Tätigkeit im Ausland – die Fallen der Betriebstätte

Beim Eintritt in ausländische Märkte stehen Unternehmen oft vor der Frage, ob eine eigene Tochtergesellschaft gegründet, oder ob das Auslandsgeschäft – ohne eigenen Rechtsträger im Ausland – als Betriebstätte der österreichischen Gesellschaft geführt wird. Oft erscheint eine Betriebstätte einfacher, zumal man sich die administrativen Aufwendungen einer eigenen Gesellschaft erspart und in den meisten Fällen ausländische Quellensteuern vermieden werden können. Dass mit einer Betriebstätte jedoch auch eine Reihe von Risiken verbunden ist, zeigt sich oft erst im Nachhinein:

Ertragsteuerliche Risiken

  • Begründung der Steuerpflicht: Die Begründung einer Betriebstätte richtet sich nach den nationalen Vorschriften sowie den anwendbaren Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Deshalb muss die Beurteilung, ab wann Steuerpflichten (KSt, LSt, USt) vorliegen, immer im Einzelfall erfolgen und es kann keine standardisierte Vorgehensweise für mehrere Staaten konzipiert werden. Stellt sich nachträglich heraus, dass das Vorliegen einer Betriebstätte in einem Land falsch eingeschätzt wurde, kann daraus eine Doppelbesteuerung resultieren. Zudem drohen Verwaltungsstrafen und Nachzahlungen mit Säumniszuschlägen.
  • Schattenbuchhaltung/Doppelbesteuerung: Das Betriebstättenergebnis muss nach ausländischem und nach österreichischem Recht ermittelt werden. Dies führt zu höheren Administrationsaufwendungen. Zudem sind die steuerlichen Ergebnisse der Betriebstätte auf „Stand-Alone Basis“ (Art 7 OECD-MA) zu ermitteln, was eine Aufteilung der einzelnen Positionen zwischen Stammhaus und Betriebstätte erfordert. Daraus ergeben sich Abgrenzungsschwierigkeiten und drohende Doppelbesteuerungsfälle.

Umsatzsteuerliche Risiken

  • Bei Gesellschaften können umsatzsteuerliche Rechtsfolgen durch Verträge gesteuert werden. Mangels Rechtspersönlichkeit kann jedoch eine Betriebstätte aus zivilrechtlicher Sicht keine Leistung erbringen und keine Rechnungen fakturieren bzw. erhalten, sondern nur die jeweilige Gesellschaft. Dies kann dazu führen, dass Umsätze im falschen Land versteuert werden und es zu Nachforderungen mit Verspätungssanktionen kommt.
  • Der Vorsteuerabzug kann je nach Vorliegen einer Betriebstätte entweder im Veranlagungsverfahren oder im Rückerstattungsverfahren für ausländische Unternehmer geltend gemacht werden. Wird wegen Unsicherheiten über das Vorliegen einer Betriebstätte das falsche Verfahren gewählt, kann dies im schlimmsten Fall zur Versagung des Vorsteuerabzugs führen (Ablauf von Fristen).

Lohnsteuerliche Unsicherheiten

  • Da Lohnabgaben bereits mit dem ersten Tag des Beschäftigungsverhältnisses entstehen können, ist bereits vorweg zu prüfen, ob eine lohnsteuerliche Betriebstätte begründet wird (unterschiedliche Voraussetzungen bei ertragsteuerlichen und lohnsteuerlichen Betriebstätten). Werden aufgrund einer allfälligen Fehleinschätzung fälschlicher Weise Lohnabgaben im Ausland entrichtet, kann es zu langwierigen Steuerrückerstattungsverfahren kommen.
  • Bei der Personalgestellung durch das Stammhaus in einen Betriebstättenstaat ist die 183-Tage-Regel (Art 15 OECD-MA) – anders als bei Gestellung in den Ansässigkeitsstaat einer Tochtergesellschaft – nicht anwendbar.


Mag. Alexander Lang
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater
alang@deloitte.at

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