen Ungleichverteilung des Lehrstellenmarktes. Aus dem gesamten Förderbudget können jährlich bis EUR 5 Mio. für diesen Punkt vergeben werden. Eine Aufwandkürzung erfolgt, soweit konkrete Kosten des Arbeitgebers abgedeckt werden, sonst nicht.

Praxistipp:  Ein Antrag muss innerhalb einer 3 monatigen Frist nach Abschluss des jeweiligen Lehrjahres bzw. förderbaren Ereignisses gestellt werden. Vorgesehen ist, dass die zuständigen Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammer die Antragsformulare innerhalb von 6 Wochen nach dem Ende des jeweiligen Lehrjahres an die förderberechtigten Unternehmen zusenden. Sollte dies nicht geschehen, unbedingt an die zuständige Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer wenden bzw. die Formulare unter http://www.lehre-foerdern.at herunterladen, da ein Unterbleiben der Zusendung nicht die 3 monatige Antragsfrist verlängert.


Mag. Eva Maria Wernitznig
ewernitznig@deloitte.at

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