Dienstleistungsschecks Teil 1: So sammeln Sie günstig Pensionsversicherungszeiten

 Für Studenten und andere nur gelegentlich beschäftige Personen bietet der Dienst­leistungsscheck in Kombination mit einer freiwilligen Selbstver­sicherung eine günstige Möglichkeit Pensions­ver­sicherungszeiten zu sammeln.

Für die Vergütung welcher Tätigkeiten kann der Dienstleistungsscheck verwendet werden? Welche Voraussetzungen müssen im Wesentlichen vor­liegen?

  • Verrichtung einfacher haushaltsnaher Dienstleistungen in Privathaushalten (Reinigungsarbeiten, Beaufsichtigung von Klein- oder Schulkindern, Erledigung von Einkäufen, einfache Gartenarbeiten) für welche keine längere Ausbildung erforderlich ist.
  • Kurze, befristete Arbeitsverhältnisse (bis 1 Monat), wobei mehrere Arbeits­verhältnisse hintereinander abgeschlossen werden können.
  • Die Arbeitsberechtigung des Arbeitnehmers muss vorhanden sein, die Mindesthöhe des gesetzlichen Entgelts muss eingehalten werden.
  • Pro Beschäftigungstag ist mindestens ein Dienstleistungsscheck auszustellen, welcher Name und Sozialversicherungsnummer des Arbeitgebers und Arbeitnehmers sowie den Tag der Beschäftigung enthält.
  • Die Entlohnung darf beim einzelnen Arbeitgeber EUR 501,82/Monat (Wert 2010) nicht übersteigen.
  • Bei erstmaliger Inanspruchnahme/bei Änderung persönlicher Daten ist das Bei­blatt zum DLS von Arbeitgeber und Arbeitnehmer auszufüllen und rechtzeitig bei der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau einzureichen http://www.vaeb.at/mediaDB/570057_DLS_Beiblatt_web.pdf (Unter diesem Link finden Sie auch noch weiterführende Informationen zum Dienstleistungsscheck).

 Welche Vorteile bietet der Dienstleistungsscheck?

  • Der Empfänger ist unfallversichert. Die Versicherung beginnt am Be­schäftigungs­tag mit dem Weg zur Arbeit und endet mit dem Rückweg von der Arbeit.
  • Die Kosten für die Unfallversicherung und anteilige Verwaltungskosten sind bereits mit dem Kaufpreis des Dienstleistungsschecks abgedeckt.
  • Dienstleistungsschecks sind online, in Trafiken oder in Postämtern zum Kaufpreis von EUR 5,10 bzw. EUR 10,20 erhältlich (entspricht einem einlösbarem Wert von EUR 5,00 bzw. EUR 10,00).
  • Sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind, hat der Arbeitgeber mit Übergabe des Dienstleistungsschecks seine Arbeitgeberpflichten erfüllt.

 Welche steuerlichen Konsequenzen sind zu beachten?

Die Einkünfte aus Dienstleistungsschecks stellen Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit dar. Das Kompetenzzentrum DLS (CC-DLS) übermittelt dem Finanzamt alle Daten (elektronisch via Lohnzettel) über eingereichte Dienst­leistungsschecks. Sofern in einem Jahr nur Einkünfte aus Dienstleistungsschecks bezogen werden, die den Betrag von EUR 12.000,- nicht übersteigen, besteht keine Steuer­ und Veranlagungspflicht. Unter folgenden Bedingungen ist die Ab­gabe einer Einkommensteuererklärung (bzw. Arbeitnehmerveranlagung) verpflichtend:

  1. Die Einkünfte aus Dienstleistungsschecks übersteigen den Betrag von EUR 12.000,-
  2. Es werden zumindest zeitweise gleichzeitig weitere Einkünfte aus einer anderen unselbständigen Beschäftigung erzielt.
  3. Es werden zusätzlich zu den Einkünften aus Dienstleistungsschecks auch noch andere Einkünfte (z.B. aus Vermietung und Verpachtung) über EUR 730,- jährlich be­zogen.

In den ersten beiden Fällen wird vom Finanzamt ein Arbeitnehmer­veranlagungs­formular (L1) zugestellt. Im dritten Fall muss der Steuerpflichtige eine Einkommen­steuer­erklärung einreichen. Übersteigt jedoch das gesamte steuerpflichtige Ein­kommen in einem Jahr die Besteuerungsgrenze von EUR 12.000,- nicht, bleiben die Einkünfte (auch aus Dienstleistungsschecks) steuerfrei.

Wie kann man mit dem Dienstleistungsscheck günstig Pensions­versicherungs­zeiten sammeln?

Sofern der Arbeitnehmer pro Monat von einem oder mehreren Arbeitgebern Dienstleistungsschecks im Wert von nicht mehr als EUR 501,82 erhält, besteht Versicherungsschutz im Rahmen der Unfallversicherung. Eine Versicherungspflicht (Kranken- und Pensionsversicherung) für den Arbeitnehmer würde erst bei Überschreiten dieses Betrages entstehen.

Sind jedoch die angeführten Voraussetzungen erfüllt, besteht z.B. für Studenten oder andere nur gelegentlich Beschäftigte, deren Jobs mit Dienstleistungsschecks entlohnt werden, die Möglichkeit der günstigen Selbstversicherung: Sie können sich um den monatlichen Betrag von EUR 51,69/Monat (Werte 2010) für geringfügig Beschäftigte in der Kranken- und Pensionsversicherung gemäß § 19a ASVG selbst versichern.

Die Versicherung beginnt mit dem ersten Beschäftigungstag des Kalendermonats und endet mit Ablauf dieses Kalendermonats. Bei entsprechender Beitrags­leistung besteht auch im Folgemonat Versicherungsschutz.

Durch diese freiwillige Versicherung besteht in der Krankenversicherung sowohl Anspruch auf Sachleistungen (z.B. ärztliche Hilfe, Heilmittel, Krankenhaus­aufenthalte) als auch auf Geldleistungen (Krankengeld, Wochengeld). In der der Pensionsversicherung sind Versicherungszeiten dieser freiwilligen Versicherung jenen der Pflichtversicherung gleichzusetzen.

Empfehlung: Kreuzen Sie auf dem Formular „Beiblatt zum Dienst­leistungs­scheck“ gleich an, dass Sie die Möglichkeit der Selbstversicherung im Rahmen der Kranken- und Pensionsversicherung bei geringfügiger Beschäftigung nutzen möchten. Das Antragsformular wird Ihnen dann automatisch von der Gebietskranken­kasse übermittelt.

Bitte beachten Sie, dass für die Selbstversicherung im Rahmen der geringfügigen Beschäftigung der Erhalt von Dienstleistungsschecks nicht Voraussetzung ist, auch bei einer „her­kömmlichen“ geringfügen Beschäftigung ist eine Selbstversicherung möglich.

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass es sich bei dem obigen Beitrag um eine zusammenfassende Darstellung handelt und empfehlen Ihnen daher sich bei speziellen Fragen an die Verfasser des Artikels zu wenden.


Mag. Michaela Burgstaller-Donner
Steuerberaterin
mburgstallerdonner@deloitte.at

Mag. (FH) Evelyn Kappel
ekappel@deloitte.at

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