Verlustausgleich bei Kapitaleinkünften ab 1.10.2011

Das Budgetbegleitgesetz 2011-20­14 brachte für natürliche Personen Neuerungen betreffend die Verlustverrechnung bei Kapitaleinkünften (sowohl im privaten als auch im betrieblichen Bereich) mit sich; eine aktive Mitwirkung des Steuerpflichtigen wird durch die Änderungen notwendig.

Verlustausgleich im privaten Bereich

Natürliche Personen, die im Privatvermögen Kapitalanlagen halten und daraus Veräußerungsverluste realisieren, können diese im selben Kalenderjahr nunmehr nicht – wie bisher – nur mit Veräußerungsgewinnen, sondern auch mit laufenden Erträgen, wie zB Dividenden und Anleihezinsen verrechnen. Folgende Einschränkungen sind dabei zu beachten:

  • kein Verlustausgleich mit Zinserträgen aus Geldeinlagen, sonstigen Forderungen bei Kreditinstituten und Zuwendungen einer Privatstiftung;
  • keine Verrechnung von endbesteuerten Kapitaleinkünften mit nicht endbesteuerten Kapitaleinkünften;
  • Verrechnung von Verlusten aus stillen Beteiligungen nur mit späteren Gewinnen aus diesen („Wartetastenverluste“);
  • kein Verlustausgleich mit anderen Einkunftsarten und kein Verlustvortrag. 

Verlustausgleich im betrieblichen Bereich
Natürliche Personen, die Kapitalanlagen im Betriebsvermögen, dh als Einzelunternehmer oder als Beteiligte an einer Personengesellschaft halten und daraus Veräußerungsverluste (bzw Teilwertabschreibungen) realisieren, können diese wie folgt verrechnen:

  • vorrangige Verrechnung der Verluste (bzw Teilwertabschreibungen) mit realisierten Wertsteigerungen und Zuschreibungen;
  • Verrechnung eines darüber hinausgehenden Verlustüberhangs zu 50% mit anderen betrieblichen Gewinnen, andernfalls stehen diese 50% für einen Verlustvortrag zur Verfügung;
  • kein Verlustausgleich mit Kapitaleinkünften oder realisierten Wertsteigerungen des Privatvermögens.

Verlustausgleich nur im Rahmen der Veranlagung
Ein Verlustausgleich ist für den Steuerpflichtigen im privaten Bereich nur auf Antrag im Rahmen seiner Steuererklärung möglich, wobei der Antrag innerhalb von fünf Kalenderjahren gestellt werden kann. Da der KESt-Abzug auf Kapitalanlagen durch die inländische depotführende bzw auszahlende Stelle sofort, eine entsprechende Berücksichtigung der Verluste aber erst im Veranlagungsweg erfolgt, ergibt sich bei einem Auslandsdepot ein gewisser Liquiditätsvorteil, da hier die Besteuerung jedenfalls nur im Veranlagungswege erfolgt.  

Spesen und Anschaffungsnebenkosten.
Spesen im Zusammenhang mit endbesteuertem Kapitalvermögen sind grundsätzlich weder im privaten noch im betrieblichen Bereich abzugsfähig. Im betrieblichen Bereich sind jedoch Anschaffungsnebenkosten bei der Ermittlung des Veräußerungsgewinnes abzugsfähig.

Inkrafttreten und Übergangsbestimmungen
Die neue Verlustausgleichsregelung gilt für Verkäufe ab dem 1.10.2011 von Aktien und Fondsanteilen, die nach dem 31.12.2010 bzw Anleihen, Derivaten und Zertifikaten, die nach dem 30.09.2011 angeschafft wurden. Auf alle davor erfolgten entgeltlichen Transaktionen ist weiterhin die alte Verlustausgleichsregelung anzuwenden (Verlustausgleich lediglich mit anderen Spekulationseinkünften, sofern Behaltedauer unter einem Jahr; kein Ausgleich mit Einkünften der neuen Rechtslage).

Mag. Fiona Gebhardt
fgebhardt@deloitte.at

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