Grenzüberschreitende Konzernumlagen im Visier der Finanzverwaltungen

Die Verrechnung von grenzüberschreitenden konzerninternen Dienstleistungen weckt häufig das Interesse der Finanzverwaltungen. Um Fremdüblichkeit zu erreichen, muss das Konzernumlagesystem einige Anforderungen erfüllen.

Hintergrund.
In der globalisierten Wirtschaft werden Dienstleistungen häufig zentral im Konzern ausgeübt und an andere Gesellschaften erbracht. Bei EDV-Services, Personalmanagement, Controlling oder auch in der Rechtsabteilung können dadurch Synergieeffekte erreicht, und Spezialistenwissen gebündelt werden. Da eine Einzelverrechnung an die Empfängergesellschaft nur schwer möglich bzw. wenig praktikabel ist, werden die mit der Dienstleistungserbringung verbundenen Kosten regelmäßig über ein Konzernumlagesystem verteilt. Bei von Österreich aus erbrachten grenzüberschreitenden Konzerndienstleistungen weckt dies das Interesse der heimischen Finanzverwaltung wie auch die Neugier der ausländischen Finanzbehörden. Während der österreichische Fiskus in der Regel eine fremdübliche Vergütung (inklusive Gewinnaufschlag) erwartet, wird beim Leistungsempfänger oftmals die Höhe der Verrechnung angezweifelt und die steuerliche Abzugsfähigkeit in Frage gestellt. 

Anforderungen an das Konzernumlagesystem.
Für die Fremdüblichkeit der Konzernumlage muss sichergestellt sein, dass die tatsächlich mit der Dienstleistungserbringung angefallenen Kosten verursachungsgerecht an die Empfängergesellschaften verrechnet werden und daher eine Gesellschaft mehr bezahlt, wenn sie die Dienstleistung stärker in Anspruch genommen hat. Bei der Summe der zu verteilenden Kosten als Ausgangspunkt für die Konzernumlage ist darauf zu achten, dass keine Kosten verrechnet werden dürfen, welche mit der Anteilseignereigenschaft (Shareholder Activity) zusammenhängen und somit nicht im Interesse der Empfängergesellschaft sind. Die Aufteilung der Kosten auf die empfangenden Gesellschaften im Ausland hat durch Kostenverteilungsschlüssel zu erfolgen, die nicht unnötig komplex ausgestaltet sein sollten, aber auch nicht die nötige Präzision vermissen lassen dürfen.

Abhängig von der Dienstleistung gibt es typische Kostenverteilungsschlüssel wie z.B. die Anzahl der User bei EDV-Services, die Mitarbeiteranzahl bei Human Resources Dienstleistungen usw. Es kann aber auch der Umsatz als Verteilungsschlüssel herangezogen werden oder eine Kombination aus mehreren Parametern. 

Gewinnaufschlag und Nutzendokumentation.
Die dienstleistungserbringende Gesellschaft hat Anspruch auf einen fremdüblichen Gewinnaufschlag, welcher von der Wertschöpfung der ausgeübten Funktion und von den übernommenen Risiken abhängt. In den österreichischen Verrechnungspreisrichtlinien wird bei Routinedienstleistungen von einem Gewinnaufschlag zwischen 5 und 15% auf die verrechneten Kosten ausgegangen. Für die steuerliche Anerkennung bei der Empfängergesellschaft ist wichtig, dass der Leistungsfluss nachgewiesen werden kann und eine Nutzendokumentation vorliegt. Die Nutzendokumentation (z.B. Memos, Besprechungsprotokolle, Korrespondenz usw.) soll zeigen, dass die erbrachten Dienstleistungen für die Tätigkeit der Empfängergesellschaft unabdingbar sind und ihr Nutzen gebracht haben. 

Tipp.
Teilweise wird vom Steuerpflichtigen kein Gewinnaufschlag auf erhaltene konzerninterne Leistungen gewünscht. Unter dem Stichwort Kostenverteilungsverträge („Kostenpool“) ist dies bei Berücksichtigung bestimmter Voraussetzungen möglich. 

Dr. Gerald Posautz
gposautz@deloitte.at
+43 (0) 1 537 00 6216

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