VwGH anerkennt Werbungskosten für gemischt veranlasste Reisen

Mit Erkenntnis vom 27.1.2011, 2010/15/0197 urteilte der VwGH über die Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für Reisen mit beruflichen und privaten Reiseabschnitten und ging dabei deutlich von seiner bisherigen Rechtsprechung ab.

Hintergrund. Stellen Sie sich vor, Sie reisen zu einer mehrtägigen Konferenz nach New York und hängen im Anschluss daran einige Urlaubstage an, die Sie für Sightseeing Touren nutzen. Diese Reise beinhaltet unzweifelhaft einen beruflichen und einen privaten Bestandteil. Es stellt sich nun die Frage, ob die hierfür angefallenen Aufwendungen zumindest zum Teil steuerlich absetzbar sind.

Bisherige Rechtsprechung und Kritik. Bislang konnten Reisekosten nur anlässlich einer ausschließlich beruflich veranlassten Reise abgesetzt werden. Bei gemischt veranlassten Reisen war die Abzugsfähigkeit der Fahrt- noch Nächtigungskosten trotz unstrittiger beruflicher (Mit-)Veranlassung als Betriebsausgaben oder Werbungskosten nicht möglich, da diese Reisen zur Gänze der privaten Veranlassung zuzuordnen waren. Lediglich Tagungsgebühren für Konferenzen konnten steuerlich berücksichtigt werden. Diese Rechtsansicht erfuhr in letzter Zeit immer häufiger Kritik, da nicht klar nachvollziehbar ist, warum eine Aufteilung für PC, Telefon und Kraftfahrzeuge möglich sein soll, jedoch bei Reisen, bei welchen der berufliche bzw private Teil klar abgrenzbar ist, eine Aufteilung nicht zusteht.

Gesonderte Reiseabschnitte. Für den Fall, dass sich beruflich veranlasste Reiseabschnitte klar und einwandfrei von privat veranlassten Reiseabschnitten trennen lassen, vertritt der VwGH nun mit Erkenntnis vom 27.1.2011, 2010/15/0197 die Auffassung, dass eine Aufteilung der Reisekosten vorzunehmen ist und der Abzug für die beruflich veranlassten Reiseabschnitte möglich ist. Ohne Nachweis der beruflichen Mitveranlassung kommt eine steuerliche Geltendmachung allerdings weiterhin nicht in Betracht.

Tages- und Nächtigungssätze. Umfasst die Reise nach Abzug der Hin- und Rückreisetage mehr als nur einen Tag, können pro Aufenthaltstag die pauschalen Tages- und Nächtigungssätze steuerlich geltend gemacht werden, wenn für den einzelnen Aufenthaltstag eine (zumindest beinahe) ausschließliche berufliche Veranlassung vorliegt. Alternativ zu den pauschalen Nächtigungssätzen können die tatsächlich nachgewiesenen Kosten für die Nächtigung berücksichtigt werden. Die Absetzbarkeit von pauschalen Tages- und Nächtigungssätzen für den Hin- und Rückreisetag im Rahmen einer gemischt veranlassten Reise ist zwar nicht möglich, jedoch können die tatsächlich nachgewiesenen Kosten für die im Zuge der Hin- und Rückfahrt angefallenen Nächtigungskosten anteilig geltend gemacht werden.

Fahrtkosten. Die Aufwendungen für die Hin- und Rückfahrt können ebenfalls anteilig geltend gemacht werden, wobei sich das Aufteilungsverhältnis sich aus dem Verhältnis der ausschließlich beruflich veranlassten Aufenthaltstage zu den übrigen Aufenthaltstagen ergibt. In gleicher Weise wie die Hin- und Rückfahrtkosten können tatsächlich nachgewiesene Kosten von im Zuge der Hin- und Rückfahrt angefallenen Nächtigungen, aber auch Kosten für ein Einreisevisum, etc nach diesem Schlüssel aufgeteilt werden.

Vom Dienstgeber angeordnete Reisen. Ist die private Mitveranlassung für eine Reise von völlig untergeordneter Bedeutung, so ist gar keine Aufteilung der Fahrtkosten vorzunehmen. Die untergeordnete Bedeutung ergibt sich dabei keineswegs bloß aus dem zeitlichen Ausmaß der Reiseabschnitte: Kann eine fremdbestimmte Veranlassung – wie eine vom Arbeitgeber angeordnete Reise – unzweifelhaft als das „auslösende Ereignis“ einer Reise gewertet werden, so können die gesamten Fahrtkosten steuerlich berücksichtigt werden, selbst wenn anlässlich einer solchen Reise auch private Unternehmungen stattfinden.

Teresa Hofbauer
thofbauer@deloitte.at

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