Checkliste für die Arbeitnehmerveranlagung 2010

Arbeitnehmer sind idR nicht verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, durch die freiwillige Arbeitnehmerveranlagung kann jedoch oft Geld vom Fiskus zurückgeholt werden. Dafür kommen etwa folgende Gründe in Frage:

  • Schwankende Gehaltsbezüge im Jahr 2010 ohne Aufrollung durch den Arbeitgeber
  • Arbeitgeberwechsel im Jahr 2010 oder nicht ganzjährige Beschäftigung
  • Steuerlich absetzbare Ausgaben: Sonderausgaben, Werbungskosten und außergewöhnliche Belastungen, die noch nicht in einem Freibetragbescheid berücksichtigt wurden
  • Verlust oder Verlustvortrag aus anderen Einkünften
  • Absetzbeträge wurden bisher nicht berücksichtigt oder führen zu einer negativen Einkommensteuer

In der Arbeitnehmerveranlagung 2010 können folgende Positionen steuermindernd geltend gemacht werden:

  • Absetzbeträge:
    • Alleinverdienerabsetzbetrag (EUR 364)
    • Alleinerzieherabsetzbetrag (EUR 494/EUR 669 bei einem/zwei Kind(ern), zusätzlich EUR 220 für jedes weitere Kind)
    • Kinderfreibetrag (grundsätzlich EUR 220)
    • Unterhaltsabsetzbetrag (EUR 29,20 bis EUR 58,40/Monat/Kind)

 

  • Sonderausgaben
    • Kirchenbeiträge (bis EUR 200)
    • Steuerberaterkosten  (unbegrenzt abzugsfähig)
    • Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung einschließlich des Nachkaufs von Versicherungszeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung (unbegrenzt abzugsfähig)
    • Renten und dauernde Lasten (unbegrenzt abzugsfähig)
    • Sonderausgabenbegünstigte Spenden (bis zu 10% des Vorjahreseinkommens)
    • freiwillige Lebens-, Unfall- und Krankenversicherungen (höchstens EUR 2.920 bis EUR 7.300, davon ¼; bei Einkommen zwischen EUR 36.400 und EUR 60.000 reduziert sich der absetzbare Betrag auf Null (Einschleifregelung))
    • Wohnraumschaffung und –sanierung  (höchstens EUR 2.920 bis EUR 7.300, davon ¼; Einschleifregelung)
    • junge Aktien und Genussscheine (höchstens EUR 2.920 bis EUR 7.300, davon ¼; Einschleifregelung)

 

  • Werbungskosten
    • Pendlerpauschale, soweit noch nicht berücksichtigt (gestaffelt nach Arbeitsweg bis EUR 1.857 wenn Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zumutbar, sonst bis EUR 3.372)
    • Beiträge zu Berufsverbänden und Interessensvertretungen und selbst eingezahlte SV-Beiträge (unbegrenzt)
    • Pflichtversicherungsbeiträge bei geringfügiger Beschäftigung und Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung bei mitversicherten Angehörigen (unbegrenzt)
    • Werbungskostenpauschale iHv EUR 132 ohne Nachweis wird bereits im Rahmen der Lohnverrechnung berücksichtigt. Folgende Kosten sind absetzbar, soweit sie die Pauschale übersteigen:
      • Arbeitsmittel (Kosten über EUR 400 nur verteilt über die Nutzungsdauer absetzbar)
        • Computer (anteilig)
        • Fax (anteilig)
        • Telefon und Handy (anteilig)
        • Internetkosten (anteilig)
        • Arbeitskleidung nur wenn typische Berufskleidung wie (zB Uniformen und Schutzhelme)
        • Fachliteratur
        • Fortbildungs-, Ausbildungs- und Umschulungskosten
        • Kosten für doppelte Haushaltsführung und Familienheimfahrten
        • Betriebsratsumlage uä

 

  • Außergewöhnliche Belastungen
    • Kinderbetreuungskosten (iHv EUR 2.300 pro Kind bis zum 10. Lebensjahr)
    • auswärtige Berufsausbildung der Kinder (iHv EUR 110/Monat)
    • Krankheitskosten inkl Zahnersatz (Selbstbehalt bis zu 12%)
    • eigene Behinderung, Behinderung des (Ehe-)Partners oder des Kindes (ohne Selbstbehalt)
    • Katastrophenschäden (ohne Selbstbehalt)
    • Kurkosten (Selbstbehalt bis zu 12%)
    • Alters- und Pflegeheim (Selbstbehalt bis zu 12%)
    • Begräbniskosten (Selbstbehalt bis zu 12%)

Die Belege für die geltend gemachten Kosten/Belastungen sind 7 Jahre lang aufzubewahren, da sie auf Verlangen dem Finanzamt vorzuzeigen sind. Für die Antragsveranlagung haben Sie fünf Jahre Zeit. Für das Jahr 2005 können Sie die Arbeitnehmerveranlagung daher noch bis 31.12.2010 beantragen. Sollte sich aus einer Antragsveranlagung eine Steuernachzahlung ergeben, können Sie – wenn kein Pflichtveranlagungsgrund vorliegt (etwa wenn gleichzeitig mehrere Gehälter bezogen oder Absetzbeträge zu Unrecht in Anspruch genommen wurden) – den Antrag auf Arbeitnehmerveranlagung zurückziehen.

 

MMag. Uta Hammer

uhammer@deloitte.at

Print Friendly, PDF & Email

Liked this post? Follow this blog to get more.