Verrechnungspreisermittlung mit Hilfe von Datenbankstudien

 Die Finanzverwaltung sucht mit

Obwohl die Preisvergleichsmethode theoretisch als vorrangige Verrechnungspreismethode gilt, so hat sich in der Praxis und insbesondere in den USA immer mehr die transaktionsbezogene Nettomargenmethode (transactional net margin method bzw. TNMM) durchgesetzt. Im Rahmen dieser „Gewinnmethode“ sind Datenbankstudien nicht mehr wegzudenken. Die Verrechnungspreisermittlung für Routineunternehmen (z.B. Lohnfertiger) stellt etwa einen klassischen Anwendungsbereich dar. Es ist daher wenig verwunderlich, dass Datenbankstudien vermehrt und strenger im Rahmen von Betriebsprüfungen hinterfragt werden, wobei die österreichische Finanzverwaltung mit speziell ausgebildeten Mitarbeitern und Zugang zu Datenbanken, wie etwa zu der in Europa üblichen AMADEUS Unternehmensdatenbank, aufgerüstet hat.

Die Durchführung einer Datenbankstudie ist durch logische und zum Teil sehr aufwendige Schritte (Step by Step Screening) gekennzeichnet. Von großer Bedeutung ist, dass die durchgeführten Schritte plausibel begründet und auch ausreichend dokumentiert werden, damit einer Nachprüfung durch die Betriebsprüfer standgehalten werden kann. In dem quantitativen Teil der Datenbankstudie wird durch die Anwendung von Auswahlkriterien die Grundgesamtheit der möglicherweise vergleichbaren Unternehmen in der Datenbank Schritt für Schritt eingeschränkt. Eine solche Suchstrategie läuft beispielsweise so ab, dass zuerst die geographische Region ausgewählt wird. Weitere Schritte stellen Anforderungen an das zeitliche Bestehen von Unternehmen (Ausschluss von Start-up Unternehmen) sowie an die wirtschaftliche Performance, indem z.B. Unternehmen mit mehrjährigen Verlusten ausgeschlossen werden. Die Einschränkung auf Wirtschaftsbereiche und Branchen (ausgedrückt z.B. durch NACE-Codes) kann verfeinert werden, indem Schlagworte bezogen auf die Unternehmensbeschreibung als Ausschlusskriterien angeführt werden bzw. umgekehrt Schlagworte Voraussetzung für die Vergleichbarkeit der Unternehmen sind. Da nur unabhängige Unternehmen als Vergleichsunternehmen (sogenannte Comparables) in Frage kommen, ist auf die Beteiligungsverhältnisse (25%-Grenze) zu achten.

Der darauf folgende qualitative Schritt der Datenbankanalyse bzw. das qualitative Screening soll sicherstellen, dass die Ergebnisse und somit beispielsweise die Gewinnmargen nur von jenen Unternehmen herangezogen werden, welche aufgrund von Tätigkeit und Struktur mit der „tested party“ vergleichbar sind. Gute Anhaltspunkte für diese Entscheidung bieten die Webseiten der Unternehmen, wobei darauf zu achten ist, dass diese archiviert werden, um einen späteren Nachweis sicherzustellen. Werden im Rahmen der qualitativen Analyse Unternehmen ausgeschlossen, so ist dies zu begründen (z.B. keine vergleichbare Tätigkeit laut Webseite) und ebenfalls zu dokumentieren.

Wenn Verrechnungspreise in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Hilfe von Datenbankstudien ermittelt werden, kann es bedingt durch den Umstand, dass Unternehmensergebnisse erst mit Verspätung in die Datenbank eingepflegt werden, zu Problemen kommen. Möglich ist etwa, dass die tested party einen Verlust erzielt und die Vergleichsunternehmen aufgrund von Datenbankergebnissen aus früheren (besseren) Jahren positive Gewinnmargen ausweisen. Einer solchen Diskrepanz kann insoweit begegnet werden als z.B. Unternehmen, die auch Verluste in ein oder zwei Jahren erzielen, nicht aus der Grundgesamtheit der Vergleichsunternehmen ausgeschlossen werden. Ebenso besteht die Möglichkeit, den Betrachtungszeitraum (von regelmäßig 3 auf 5 Jahre) auszudehnen und somit einen natürlichen Ausgleich zwischen schlechten und guten Jahresergebnissen herzustellen.

Dr. Gerald Posautz

gposautz@deloitte.at

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