Vorsicht: Hinterzogene Erbschaft verjährt nicht!

Wer vor dem 1.8.2008 Vermögen im Ausland geerbt und dem Finanzamt verschwiegen hat, hofft möglicherweise vergeblich auf Verjährung: Aufgrund einer Sonderregelung in der Bundesabgabenordnung kann die Erbschaftsteuer nicht verjähren, wenn die Erbschaft als solche dem Finanzamt nicht angezeigt, d.h. keine Erbschaftsteuererklärung abgegeben wurde. Gleichzeitig hindert dies auch die Verjährung der Strafbarkeit. Das Finanzamt kann somit zeitlich unbegrenzt die Erbschaftsteuer nachfordern, die Strafbehörde/das Gericht zeitlich unbegrenzt eine Strafe wegen Hinterziehung verhängen.

Anders verhält es sich nach herrschender Ansicht, wenn für die Erbschaft zwar eine Erbschaftsteuererklärung abgegeben wurde, im Rahmen dieser aber einzelne (im Ausland befindliche) Vermögensteile verschwiegen wurden. Die Erbschaftsteuer verjährt dann (aufgrund der Hinterziehung) in der Regel in 7 Jahren ab Ablauf jenes Jahres, in dem die Erbschaftsteuererklärung eingereicht wurde. Diese Frist kann sich unter Umständen auf maximal 10 Jahre verlängern.

Auch wenn dies in der Literatur umstritten ist, wird die Verhängung einer Strafe auch in diesen Fällen meist zeitlich unbegrenzt möglich sein, weil durch das Verschweigen des ausländischen Vermögens jedes Jahr eine neuerliche Hinterziehung von Einkommensteuer stattfindet, welche den Ablauf der strafrechtlichen Verjährung hemmt. Lediglich im verwaltungsbehördlichen Verfahren (hinterzogene Abgabe maximal EUR 75.000) erlischt die Strafbarkeit, wenn seit der Erbschaftsteuererklärung 10 Jahre vergangen sind.

Einen Weg aus diesem Teufelskreis bietet die Selbstanzeige, wobei länger zurückliegende hinterzogene Steuern nicht in jedem Fall nachentrichtet werden müssen, um Straffreiheit zu erlangen.

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MMag. Astrid Kristof

Wirtschaftsprüfer und Steuerberater

akristof@deloitte.at

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