Ermittlung Bemessungsgrundlage bei Selbstanzeige: welche Unterlagen sind erforderlich?

Zur Zeit transferieren zahlreiche Österreicher ihr bisher nicht versteuertes Auslandsvermögen wieder zurück ins Inland.  Dies kann ohne Strafe erfolgen, wenn eine sogenannte Selbstanzeige bei der Finanz erstattet wird. Die bisher nicht versteuerten Erträgnisse und Gewinne werden ermittelt und stellen die Bemessungsgrundlage für die Steuerschuld dar. Welche Unterlagen von der ausländischen Bank benötigt werden, erfahren Sie im Folgenden:

Optimal sind Bewegungsauszüge des Depots in EUR, auf denen in einer Jahresbetrachtung die komplette Entwicklung pro Wertpapier zusammengefasst wird: Anfangsbestand, An- und Verkäufe, Dividenden, Zinsen etc. Mit diesen Unterlagen ist eine schnelle und vollständige Erfassung möglich. Vor allem eine eventuell notwendige Währungsumrechnung kann viel Zeit kosten, daher zahlt sich ein explizites Nachfragen, ob die Unterlagen in EUR erhältlich sind, jedenfalls aus.

Alternativ dazu können auch jährliche Depotauszüge und Erträgnisaufstellungen zur Verfügung gestellt werden. Hier muss  geprüft werden, ob wirklich alle Erträgnisse in der Aufstellung enthalten sind, und nicht nur jene der Wertpapiere, die am Jahresende noch am Depot liegen, denn: Sollten zu wenig Erträgnisse oder Gewinne erfasst werden, droht trotz der Selbstanzeige hinsichtlich des verkürzten Betrags ein Strafverfahren.

Zusätzlich zu den Depotunterlagen sind alle zugrundliegenden Kontokorrentkonten anzufordern, damit jede Bewegung nachvollziehbar ist und steuerlich eingeordnet werden kann.

Vorsicht ist geboten bei sogenannten Steuerunterlagen: Diese sind oft nach den (abweichenden) steuerlichen Vorschriften des jeweiligen Landes in dem das Vermögen liegt, erstellt worden.

Wenig empfehlenswert sind Einzelbelege: Abgesehen von der langen Bearbeitungsdauer wäre fraglich, ob die Finanzbehörde von der Vollständigkeit der Unterlagen zu überzeugen ist. Kontoauszüge allein, auf denen nur Nettobeträge gebucht sind, sind für diese Zwecke gänzlich ungeeignet.

Hat der Betroffene schwarze Investmentfonds im Portfolio, so können diese vom Steuerexperten mithilfe des Rechenschaftsberichts oft noch nachträglich „weissgerechnet“ werden. Die hierfür zusätzlich entstehenden Kosten fallen im Vergleich zur erzielten niedrigeren Bemessungsgrundlage als bei „Schwarzrechnung“ meist kaum ins Gewicht. 



MMag. Birgit Schwertner-Awais

Steuerberaterin

bschwertner@deloitte.at

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