Zuschreibungspflicht und Verlustverwertung in der Unternehmensgruppe

Viele Unternehmen mussten in den letzten Jahren aufgrund des eingetretenen Wertverlusts außerplanmäßige Abschreibungen auf Beteiligungen an ihren Tochtergesellschaften vornehmen. Unsere Beratungspraxis zeigt uns derzeit vermehrt, dass sich nun wieder ein Zuschreibungspotential ergeben könnte. Im Lichte der jüngsten VwGH-Judikatur und den entsprechend geänderten Einkommensteuerrichtlinien kommt es fortan für ertragsteuerliche Zwecke nicht mehr auf die Identität der Gründe für die vorgenommene Abschreibung und die bevorstehende Zuschreibung an. Maßgeblich für die Zuschreibung ist alleine der Wertzuwachs an sich.

Die österreichische Steuergruppe bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, steuerliche Verluste und Verlustvorträge optimal zu verwerten. Gern gewählte Gestaltungsvarianten sind dabei unter anderem die umgründungsbedingte Übertragung von Außergruppenverlusten sowie die Einbeziehung steuerlicher Verluste in- bzw. ausländischer Tochtergesellschaften durch Aufnahme in die Gruppe. Hat ein Gruppenträger für eine steuerwirksame Beteiligung an einer Tochtergesellschaft, die er nicht in die Gruppe aufgenommen hat, eine Teilwertabschreibung ertragsteuerlich geltend gemacht, steht er nun – ein positives ertragsteuerliches Einkommen vorausgesetzt – vor der Tatsache, dass Erträge aus Zuschreibungen lediglich zu 75% mit steuerlichen Verlustvorträgen verrechnet werden dürfen. Für Gruppenmitglieder hingegen gilt die 75%-Verrechnungsgrenze nicht.

Welche Strukturierungsmöglichkeiten stehen nun zur Verfügung, wenn die Wertsteigerung eben noch nicht eingetreten ist?

Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, die Beteiligung an der Tochtergesellschaft an ein inländisches (steuerliche Verluste erwirtschaftendes) Gruppenmitglied zu verkaufen. Hierbei ist zu beachten, dass einerseits die mit der Beteiligung verbundenen Verlustvorträge nicht auf das Gruppenmitglied übergehen, andererseits die Option zur Steuerpflicht im Zuge des Verkaufs einer Beteiligung an einer ausländischen Tochtergesellschaft sehr wohl auf das inländische Gruppenmitglied übergeht. Zuschreibungen aus allfälligen später eingetretenen Wertsteigerungen sind betragsmäßig mit den Anschaffungskosten begrenzt, welche dem Gruppenmitglied beim Erwerb der Beteiligung entstanden sind. Ein späterer steuerpflichtiger Capital Gain aus dem Verkauf der Beteiligung könnte dementsprechend höher ausfallen, aber mit steuerlichen Verlustvorträgen des Gruppenmitgliedes zu 100% verrechnet werden.

Eine weitere Strukturierungsalternative könnte die Veränderung der bestehenden Gruppe, beispielsweise durch „Hochziehen“ der Gruppe auf die Muttergesellschaft des Gruppenträgers nach Ablauf der dreijährigen Mindestbestandsfrist, darstellen. Einerseits könnten steuerliche Gewinne aus einer späteren Zuschreibung/ eines späteren Verkaufs zu 100% mit steuerlichen Verlustvorträgen (zB. aus den geltend gemachten Siebentel aus Teilwertabschreibungen) verrechnet werden. Andererseits könnten positive Ergebnisse von Tochtergesellschaften des ehemaligen Gruppenträgers (nun Gruppenmitglied) nicht mehr mit dessen Verlustvorträgen verrechnet werden. Alternativ dazu könnte eine ertragsteuerneutrale Übertragung der Anteile an der Tochtergesellschaft unter Anwendung des UmgrStG durchgeführt werden. In diesem Fall gehen einerseits die mit der Beteiligung verbundenen steuerlichen Verlustvorträge (aus geltend gemachten Siebentel), andererseits die offenen Siebentel aus der Teilwertabschreibung auf das Gruppenmitglied über. Sofern es sich um die Einbringung einer Beteiligung an einer ausländischen Tochtergesellschaft handelt, geht auch die Option zur Steuerpflicht über. Nachfolgende Zuschreibungen/ Capital Gains betreffend die Beteiligung an der Tochtergesellschaft können mit aus der Beteiligungsübertragung übergegangenen offenen Siebentelbeträgen und steuerlichen Verlustvorträge zu 100% verrechnet werden. Unklar ist derzeit in diesem Zusammenhang die Frage, bis zu welcher Höhe die Zuschreibung zu erfolgen hat. Einer aktuellen Entscheidung des UFS Klagenfurt (GZ RV/0825-K/07 vom 21.08.2009) zu Folge, bilden die historischen Anschaffungskosten des Rechtsvorgängers die Obergrenze der Zuschreibungspflicht. Ob diese Vorgehensweise in der ständigen Verwaltungspraxis Eingang finden wird, bleibt derzeit noch abzuwarten.

Selbstredend wird eine wirtschaftliche Begründung für die Übertragung der Beteiligung auf das Gruppenmitglied vorausgesetzt.

Wie aus unseren Ausführungen ersichtlich, hängt die gewählte Strukturierungsvariante immer vom Einzelfall ab, und damit verbundene Vor- und Nachteile sind im Detail zu prüfen. Wir stehen Ihnen diesbezüglich gerne zur Verfügung.


Mag. Gisela Bogner
Steuerberaterin
gbogner@deloitte.at

Dr. Susanne Krebs

Senior Assistant
skrebs@deloitte.at

 

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