Erhöhte Forschungsprämie ab 2011

Die aktuelle Änderung der steuerlichen Forschungsförderung beinhaltet eine ab 2011 wirksame Prämie von 10% (bis 2010: 8 %) und die völlige Abschaffung der bisherigen Forschungsfreibeträge. Die neue Rechtslage ist auf Wirtschaftsjahre anwendbar, die nach dem 31.12.2010 beginnen.

Vorteile.
Die Forschungsprämie steht unabhängig davon zu, ob das Unternehmen Gewinne oder Verluste macht. Sie ist als Steuergutschrift konzipiert, die im Verlustfall direkt zu einem Guthaben auf dem Abgabenkonto führt. Aus der Abschaffung der Forschungsfreibeträge ergibt sich für den im Inland tätigen Steuerpflichtigen kein Nachteil, da diese ohnehin nur in Ausnahmefällen vorteilhafter waren. 

Verfahren.
Die Forschungsprämie muss mit  der Steuererklärung für das Jahr, in  dem die Aufwendungen  angefallen sind bzw die Investitionen getätigt wurden, geltend gemacht werden. Die Forschungsaufwendungen, sind unabhängig von der Beanspruchung der Forschungsprämie weiterhin steuerlich abzugsfähig.

Vereinfachung.
Die Forschungsprämie ist an wenige Formalitäten gebunden; ein aus der Forschung- und Entwicklungstätigkeit resultierendes Patent ist nicht erforderlich, ebenso wenig eine Bescheinigung über den volkswirtschaftlichen Wert einer Erfindung oder ein Nachweis des Erfolges der Forschungstätigkeiten. Sogar fehlgeschlagene Forschung kann förderungswürdig sein! 

Begriffsbestimmung: Was ist Forschung und Entwicklung?
Der Anwendungsbereich für die  Forschungsprämie entspricht der weiten Definition von Forschung und Entwicklung des „OECD 2002 Frascati Manual: Proposed Standard Practice for Surveys on Research and Experimental Development“. Auch Auftragsforschern steht die Prämie offen, obwohl  das Ergebnis der Forschung nicht in deren Eigentum verbleibt. Forschung und Entwicklung umfasst auch die Entwicklung von Software, wenn es sich unter anderem um die Entwicklung neuer Software-Tools, Betriebssysteme oder Internet-Technologien handelt (vgl im Detail unseren Beitrag von Erdélyi/Gelke vom 11.8.2010).

Höhe/ Welche Forschungsaufwendungen sind begünstigt?
Die Forschungsprämie beträgt nunmehr 10% der begünstigten Aufwendungen. Diese umfassen Personal- und Materialaufwendungen für Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten, Gemeinkosten, Finanzierungsaufwendungen und unmittelbar der Forschung und Entwicklung dienende Investitionen (einschließlich der Anschaffung von Grundstücken). Bei Investitionen ist zu beachten, dass im Jahr der Anschaffung/Herstellung die gesamten Anschaffung- bzw Herstellungskosten zu berücksichtigen sind, jedoch die Abschreibungen nicht in die Bemessungsgrundlage einfließt (bei teilweiser Nutzung in der Forschung sind die Investitionen anteilig begünstigt). Auch externe Aufwendungen für F&E sind begünstigt, wenn der Forschungsbegriff des Frascati Manual beim Auftragnehmer nicht erfüllt ist. Wie bisher ist die Forschungsprämie für die Eigenforschung betraglich nicht gedeckelt. Im Gegensatz dazu ist die Bemessungsgrundlage für Auftragsforschung beim Auftraggeber auf EUR 100.000 begrenzt. 

Subventionen.
Steuerfreie Zuschüsse und Förderungen sind aus der Bemessungsgrundlage für die Forschungsprämie insoweit auszuscheiden, als sie den begünstigten Aufwendungen zugeordnet werden können. 

Schlussbemerkung.
Die erhöhte Forschungsprämie soll den Forschungs­standort Österreich noch attraktiver machen. Viele Unternehmen sind sich jedoch oft nicht bewusst, wie weit der Begriff der Forschung und Entwicklung gefasst ist und dass die Prämie auch für die Entwicklung oder Verbesserung neuer Prozesse, Materialien oder Methoden gewährt wird. Damit hier nicht mögliche Förderungen „verloren gehen“, gilt es daher sorgfältig zu prüfen, ob die Bedingungen für die Forschungsprämie erfüllt sind.

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Susanne Spatz
sspatz@deloitte.at

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