Wertzuwachsbesteuerung im Privatvermögen und Betriebsvermögen

Besteuerung realisierter Wertsteigerungen.
Der Regierungsentwurf zum Budgetbegleitgesetz 2011 – 2014 (BBG 2011 – 2014) sieht vor, dass ab 1.10.2011 Gewinne aus der Veräußerung, Einlösung oder Abschichtung von privat gehaltenem Kapitalvermögen, d.s. insbesondere Aktien, GmbH-Anteile, Wertpapiere, Fondsanteile und Derivate, grundsätzlich mit 25 % besteuert werden. Bislang waren derartige Gewinne außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei.

Endbesteuerungswirkung.
Die Steuer ist im Wege des Kapitalertragsteuerabzuges durch die inländische depotführende Bank einzuheben. Mit diesem Steuerabzug ist – wie bereits auch für die laufenden Zinsen und Dividenden – die Einkommensteuer abgegolten. Aufwendungen im Zusammenhang mit diesem Kapitalvermögen (Depotgebühren, Transaktionsspesen usw.) sind allerdings steuerlich nicht mehr abzugsfähig.

Gegenverrechnung von Veräußerungsverlusten.
Ein Veräußerungsverlust kann in der Einkommensteuererklärung grundsätzlich gegen steuerliche Gewinne verrechnet werden. Ausgenommen davon sind Verrechnungen (1) mit Bankzinsen und Zuwendungen aus Privatstiftungen, (2) mit Einkünften und realisierten Wertsteigerungen aus nicht endbesteuerten Kapitalvermögen (Privatdarlehen, stille Gesellschaften usw.) und (3) mit anderen Einkünften, somit insbesondere mit betrieblichen, unselbständigen oder Vermietungseinkünften. Des Weiteren führen Veräußerungsverluste nicht zu Verlustvorträgen.

Inkrafttreten ab 1.10.2011 und Übergangsregelung.
Die Wertzuwachsbesteuerung tritt ab 1.10.2011 in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt greift die Wertzuwachsbesteuerung für Aktien, GmbH–Anteile und Anteile an Investmentfonds und Immobilien-Investmentfonds, die ab 1.1.2011, sowie andere Kapitalanlagen und Derivate, die ab 1.10.2011 angeschafft werden.

1 % Mindestbeteiligungen.
Bereits bisher steuerhängige Beteiligungen von mindestens 1 % an Kapitalgesellschaften bleiben weiterhin steuerhängig. Ab 1.10.2011 unterliegen diese der Wertzuwachsbesteuerung.

Wertzuwachsbesteuerung im Betriebsvermögen.
Grundsätzlich gelten ab 1.10.2011 die Regelungen über die Besteuerung der Wertzuwächse auch, wenn die Kapitalanlagen im Betriebsvermögen von natürlichen Personen oder von Mitunternehmerschaften gehalten werden, soweit natürliche Personen an diesen beteiligt sind. Somit werden realisierte Wertzuwächse aus Kapitalanlagen zukünftig auch im betrieblichen Bereich mit dem festen Steuersatz von 25 % zu versteuern sein. Allerdings sind alle mit der Veräußerung zusammenhängenden Ausgaben vom Steuerabzug ausgeschlossen. Für Kapitalgesellschaften ergibt sich durch die neue Wertzuwachsbesteuerung allerdings keine Änderung zur geltenden Rechtslage.

Teilwertabschreibungen und Veräußerungsverluste.
Teilwertabschreibungen auf Kapitalanlagen sowie Veräußerungsverluste können im Veranlagungsweg mit folgenden Ausnahmen steuerlich geltend gemacht werden:

  • Verluste sind vorrangig mit realisierten Wertsteigerungen und Zuschreibungen zu verrechnen; ein danach noch verbleibender Überhang an Verlusten kann zur Hälfte mit anderen betrieblichen Gewinnen gegengerechnet werden; insoweit ein Ausgleich im selben Jahr nicht möglich ist, geht diese Hälfte in den Verlustvortrag ein; die andere Hälfte des verbliebenen Verlustüberhanges geht verloren (!);
  • ein Ausgleich mit Kapitaleinkünften oder realisierten Wertzuwächsen im Privatvermögen ist nicht zulässig.

Inkrafttreten ab 1.10.2011 und Übergangsregelung.
Die Neuregelungen für Wertsteigerungen im Betriebsvermögen gelten für Derivate, die nach dem 30.9.2011 und anderes Kapitalvermögen, das ab dem 1.1.2011 angeschafft wird.  Für den „Altbestand“ an betrieblich gehaltenem Kapitalvermögen, das vor dem 1.10.2011 bzw. vor dem 1.1.2011 im Betriebsvermögen bestand, bleiben die bisherigen Regelungen gültig. Für diese ist somit weiterhin der individuelle Steuertarif maßgeblich. Mit der Veräußerung zusammenhängende Ausgaben bleiben als Betriebsausgaben abzugsfähig. Auch bestehen für „Altbestände“ keine Einschränkungen in der Verlustverrechnung. 

Dr. Andreas Hlavenka
ahlavenka@deloitte.at

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