Neuerungen in der Investmentfondsbesteuerung

Die neue Gesetzgebung sieht große Veränderungen bei der Besteuerung von Kapitalvermögen bei Privatpersonen vor; auch die Besteuerung von Investmentfonds ist hiervon betroffen.

Ebene des InvFonds – Besteuerung der ausschüttungsgleichen Erträge.
Während bei anderen Kapitalanlagen  das Zuflußprinzip für die Besteuerung maßgeblich ist, wird bei InvFonds die Besteuerung der thesaurierten Erträge durch die sogenannten ausschüttungsgleichen Erträge zeitlich vorweggenommen. Der Zufluss dieser ausschüttungsgleichen Erträge wird spätestens vier Monate nach Ende des InvFondsgeschäftsjahres fingiert. 

Substanzgewinne. Durch die Gesetzesänderung werden die Bemessungsgrundlagen für die ausschüttungsgleichen Erträge an das neue Besteuerungsregime anderer Kapitalanlagen wie Aktien, Anleihen oder Derivate angeglichen. Von diesen Neuerungen sind auch vor dem 1.1.2011 erworbe Altbestände an InvFondsanteilen betroffen. Bislang waren innerhalb des InvFonds realisierte Substanzgewinne bei Privaten nur zu 20 Prozent steuerpflichtig. Substanzgewinne und -verluste aus Forderungswertpapieren waren steuerfrei gestellt. Diese Steuervorteile werden nun stufenweise gekürzt. Im Ergebnis wird die Steuerpflicht für Substanzgewinne von 20 Prozent schrittweise bis zum Jahr 2014  auf 60 Prozent angehoben. Forderungswertpapiere werden noch bis 2012 steuerneutral gestellt sein. 

Ebene des Anteilsinhabers – fortgeschriebene Anschaffungskosten für Neuerwerbe.
Auf Ebene des Anlegers entfällt für nach dem 31.12.2010 erworbene InvFondanteile die einjährige Spekulationsfrist. Stattdessen sind Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf eines InvFondsanteils unabhängig von Haltedauer und Beteiligungshöhe jedenfalls mit 25 Prozent steuerpflichtig. Um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, werden die unterjährig versteuerten ausschüttungsgleichen Erträge den Anschaffungskosten hinzugerechnet. Allfällige steuerfreie Ausschüttungen vermindern die Anschaffungskosten. Bei Veräußerung sind 25 Prozent Steuer vom Unterschiedsbetrag zwischen dem Veräußerungserlös und den fortgeschriebenen Anschaffungskosten fällig. 

Depotführung. Sollten die InvFondsanteile auf einem KESt-pflichtigen Depot im Inland gehalten werden, hat die Bank sämtliche zur Erhebung der KESt notwendigen Daten zu führen. Bei einem Auslandsdepot ohne KESt-Abzug ist zu beachten, dass eine oftmals mehrere Jahre umfassende Dokumentation der fortgeschriebenen Anschaffungskosten, welche der Anleger selbst führen muss, notwendig sein wird, um die Bemessungsgrundlage ermitteln zu können. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Werbungskosten auf Ebene des Anteilsinhabers nun auch nicht mehr bei Kauf oder Verkauf abgezogen werden können. Für vor dem 1.1.2011 angeschaffte Fondsanteile ändert sich auf der Ebene des Anteilsinhabers hingegen nichts. 

Fazit. Die stufenweise Anhebung der ausschüttungsgleichen Erträge führt bei nach dem 31.12.2010 angeschafften Fondsanteilen nur zu einer Verzögerung der erhöhten Steuerbelastung, da die Besteuerung der zum Teil vorweg steuerfreien Substanzgewinne bei der Veräußerung nachgeholt wird. Im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen bestehen innerhalb des InvFonds weiterhin die Vorteile des Abzugs von Aufwendungen, die sofortige Verlustverrechnung sowie der Verlustvortrag. Nachteilig im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen ist die vorgezogene Besteuerung ausschüttungsgleicher Erträge sowie die bei Auslandsdepots notwendige Dokumentation der fortgeschriebenen Anschaffungskosten durch den Anteilsinhaber.
MMag. Birgit Schwertner-Awais
bschwertner@deloitte.at

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