Abzugsteuer bei selbständigen ausländischen Künstlern

Ausländische Künstler unterliegen in vielen Fällen eines Inlandsengagements mit ihrer Vergütung einer pauschalen Abzugsteuer. Schuldner dieser pauschalen Steuer ist der ausländische Künstler selbst, die Verpflichtung zur Durchführung des Steuerabzugs und die Haftung treffen allerdings den inländischen Vertragspartner, der die Vergütung ausbezahlt.

Österreichisches Steuerrecht.

Bei Einkünften von selbständigen ausländischen Künstlern und Mitwirkenden an Unterhaltungsdarbietungen wird die Einkommensteuer im Wege einer  Abzugsteuer erhoben. Da ausländische Künstler idR auch dem Steuerrecht ihres Wohnsitzstaates unterliegen, kann Österreich sein Besteuerungsrecht allerdings nur dann ausüben, wenn auch das Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Wohnsitzstaat des Künstlers das Besteuerungsrecht an diesen Einkünften Österreich zuordnet.

Doppelbesteuerungsabkommen.

Die meisten von Österreich abgeschlossenen DBA enthalten einen dem OECD Musterabkommen nachgebildeten Künstlerartikel (Art 17 OECD-MA), der für Künstler eine Steuerpflicht im Tätigkeitsstaat begründet. Der Begriff „Künstler“ ist zwar nicht abschließend definiert, allerdings besteht eine beispielhafte Aufzählung (Bühnen-, Film-, Rundfunk-, und Fernsehkünstler sowie Musiker) aus der abgeleitet werden kann, dass nur vortragende Künstler, die unmittelbare oder mittelbare Darbietungen mit künstlerischem oder unterhaltendem Charakter in der Öffentlichkeit erbringen, erfasst sind. Enthält das jeweilig anzuwendende DBA einen derartigen Künstlerartikel oder besteht mit dem Ansässigkeitsstaat des Künstlers kein DBA, kann Österreich den innerstaatlichen Besteuerungsanspruch auch zwischenstaatlich durchsetzen.

Steuerabzugsverpflichtung und Haftung.

Obwohl der Schuldner der Abzugsteuer der ausländische Künstler ist, treffen die Verpflichtung zum Steuerabzug sowie die Haftung denjenigen, der die Vergütung ausbezahlt. Dabei ist es unerheblich, ob die Vergütung direkt dem Künstler oder in seinem Auftrag einem Dritten zufließt. Der zum Steuerabzug Verpflichtete wird idR der inländische Veranstalter sein; sind jedoch mehrere Unternehmen am Leistungsprozess beteiligt, trifft die Abzugsverpflichtung regelmäßig den letzten österreichischen Unternehmer in der Kette. Sollte in diesem Fall die Abzugsteuer bereits durch einen vorherigen Unternehmer in der Leistungskette entrichtet worden sein, befreit dies den letzten Unternehmer. Im Zweifelsfall sollte zur Vermeidung von Haftungsfolgen ein Steuerabzug erfolgen, denn wird im Zuge einer finanzamtlichen Außenprüfung die pflichtwidrige Unterlassung der Abfuhr der Abzugsteuer festgestellt, wird diese mit Haftungsbescheid vorgeschrieben. Des Weiteren drohen finanzstrafrechtliche Konsequenzen.

Bemessungsgrundlage und Höhe der Steuer.

Die Abzugsteuer wird grundsätzlich in Höhe von 20% vom vollen Betrag der Einnahmen einschließlich aller Kostenersätze und Sachbezüge (allerdings exklusive Umsatzsteuer) ohne Berücksichtigung von Ausgaben erhoben (Bruttoabzugsteuer). Übernimmt der Veranstalter die Bezahlung der Abzugsteuer, unterliegt diese als weiterer Vorteil dem Steuerabzug. In diesem Fall erhöht sich die Abzugsteuer auf 25%. Für Empfänger, die in der EU oder im EWR ansässig sind, besteht nach Abstimmung mit dem inländischen Vertragspartner die Möglichkeit Ausgaben, die unmittelbar mit den Einnahmen in Zusammenhang stehen, im Rahmen einer Nettoabzugsbesteuerung geltend zu machen. In diesem Fall erhöht sich der Steuersatz für natürliche Personen auf 35% und für juristische Personen auf 25%.

Abfuhr der Abzugsteuer

Der Steuerabzug hat zum Zeitpunkt des Zuflusses der Vergütungen zu erfolgen. Die Steuerbeträge sind mit der entsprechenden Bezeichnung spätestens am 15. Tag nach Ablauf des Kalendermonats an das Betriebs- bzw Wohnsitzfinanzamt des Schuldners der Einkünfte abzuführen (vgl auch unseren Steuerkalender).

Wilfried Krammer
wkrammer@deloitte.at

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