BBG 2011: Gleichbehandlung von Privatstiftungen und natürlichen Personen?

Aufgrund des BBG 2011 wird „endbesteuerungsfähiges“ Kapitalvermögen von Privatstiftungen generell mit 25% (anstatt mit bisher 12,5%) und auch hinsichtlich der realisierten Wertsteigerungen erfasst. Damit wird die Besteuerung der Privatstiftung mit jener der natürlichen Person grundsätzlich gleichgeschaltet. 

Anhebung der Zwischensteuer auf 25%. Die Anhebung des (Zwischen-) Steuersatzes auf 25% gilt bereits für Zuflüsse seit 1.1.2011. Bis spätestens 30.9.2011 erfolgt eine amtswegige Anhebung der Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen, um die Verdoppelung des Steuersatzes bereits unterjährig zahlungswirksam werden zu lassen. 

Zuwendungen an Begünstigte. Insoweit KESt-pflichtige Zuwendungen an Begünstigte erfolgen, kann die erhöhte 25%ige Zwischensteuer auf die im selben Jahr erzielten Kapitalerträge vermieden werden. Übersteigen diese Zuwendungen die Zwischensteuerbasis, wird die bezahlte 12,5%ige Zwischensteuer der Vorjahre gutgeschrieben. 

Realisierte Wertsteigerungen von Kapitalvermögen. Neben „endbesteuerungsfähigen“ Kapitalerträgen wie zB Wertpapier-, Bankguthaben- und Sparbuchzinsen unterliegen künftig auch realisierte Wertsteigerungen des zugrunde liegenden Kapitalvermögens (Aktien, Investmentfondsanteile, Anleihen, Bankguthaben, Derivate etc.) der erhöhten, 25%igen Zwischenbesteuerung. Dividenden sind unter den gleichen Voraussetzungen steuerfrei wie bei einer Holding-GmbH, eine Übertragung stiller Reserven aus Beteiligungsverkäufen ist unter den bisherigen Voraussetzungen weiterhin möglich. 

„Bestandschutz“ für den Wertpapier-Altbestand? Leider hat es der Gesetzgeber verabsäumt, eine ausdrückliche Übergangsregelung für den Altbestand an Wertpapieren aufzunehmen. Es ist zu hoffen, dass die künftigen Stiftungsrichtlinien des BMF im Auslegungsweg dieselben Übergangsregelungen wie bei natürlichen Personen für anwendbar erachten. Demnach würde die neue Besteuerung der Einkünfte aus realisierten Wertsteigerungen nur Verkäufe von Aktien und Investmentfondsanteilen betreffen, die nach dem 31.12.2010 erworben wurden. Ansonsten gilt die alte Rechtslage (Steuerpflicht nur bei Verkauf innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist). Für Derivate und Anleihen wäre für den Bestandschutz der (entgeltliche) Erwerb vor dem 1.10.2011 maßgeblich. 

Spekulationsfiktion bei Grundstücksverkäufen. Verkäufe von Grundstücken, deren Spekulationsfrist zum 31.12.2010 noch nicht abgelaufen ist oder die ab 1.1.2011 angeschafft werden, unterliegen künftig auch nach Ablauf der 10-jährigen Spekulationsfrist der 25%igen Körperschaftsteuer, wenn zumindest ein Stifter eine Kapitalgesellschaft war (unabhängig von der Art und Höhe des gewidmeten Vermögens!).

Druckverseion

DDr. Klaus Wiedermann
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater
kwiedermann@deloitte.at

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